Beyond My Beloved Horizon

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„A pirates's life, Hector", meinte Jack leise, während er seinen Hut abnahm und ihn in alter Piratengeste vor sein Herz hielt, als letzte Ehre für seinen Kameraden.

Immer noch fassungslos ließ er seinen Blick über den, nun wieder ruhigen und fast wellenlosen Ozean schweifen. Die See, seine erste große Liebe hatte sich doch nun tatsächlich seinen besten Freund geholt. Erst als ihm diese Gedanken durch den Kopf schossen wurde Jack klar, dass das was ihn und Hector verband wohl wirklich Freundschaft gewesen war. Und zwar eine so gute, wie sie eben unter zwei Piraten möglich sein konnte.

Das Leben würde langweilig werden ohne Barbossa und seinen nervigen Affen.


Später am Abend, als der Großteil der Crew schon schlief saß Jack noch in seiner Kabine, mit einer geöffneten Flasche Rum – es war nicht seine erste – vor sich auf dem Tisch stehend.

Eigentlich wollte er ja nur ein paar Schlucke im Gedenken an seinen alten Freund trinken. Und noch ein paar, um die Trauer zu ertränken, welche ihn unerklärlicher weise jedes Mal überkam, wenn seine Gedanken zu Hector wanderten.

Sein Blick fiel auf einer der grünen Äpfel, die in einer Schale auf dem Tisch standen. Allein der Anblick dieser Früchte ließ – so lächerlich das auch sein mochte – eine Welle der Erinnerungen über ihn rollen. Nach kurzem Zögern nahm Jack den Apfel und biss hinein. Nachdenklich kauend ließ er noch einmal all die Dinge Revue passieren, die er zusammen mit Hector erlebt hatte.

Wie sie sich auf Schiffbruch Bay kennenlernten, als irgendein russischer Pirat Hectors damaliges Schiff, die „Cobra" versenkt hatte. Von diesem ersten Aufeinandertreffen war ihm nur noch in Erinnerung geblieben, das er damals schon die Wortgewandtheit und das selbstsichere Auftreten des um einige Jahre älteren Piraten mit den überraschend blauen Augen bewundert hatte.

Einige Jahre später hatte er Barbossa dann in einer Taverne auf Tortuga wieder getroffen, wo sie – beide stockbesoffenen – um vier Uhr nachts ein Gespräch über Schiffe und Freiheit anfingen. Am nächsten Morgen konnte Jack sich zwar nur noch bruchstückhaft an den Inhalt ihrer Unterhaltung erinnern, ihm war jedoch im Gedächtnis geblieben das er diesen Kerl irgendwie mochte.

Also hatte er Hector gefragt ob er als sein erster Offizier mit ihm segeln wollte. Im Nachhinein hatte er oft überlegt, warum er das getan hatte. Eigentlich hätte ihm schon zu diesem Zeitpunkt auffallen müssen, das er und Barbossa beide zum Captain sein geboren waren und es nie gut gehen würde, wenn der eine dem anderen untergeben war.

Nun ja, eine Zeit lang hatte es funktioniert. Sie kamen gut miteinander aus und retteten sich auf ihren zahlreichen Abendteuern immer wieder gegenseitig das Leben.

Doch erst jetzt, als Jack auf diese Zeit zurück blickte fiel ihm auf, dass Hector damals nie wirklich glücklich war. Er hatte sich immer öfter betrunken und schließlich gegen ihm gemeutert.

Im Gegenzug hatte Jack ihn erschossen, auch wenn er diese Tat danach bereute. Doch viel Zeit zum grübeln war ihm nicht wirklich geblieben, denn kurz darauf war er selbst gestorben.

Fassungslos schüttelte Jack den Kopf und trank erst mal einen großen Schluck Rum, als ihm wieder einfiel, dass einer seiner letzten Gedanken bevor er im Schlund des Kraken verschwand war, ob er Hector vielleicht auf der anderen Seite wiedersehen würde.

