„Hey mach die Augen auf!", brüllte er mich an und rüttelte an meinen Schultern. Ich hörte seine Stimme, aber sie klang weit entfernt, verzerrt, als würde sie durch Wasser dringen. Mein Kopf pochte, dumpf und rhythmisch, meine Wange brannte und ich konnte nicht sofort sagen, ob es vom Aufprall kam oder von etwas anderem. Ich öffnete langsam die Augen, blinzelte gegen das fahle Licht, das sich über die Dünen gelegt hatte und sah in Simóns Gesicht. Er war da, direkt vor mir, aber ich verstand nicht, was los war.
Die Sonne war fast verschwunden, der Himmel grau, die Luft kühl. Ich lag auf kaltem Stein, Sand klebte an meinen Händen und alles fühlte sich fremd an, obwohl ich wusste, dass ich diesen Ort kannte. Ich war genau dort, wo ich ihn zuletzt lebendig gesehen hatte. Und doch war alles anders.
„Was ist hier los?" Meine Stimme war rau, brüchig, kaum mehr als ein Hauch. Ich tastete über meinen Arm, suchte nach der Narbe, die dort sein sollte, die Narbe, die mich mit ihm verbunden hatte, die ich jeden Tag gespürt hatte. Sie war nicht da. Ich griff nach meinem Haar, das sich weich anfühlte, aber nicht lila war.
Der Blitz... war nie passiert?
„Du fragst, was hier los ist?" Simóns Stimme war scharf, fast wütend. Er half mir auf, aber seine Hand war kein Trost, sie war fest, kontrollierend, als wollte er sicherstellen, dass ich nicht wieder wegrutschte. Ich stolperte, stand, sah an mir hinunter. Die Kleidung war nicht die, die ich zuletzt getragen hatte. Die Umgebung war vertraut, aber nicht dieselbe. Die Zeit fühlte sich falsch an, als hätte jemand sie zurückgedreht, ohne mich zu fragen.
Ich versuchte, zu verstehen. Versuchte, die letzten Stunden, Tage, Wochen zu greifen. Aber da war nichts. Keine Beweise. Keine Spuren. Nur Erinnerungen, die sich plötzlich anfühlten wie Gedanken, die ich mir selbst eingeredet hatte.
War es ein Traum gewesen? War alles, was ich gefühlt hatte, gedacht hatte, entschieden hatte nur eine Illusion?
Ich spürte, wie sich Panik in mir ausbreitete. Ich wollte mich erinnern, wollte etwas finden, das mir sagte, dass es echt gewesen war. Aber je mehr ich suchte, desto weniger fand ich.
Die Gespräche. Die Berührungen. Die Blicke. Die Liebe.
War sie nie passiert?
Ich fühlte mich, als hätte man mir etwas genommen, das ich nicht einmal richtig besessen hatte. Etwas, das mir gehört hatte, weil ich es gefühlt hatte, nicht weil ich es beweisen konnte. Und jetzt war es weg. Einfach weg.
Simón redete weiter. Ich hörte ihn, aber ich konnte mich nicht auf seine Worte konzentrieren. Ich war zu sehr damit beschäftigt, gegen das Gefühl anzukämpfen, dass ich etwas verloren hatte, das mir wichtiger war als alles, was ich je besessen hatte.
Ich wollte schreien, aber ich sagte nichts. Ich stand einfach da, mit Sand an den Händen, mit einem pochenden Kopf, mit einem Herzen, das sich nicht beruhigen ließ.
„Ich wollte dich küssen, doch du hast dich dazu entschieden, vor mir weg zu laufen. Also bin ich dir hinterher... Als ich es erneut versuchen wollte, hast du noch immer nicht mitmachen wollen, also dachte ich, ich nehme mir einfach, was ich will." Seine Worte schnitten wie Glas. Ich wich zurück, bis mein Rücken die Holzwand hinter mir berührte. Mein Puls raste, mein Gehör rauschte. Ich wollte schreien, aber meine Stimme war gefangen. Ich war gefangen. In einer Vergangenheit, die ich dachte, überstanden zu haben.
„Bitte... lass mich gehen." Meine Augen füllten sich mit Tränen, weil ich nicht fassen konnte, wie er so bösartig zu mir sein konnte.
„Ich denke nicht."
Er kam mir mit einigen Schritten näher, sodass ich wieder komplett an der Holzwand stand. Mein Puls schoss so sehr in die Höhe, dass ich ein leises Rauschen meiner Ohren wahrnehmen konnte und dachte, ich würde erneut in Ohnmacht fallen. Er trat näher, seine Augen glühten vor Selbstgerechtigkeit. Wieder griff er nach mir, zog mich von der Wand, schleifte mich Richtung Straße.
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She saw Beauty in his Darkness
FanfictionEin Mann, eine Pistole, ein einziger Augenblick. Doch hinter dieser Begegnung verbirgt sich mehr, als die Dunkelheit preisgibt. Anica erkennt in dem Abgrund, der sich vor ihr auftut, nicht nur Gefahr, sondern auch eine seltsame Schönheit - eine Anzi...
