Story of Lea

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Es ist Nacht, finstere finstere Nacht. Man kann die Hand vor Augen nicht sehen, aber man sieht die Sterne. Sterne, die wie winzig kleine Lichtkügelchen zu Milliarden dort oben stehen. Oben... Wo ist ist oben? Der Himmel ist oben, ... von der Erde aus betrachtet. Von der Erde aus betrachtet wirkt das Universum so gigantisch. Von diesem kleinen Planeten aus betrachtet wirken die Sterne so weit entfernt und so winzig. Von diesem Planeten aus betrachtet wirkt auch die Sonne klein, doch sie ist gigantisch, gigantisch im Vergleich mit der kleinen Erde und ein nichts im Vergleich mit dem Universum.

Es ist dunkle Nacht und der Mond steht einsam am Himmel, reicht nicht aus um die Erde in warmes Licht zu tauchen, wie die Sonne es tut, aber er ist nicht allein. Er leuchtet mit den Sternen, die so schön glitzern, dass man den Blick nicht abwenden möchte – dass Lea den Blick nicht abwenden möchte.

Lea sitzt allein an ihrem Schreibtisch und starrt aus dem Fenster. Ihre Familie ist längst zu Bett gegangen, doch Lea starrt weiter in die Nacht, fühlt sich nicht müde oder gelangweilt, fühlt nichts außer Glück. Sie könnte den Blick nie abwenden von den Sternen, selbst wenn sie es wollte. Sie ist einfach ein Nachtmensch. Sie verschläft den Nachmittag nach der Schule und wacht wie aus dem Nichts auf wenn es dämmert. Ohne Wecker ohne dass ihr jemand Bescheid sagt. Sie wacht einfach auf und ist wach, hell wach.

Jeden Tag verbringt sie so, kann sich nicht mit Freunden treffen, denn wenn sie dies täte,könnte sie vor Schulbeginn keine Sekunde Schlaf mehr bekommen. So brachen all ihre Freundschaften ab, bevor sie beginnen konnten. Doch Lea ist nie allein und nie hat sie Langeweile und nie findet sie es eintönig alle ihre Tage so zu verbringen. Sie hat ihre Familie, die sie zu unterstützen versucht, obwohl sie nicht weiß wobei. Und Lea hat die Sterne und den Mond, die sie wie ihre eigene Familie liebt.

Lea sitzt vor dem Fenster und starrt den Mond an. Es ist ein besonderer Tag für sie, ihr Jubiläum. Heute vor vielen Jahren hat sie ihn das erste Mal in ihrem Leben gesehen, den Mond. Viele Jahre für einen Menschen, doch ein Nichts für das Universum. Sie erinnert sich daran als wäre es gestern gewesen, als sie vier Jahre alt war und zum ersten Mal bewusst den Mond und die Sterne sah. Während sie in Erinnerungen schwelgt, überkommt sie plötzlich ein seltsames Unwohlsein. Ihr wird schlecht, sie springt vom Schreibtisch auf und hechtet ins Badezimmer. Sie übergibt sich in die Toilette.


Es war ein Schultag wie jeder andere und Lea geht nach Hause, allein. Sie legt sich schlafen,um die Nacht wie immer mit dem Himmel zu verbringen. Sie liegt im Bett und grübelt. Wie konnte es dazu kommen, dass sie sich übergeben musste? So etwas war ihr noch nie passiert, nicht wenn sie den Mond anschaute und pures Glück empfand. Sie grübelte, sie ... sie konnte nicht schlafen! Das war ihr noch nie passiert. Lea steht auf und geht aus dem Haus. Sie besieht sich die Sonne. Sie sieht direkt hinein,das macht ihr nichts aus.

Aus dem Nichts beginnt ihr Auge zu schmerzen und sie kneift es zu. Ihr linkes Auge beginnt seltsam zu brennen, als ob etwas hinein geraten wäre. Sie geht zurück ins Haus und untersucht ihr Auge vor einem Spiegel. Nichts zusehen. Lea sieht aus dem Fenster und schaut in die Sonne, wie sie es schon oft getan hat. Ihr linkes Auge tut nicht mehr weh. Aus dem Nichts fängt ihr rechtes Auge an zu pulsieren. Es brennt. Es tut weh! Plötzlich brennen beide Augen. Sie kneift sie zusammen und hält sich den Kopf. Mit einer Hand tastet sie sich zum Spiegel und reißt für einen kurzen Moment die Augen weit auf. Ungläubig setzt sie sich auf den Boden und wartet bis die Schmerzen nachlassen.