Umso überraschte war er gewesen als er von Barbossa selbst aus dieser Hölle seiner Gedanken gerettet wurde. Und das, obwohl er ihn erschossen hatte.

Jack wusste aus Erfahrung, das eigentlich niemand, mit dem Hector Barbossa noch eine Rechnung zu begleichen hatte ungeschoren davon kam.

Wenn er sich recht erinnerte war das wohl der Zeitpunkt, an dem er angefangen hatte Hector zu vergeben.


Im Laufe der Jahre hatte sich ihre Beziehung zueinander zunehmend verbessert, vor allem als jeder von ihnen dann ein eigenes Schiff hatte, sodass sie sich nicht mehr um die „Pearl" streiten mussten. Und erst jetzt, nach Hectors Tod konnte Jack sich eingestehen, wie wichtig ihm dieser geworden war. Oder vielleicht lag es auch nur an seinem hohen Alkoholpegel.

Ein Klopfen an seiner Tür ließ ihn aus seine Erinnerungen schrecken und das Mädchen, Hectors Tochter betrat den Raum.

Sie ließ ihren Blick kritisch über die Rumflaschen auf dem Tisch schweifen, dann sah sie ihn direkt an. Es versetzte Jack einen schmerzhaften Stich, in ihre blauen Augen zu blicken, die ihn so unheimlich sehr an die ihres Vaters erinnerten.

„Was willst du? Geh wieder", lallte er ungehalten.

Daraufhin warf ihm die junge Frau noch einen verächtlichen Blick zu und stolzierte, die Tür hinter sich zuschlagend wieder hinaus.

Ganz wie ihr Vater, dachte Jack und lachte leise. Als seine Gedanken jedoch wieder zu diesem wanderten blieb ihm das Lachen im Hals stecken. Traurig schüttelte er den Kopf und wollte schon einen weiteren Schluck Rum trinken, als ihm auffiel das die Flasche leer war.

„Alle. Warum ist der Rum immer alle?", meinte er verständnislos und sah die Flasche mit einem solch vorwurfsvollen Blick an, als wäre es ihre Schuld.

Eigentlich hatte er vorgehabt sich noch eine neue Flasche aus dem Lagerraum zu holen doch dazu war er auf einmal zu müde.

„Ich werd dich vermissen, Hector, alter Freund", murmelte er noch bevor sein Kopf auf die Tischplatte fiel und er mit einem lauten Schnarchen einschlief.


Am nächsten Abend, als Jack seinen Rausch wieder ausgeschlafen hatte setzte er den Turner Jungen und Hectors Mädchen auf der Insel ab, wo auch Elizabeth wohnte und er – unfreiwillig – Zeuge ihrer Wiedervereinigung mit ihrem geliebten Gemahl wurde.

Vielleicht würde er die vier mal besuchen... irgendwann. Doch jetzt hatte er jedoch erst einmal andere Pläne.

Immer noch voller Misstrauen ließ er zu, das Barbossas nerviger Affe ihm seinen Kompass aushändigte und er war nicht überrascht zu sehen, in welche Richtung dieser zeigte.

„Wir folgen den Sternen, Master Gibbs. Ich habe ein Rendezvous hinter meinem geliebten Horizont", erklärte Jack der Pirat seiner verwunderten Crew, während sich Jack der Affe sich auf seiner Schulter niederließ.

Mit einem selbstsicheren Lächeln trat er ans Steuer seines geliebten Schiffes, während er die „Black Pearl" direkt in den Sonnenuntergang – und darüber hinaus – segelte und dabei er leise vor sich hin summte.

„Yo ho, yo ho, a pirate's life for me.

Eine Hand wäscht die andere, Hector. Du hast mich zurück geholt, jetzt hole ich dich wieder in die Welt der Lebenden."

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jun 11, 2017 ⏰

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