POV: Vic
Ein letzter Blick auf mein iPhone um nach der Uhrzeit zu sehen. 23:16 Uhr. Nicht, dass die Uhrzeit wichtig wäre aber ich brauche nun mal immer eine zeitliche Übersicht. Schnell ziehe ich die Kapuze von meinem schwarzen Hoodie über meinen Kopf. Ich spüre dabei deutlich meine braunen, geglätteten Haare auf meiner Stirn. Die Leute meinen immer ich solle sie mir abschneiden, aber mir gefällt es nun mal so. Hastig entknote ich meine Kopfhörer im düsteren Licht unseres Flurs. Ich hasse es, wie schnell sich meine Kopfhörer immer verknoten. Als ich dies nach gefühlten 5 Minuten aber schaffte stecke ich das Ende in mein Handy und die beiden Knöpfe schließlich in meine Ohren. Ich ging auf die Datei „kürzlich hinzugefügt" und war nun endlich bereit die Songs zu hören, die mir momentan immer wieder einen Ohrwurm beschafften. Ohne sonderliche Emotionen verließ ich das Haus und schloss die Türe hinter mir. Ein kalter Herbstwind streift über meine Wangen und kurz fröstelte es mich aber mein Körper gewöhnt sich sehr schnell daran und so stört es mich nicht weiter. Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf. Obwohl ich die ganze Zeit auf den Boden starre, bemerke ich kaum die gelblichen Straßenlaternen die meinen Weg beleuchten. Ich weiß genau wo ich jetzt hingehen werde.POV: Amy
Schon wieder Streit zuhause. Wie immer fängt mein Vater an mich zu kritisieren. Immer und alles was ich mache ist falsch. Meine Mutter ist oben im Badezimmer und macht die Wäsche. Als sie uns hört kommt sie schnell die Treppen runter. Seine aggressive Seite macht uns alle fertig. Ich frage mich immer wieder warum sie die Beziehung nicht einfach beendet? Wahrscheinlich wegen dem Geld. Sie will, dass es uns aber besonders mir gut geht. Jeden Morgen muss sie früh aufstehen um rechtzeitig bei ihrer Arbeit zu sein. Verkäuferin bei Walmart und das schon seit Jahren. Ohne meinem Stiefvater könnte sie mich nicht ernähren. Mittlerweile bemerke ich, dass ich total in Gedanken versunken war. Ich höre den Streit zwischen ihnen nur noch ganz dumpf. Ich weiß, dass meine Mom gleich wieder eine Ohrfeige kassieren würde. Das passiert so gut wie immer, wenn sie mich verteidigt. Das Schlimme daran ist aber, dass ich ihr nicht mal helfen kann. Ich würde es ja zumindest versuchen aber sie schickt mich immer weg, weil sie mich beschützen will. Um den ganzen Trubel zu entgehen, flüchte ich schnell zu unserer Garderobe und ziehe meine roten Converse und meine graue Stoffjacke an. Schnell reiße ich die Türe auf und betrete unseren Vorgarten. Aber schon kurz danach bemerke ich, dass ich mein Handy in meinem Zimmer vergessen habe. Wie mich das im Moment aufregt, dass ich das Haus nochmal betreten muss. So leise wie möglich schlich ich in mein Zimmer und nahm das Handy vom Bett und lieber auch gleich meine Kopfhörer die auf dem Schreibtisch liegen. Nun ist es mir egal ob sie mich hören. Mit Anlauf renne ich wieder raus. Sobald ich meine Kopfhörer mit dem Handy verbinde, schaue ich unbemerkt auf die Uhrzeit. 23:16 Uhr. Meine Mutter und mein Stiefvater würden noch länger streiten und mit der Versöhnung mit einberechnet würden sie mich vor 01:00 Uhr nicht vermissen. Ich weiß noch nicht wo ich hingehen soll. Einzelgänger war ich schon immer.POV: Vic
Ich schaue noch immer auf den Boden. Langsam wird es mir echt zu kalt. Die Kälte lässt mich munter bleiben. Wenn ich nach rechts schaue sehe ich die Ostküste. Das Rauschen der kleinen Wellen ist selbst mit Musik kaum zu überhören. Vor mir beginnt eine Reihe von Parkbänken. Ich beschließe mich hier für eine Weile niederzulassen. Keine Menschenseele ist zu sehen. Kurz nehme ich die Kopfhörer aus den Ohren um sicher zu gehen, dass wirklich alles leise ist. Die Atmosphäre scheint beinahe unsicher zu sein.POV: Amy
Mir ist zu kalt. Das hätte ich eigentlich wissen müssen. Mir wird sehr schnell kalt aber ich denke meistens nicht daran was Warmes anzuziehen. Obwohl in dieser Situation friere ich lieber als noch länger zuhause geblieben zu sein. Ganz in Gedanken versunken merke ich gar nicht, dass ich die Musik immer schlechter verstehe. Als ich die Kopfhörer aus den Ohren nehme, höre ich erst richtig, wie laut das Meer doch sein kann. Langsam fangen meine Füße an zu schmerzen und ich beschließe, mich auf der nächsten Sitzgelegenheit hinzupflanzen. Ich muss meine Augen ziemlich anstrengen um ihn diesen Lichtverhältnissen etwas zu sehen also entscheide ich mich wieder auf den Boden zu schauen. Ich konzentriere mich auf den gepflasterten Boden als ich bemerke, dass ich in meinem äußeren Blickfeld Füße einer Parkbank sehe. Als ich aufschaue sehe ich, dass da schon ein junger Mann sitzt. Ich bemerke, dass gleich darauf eine weitere Bank steht, die noch nicht besetzt ist. Meinen Überlegungen zufolge setze ich mich dennoch neben diesen Jungen, da es sicherlich unsympathisch erscheinen würde, mich nach dem Anstarren und Nachdenken letztendlich woanders hinzusetzen. Ich mache es mir gemütlich und stecke anschließend meine Kopfhörer wieder in meine Ohren.POV: Vic
