Geburtstagsüberraschung

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Es war ein ganz normaler Morgen und das riesige Plateau lag still im warmen Schein der Morgensonne.
Na ja. Eigentlich nicht ganz leise. Aus einer Höhle drangen leise Töne.
Das Trippeln kleiner Pfoten und das Schaben kleiner Klauen. "Pscht! Trampel nicht so!", wisperte ein Drachenjunges mit silbergrauen Schuppen.
"Ich trampel nicht!", antwortete das andere Junge in hellbeige und orange.
Die beiden erhoben sich flatternd in die Luft und flogen um eine Schmale Kante herrum. In einem kleinen Versteck zwischen zwei Felsen hatten sie lauter bunte Steine versteckt. Ein Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter Düne. Sie schlief noch.
In den letzten Wochen hatten die beiden ganz viele glitzernde Steine gesammelt. Jeder Drache liebte Schätze und für ihre liebe Mama wollten sie einen besonders großen sammeln. Dann trugen sie die ganzen Steinchen hinn und her. Irgendwann hatten sie es geschafft. Mit matten Flügeln landeten sie vor ihrer Höhle und gönnten sich erstmal eine Verschnaufspause. Dann sortierten sie die Steine nach Farben und legten sie so hin wie einen Regenbogen.
"Gehst du Mama hohlen?", fragte der steingraue Sturmwolke leise seine Schwester. Sandsturm hatte beige Schuppen, jede hatte einen feinen orangenen Rand und die dünne, aber wiederstandsfähige Flügelhaut hatte einen warmen Orangeton.
"Ich pass auf das niemand den Schatz klaut!", fügte er noch hinzu.

Leise schlich Sandsturm zu ihrer Mutter.
"Mama! Aufstehen!", sagte sie. Die große Drachin öffnete ein Auge.
"Hallo Mama! Aufstehen!"
Düne erhob sich träge und streckte sich.
"Komm mit Mama.", rief Sandsturm und lief vor und stetzte sich neben ihren Bruder. Düne folgte ihnen und blinzelte kurz, weil die Sonne sie blendete. "Alles gute zum Geburtstag!", riefen sie im Chor. Für einen Moment war sie sprachlos. "Aber ...", fing sie an.
"Gefällt es dir etwa nicht?", Sturmwolke sah traurig aus.
"Es ist wunderschön. Wirklich! Nur ...
Ich hab heute nicht Geburtstag. Ihr beide habt das. Heute vor einem Jahr seid ihr beide aus euren Eiern geschlüpft."

Die beiden sahen ihre Mutter mit riesigen Augen an. "Wirklich?", hauchte Sandsturm. "Ja. Leider hab ich noch kein Geschenk für euch. Also würde ich vorschlagen, das der Schatz für euch sein soll."
Sturmwolke stieß ein Jubeln aus: "Ein Schatz! Das ist der beste Geburtstag jemals!"
"Weils ja auch der erste ist.", erwiederte seine Schwester. "Trotzdem ist es der beste!"

"Kommt wir bringen euren Schatz in die Höhle. Sonst klaut ihn noch jemand.", sagte Dühne. Sie waren halb fertig, als Sandsturm einen dunklen Fleck am Himmel bemerkte.
"Geht in die Höhle!", rief die Drachin. Sie selbst machte sich bereit um um ihre Kinder zu kämpfen.

Es war ein schwarzer Drache mit dunkelblauen Flügeln. Er stieß ein lauzes Brüllen aus. Es klang nicht wie ein Kampfschrei. "Was will der?!", fragte Sandsturm mit einem panischen Unterton in der Stimme. Der Drache kam immer näher und stieß ein weiteres Brüllen aus. Dühne war wie festgefrohren. "Was willst du?", rief Sturmwolke dem landenden Drachen entgegen.
Der stieß ein tiefes, brummendendes Geräusch aus. "Ich hab dich also endlich gefunden.", sagte er mit einer samtweichen Stimme.
"Was willst du?", rief nun auch Sandsturm.
"Hört auf ihr beiden.", wispete Dühne. Ihre Stimme zitterte. "Sandsturm, Sturmwolke, das ist euer Vater."

Einen Moment lang sagte niemand etwas. Die Stille senkte sich über alle. Verschluckte sie fast. Dann stieß Sandsturm einen Jubelschrei aus und lief auf ihn zu.
"Papa! Weißt du was? Wir haben heute Geburtstag"
"Dann alles Gute."
"Wie heißt du eigentlich?", fragte Sturmwolke. Der Drache öffnete die dunklen Flügel: "Nacht.", antwortete er.
"Siehst ja auch so aus!", girnste der Jungdrache.
"Ich bin froh euch gefunden zu haben.", sagte er.
"Ich hab dich vermisst.", flüsterte Dühne. Sandsturm und Sturmwolke sahen sich kurz an und sausten dann los. Sie vielen über der schwarzen Drachen her: "Erzähl was!"
"Was hast du erlebt?!"
Dühne grinste.
"Wenn ich was erzählen soll ... autsch ... dann solltet ihr von mir runterkommen!", ächtste Nacht.
Die Beiden krabbelten runter und setzten sich mit großen Augen vor ihren Vater.
"Und jetzt erzähl!"

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