Dann steht sie auf und betrachtet ihre Augen im Spiegel. Ihre Iris hat sich verfärbt! Ihre Augenfarbe beträgt nicht mehr Braun, sondern pink. Ihre Augen leuchten in einem knalligen Pink! Wie kann das möglich sein? Warum passiert das? Warum passiert es jetzt und warum mit ihr?


Ihre Eltern waren spät von der Arbeit gekommen. Lea hatte sich darauf eingestellt die Veränderung erklären zu müssen, doch ihre Eltern bemerkten sie nicht. Sie hatten Lea für verrückt erklärt, als sie ihnen die Frage stellte, ob sie denn nicht sehen würden welche Farbe ihre Augen hätten. Ihre Eltern sahen keinen Unterschied, aber Lea sieht doch ganz deutlich pink! Sie kann sehen wie ihre Augen leuchten.Warum hatten ihre Eltern es nicht gesehen? Lea weiß die Antwort nicht. Sie weiß auch nicht wieso sie am Nachmittag nicht hatte schlafen können. Sie wartet nur darauf, dass es endlich wieder Nacht wird.


Es ist Nacht, finstere Nacht und Lea hat Angst den Mond anzusehen. Was wenn ihr wieder übel wird? Sie muss es wagen und sieht direkt in das spärliche Licht des Mondes, sieht ihn direkt an. Ihre Augen pulsieren. Sie beginnen so heftig zu pulsieren, dass es Lea so vorkommt, als würden sie ihr aus dem Kopf springen. Sie springt vom Stuhl auf und geht zum Spiegel in ihren Zimmer. Sie öffnet die Augen und sieht hinein. Ihre Pupillen haben sich verformt. Sie sind länglich wie bei einer Katze. Schwarze dünne Pupillen umrahmt von leuchtendem pink – das sind nicht mehr Leas Augen. Sie geht zurück zum Fenster. Der Mond leuchtet heller als vorher, viel heller. Ihr wird ganz warm ums Herz. Er wird heller und heller, erleuchtet ihr ganzes Zimmer. Der Mond wird so hell wie die Sonne und mit einem Mal übertrifft er sie.

Jeder normale Mensch hätte die Augen zu gekniffen, doch Lea saugt das Licht förmlich in sich auf. Sie steht in völligem weiß. Eigentlich müsste sie total überbelichtet sein, aber sie kann ihren Körper sehen. Es ist als würde sie in einem weißen Raum stehen, allein. Vor sich sieht sie plötzlich den Mond, einen Halbmond. Er schwebt nur wenige Meter von ihr entfernt, riesengroß, doch lange nicht so groß wie er in Wirklichkeit ist.

„Willst du mit mir gehen?" , hallt eine Stimme durch Leas Kopf. Sie sieht sich um. Nur der Mond ist zu sehen. „Es ist zwölf Jahre her seit du mich das erste Mal gesehen hast. Du bist nun Alt genug, um dich zu entscheiden zwischen deiner Heimat und der Welt in der du aufgewachsen bist."Lea starrt den Mond ungläubig an. Was hat das zu bedeuten? Ist die Erde nicht ihre Heimat? Sind ihre Eltern gar nicht ihre richtigen Eltern? Lea streckt ihren Arm aus in die Richtung, in der sie ihren Schreibtisch vermutet. Sie fühlt ihn, aber sieht ihn nicht. Lea schreibt auf einen Zettel: Tut mir leid, dass ich mich nicht von euch verabschieden kann. Ich bin nicht eure richtige Tochter, oder? Ich werde gehen in eine andere Welt. Meine Heimat. Ich liebe euch.

Sie legt den Stift nieder und blickt auf den Mond. „Du hast dich also für deine Heimat entschieden." , hallt die Stimme in ihrem Kopf.„Werde ich dort Antworten bekommen?" , fragt Lea. „Ja.",antwortet die Stimme, „Setz dich auf mich." Lea tritt an den Halbmond heran und setzt sich in seine Wölbung. „Nutze deine Gabe." , befielt er. Lea schließt die Augen und öffnet sie wieder. Vor ihr hängt ein kleiner pinker Stern. „Drück mich!" ,flüstert er. Lea berührt den Stern nur ganz leicht und es wird dunkel. Alles Licht ist verschwunden. Auf einmal hellt sich alles wieder auf, doch sie ist nicht mehr in ihrem Zimmer. Lea steht mitten auf einer riesigen Wiese. Überall blühen Blumen. Überall blüht eine Blume, eine Blume mit pinker Blüte, die leuchtet wie Sterne funkeln.

Über ihr ist nur das weite Weltall. In der Ferne steht die Erde, so weit weg, dass sie winzig wirkt. Die winzige Erde angesichts des riesigen Weltalls, steht in der Ferne, 

allein.

Lea - Story of a special girlWo Geschichten leben. Entdecke jetzt