„Na toll, muss die sich jetzt unbedingt neben mich hinsetzen?", denke ich mir. „Sie hat doch genau gesehen, dass da noch haufenweise Bänke rumstehen." Genervt denke ich darüber nach, aufzustehen und zu gehen, doch ich habe aus unersichtlichen Gründen Hemmungen, wie das wohl rüberkommen würde. Eigentlich bin ich hergekommen um meine Ruhe zu haben. Als ich auf die Belichtete Kirchenuhr schaue, bemerke ich erschrocken, dass es mittlerweile 23:47 Uhr geworden ist. Was wohl ihr Grund ist herzukommen? Ich versuche so leise wie möglich den Knopf auf dem Kopfhörerkabel zu drücken, der dafür verantwortlich ist, die Musik zu stoppen. Endlich geschafft. Bis auf die Wellen, ist es verdammt leise. Ich kann ihren gleichmäßigen Atem hören. Plötzlich bemerke ich, dass eine angespannte Stimmung zwischen uns herrscht. Schon komisch, wir kennen uns ja eigentlich nicht. Nervös fange ich an, mit meinem Bein zu zappeln. Zeit für eine Zigarette. Mit leicht zitternden Fingern hole ich meine Marlboro-Schachtel aus meiner Hosentasche. Als ich kurz mein Feuerzeug nicht finden kann, werde ich innerlich leicht wütend. Prompt erinnere ich mich aber daran, dass ich das Feuerzeug immer direkt in die Zigarettenschachtel stecke. Ich atme erleichtert auf. Als ich das Feuerzeug anmache, kommt mir das Geräusch sehr laut vor. Endlich der erste Zug.POV: Amy
Fuck. Ich spüre deutlich die unangenehme Stimmung zwischen uns. Hätte ich mich doch woanders hinsetzen sollen? Und schon wieder überkommt mich das Gefühl unerwünscht zu sein. Das war eigentlich nicht der Sinn der Sache, von zuhause zu fliehen. Zumindest für eine gewisse Zeit. Ich kann seine Nervosität sehr gut spüren. Weshalb auch immer er nervös ist. Lächerlich. Moment mal! Ist das sein Ernst? Er steckt sich eine Zigarette an?! Wenn es etwas gibt, was ich hasse, dann ist es Rauchen. Wenn nicht sogar die Raucher selber. Es widert mich einfach an. Die kommen, dann gleich viel unhygienischer rüber. Das ist zumindest meine Meinung. Wütend riss ich mir die Kopfhörer aus den Ohren. Der Wind wehte genau in meine Richtung sodass ich dann diejenige bin, die den ganzen Rauch abbekommt. Wahrscheinlich äschert er mich auch noch voll. Soll ich ihn bitten die Zigarette auszumachen? Oder soll ich mich einfach wegsitzen? Ich bin eher für ersteres. Vielleicht überlegt er sich dann generell mit dem Rauchen aufzuhören, wenn ich ihn ein bisschen darüber aufklären würde? Eigentlich bin ich eher zurückhaltend. Aber so etwas bringt mich auf Hochtouren. Mir ist das jetzt ziemlich egal ob ich ihn damit nerven würde. Dann kann er ja aufstehen und gehen. „Mensch Amy, denk nicht so lang nach und fang' endlich an!", denke ich mir.„Rauchen ist ziemlich ungesund, weißt du?", höre ich mich nun endlich sagen, wenn auch noch etwas schlecht gelaunt. Nun sieht er mich endlich an. „Ich weiß". Das war das einzige, was von ihm zurückkommt und dann auch noch emotionslos, was das Ganze noch schlimmer macht. Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters und ich muss schon sagen... Er ist total mein Fall. Nichts desto trotz war das einfach nicht das was ich hören wollte, also probiere ich es einfach anders.„Meinst du, du könntest sie ausmachen? Ich bekomme wegen dem Wind alles ab.Bitte.", Wow, das klang netter als geplant. Er sieht mich immer noch ab. Ich fühle mich unbehaglich und schaue dann doch lieber zu Boden. „Klar, kein Problem. Sag das doch einfach gleich.", gab er nun zurück. Also das habe ich nun wirklich nicht erwartet. Aber vielleicht liegt es daran, dass nun endlich nicht mehr diese unangenehme Stimmung herrscht. Ich schaue ihm nun zu wie er seine Zigarette an der Armlehne der Bank ausdrückt. Schnell wendet er sich mir wieder zu und sah mich mit einem entschuldigenden Blick an. „Kein Problem.",antworte ich seiner unausgesprochenen Frage. „Ich bin übrigens Amy.", meine ich schließlich und reiche ihm die Hand. Lächelnd nimmt er meine Begrüßung an. „Mein Name ist Victor. Aber nenn' mich ruhig Vic.".
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Selfish Machines
RomanceBei Amy zuhause läuft so einiges falsch. Als ihr wieder mal alles zu viel wird, nimmt sie ihre Sachen und verlässt das Haus. Schließlich lässt sie sich auf einer Parkbank nieder. Keiner Menschenseele ist in Sicht bis auf einen jungen Mann, mit dem s...