Ein unerträgliches Geräusch durchdringt mein Unterbewusstsein. Dieses furchtbare klingeln durchbohrt meinen traum und zerschlitzt meine Erinnerung an ihn wie die scharfe Klinge eines stählernen Schwertes.
Ich wache auf.
Ich muss den Klingelton demnächst ändern, dieses Geräusch treibt mich in den Wahnsinn.
Nachdem ich mich gesammelt habe setze ich mich auf und versuche mich vergeblich an meinen Traum zu erinnern. Ich hatte seit einigen Tagen Probleme damit, obwohl ich es sonst ohne weiteres konnte. Ich steige also aus meinem Boxspringbett und stolpere fast über die Umzugskartons welche noch in meinem Zimmer stehen.
Scheiße! Ich muss die noch wegräumen. Wieso bin ich nur so ungeschickt? Wären meine Zehen kein fester Teil von mir, so würde ich sie beim täglichen Stoß gegen irgendeine Kante verlieren...
Ein Wunder, dass ich mir noch nichts gebrochen habe. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr beeile ich mich, da ich schon 10 kostbare Minuten mit nichts tun verschwendet habe. Ich laufe also runter in die kühle Küche und mache mir einen Kaffee. Eigentlich trinke ich keinen, doch nach dieser Nacht brauche ich ihn. Ich hatte kaum geschlafen, da ich von Albträumen gequält wurde. Ich glaube ich habe in dieser Nacht nur 2 Stunden geschlafen. Durch die Angst vor meinem ersten Schultag habe ich mir die ganze Nacht Situationen vorgestellt die im schlimmsten Fall passieren könnten.
Bei dem Gedanken daran würde mir übel und ich spuckte den Schluck Kaffee den ich bereits genommen habe wieder aus.Gut dann eben ohne Frühstück.
Der Blick auf die Uhr unterstützt meinen Gedankengang und ich laufe wieder nach oben um mich anzuziehen. Ich durchwühle meinen Schrank und ziehe eine dunkle Jeans und eine weiße Bluse heraus. Hierin fühle ich mich wohl. Ich gehe schnell ins Bad und putze meine Zähne. Nachdem ich meine Haare gekämmt habe, tusche ich mir noch schnell die Wimpern und verlasse das Bad. Zurück in meinem Zimmer schnappe ich mir meine Umhängetasche und Stürme die Treppe herunter. Meine Aufregung steigt mit jedem Schritt den ich der großen Eingangstür näher komme. Als ich sie öffne rast mein Herz.
Ich komme zu spät wenn ich jetzt nicht gehe... Ich muss den Bus bekommen.
Also gehe ich raus, schließe ab, atme durch und gehe in Richtung der Straße. In meinen Gedanken gehe ich den Weg, den mir meine Mutter gestern gezeigt hat noch einmal durch.
Rechts an der Tankstelle vorbei, Dann links in die Seitengasse und weiter geradeaus bis ich an der Häuserreihe bin. Dann noch einmal links an der Straße vorbei und dann bin ich da.
Ich folge dieser Anleitung und gelange an der Bushaltestelle an.
Erleichtert darüber, dass keine andere Person da ist, stehe ich nun im Morgengrauen an der Haltestelle.Mein erster Tag. Ich hoffe sie akzeptieren mich. Ich meine wenn sie mich nur akzeptieren reicht es mir völlig. Sie müssen mich nicht mögen oder sich mit mir anfreunden. Wenn sie mich akzeptieren ist es genug. Dann bin ich froh.
Mein Gedankengang wird durch einen Jungen unterbrochen welcher sich zu mir stellt. Ich starte weiterhin ins Leere und konzentriere mich auf meine Musik. Mein Lieblingssong beginnt, und ich stelle die liebliche Melodie ein wenig lauter. Bei dem Gedanken an den weiteren Verlauf des Liedes muss ich grinsen. Ich verbinde mit diesem Lied vieles, vorallem weil Musik einen großen Teil in meinem Leben einnimmt. Ich bin einer dieser Menschen die ohne Musik durchdrehen und die beinahe jedes Lied mit ihrem Leben verbindet.
Ich gucke auf die Uhr und sehe, dass der Bus jeden Moment kommen sollte. Ich gucke mich also um und realisiere, dass außer dem Jungen keine andere Person an der Haltestelle steht. Ich dachte bis jetzt, dass die Großstadt vor Menschen überquillt. Vielleicht ist ja noch niemand motiviert genug so früh raus zu gehen, neben denen die es müssen versteht sich. Beim Blick auf die Straße bemerke ich den Bus der sich nähert. Da es der einzige ist, der hier abfährt steige ich ein und zeige mein Ticket vor. Nachdem der Busfahrer den Fahrschein abnickt, gehe ich nach hinten in den Bus und setze mich auf einen der freien Plätze. Ich habe bis jetzt total verdrängt, dass ich jetzt zur Schule fahre, doch bei einem Blick durch die Reihen sehe ich die ganzen Schüler.
Ob die alle auf meine Schule gehen? Nein, das kann nicht sein das sind bestimmt Schüler anderer Schulen.
Während ich so durch die Reihen blicke, und jeden einzeln musterte, bemerke ich wie nervös ich wirklich bin, denn normalerweise halte ich meinen Blick gezügelt. Als ich das bemerke, starre ich auf den nassen Boden des rauschenden Busses.
Wieso ist der Boden nass? Es regnet doch nicht. Oder hat es geregnet als die anderen eingestiegen sind? Habe ich den Regen einfach ignoriert oder was ist da los?
Da ist es wieder. Ein Zeichen meiner Nervosität. Ich mache mir nie solche Gedanken über banale Sachen wie Regen. Plötzlich stehen alle auf und der Bus hält. Nach einem schnellen Blick auf die Anzeige, stehe auch ich auf und dränge mich aus dem stickigen Bus in die kühle Morgenluft. Da ist sie also. Meine neue Schule.
"Mariengymnasium" steht groß über den Schiebetüren des grauen Gebäudes.
Wie ein Gefängnis... so kalt und leblos.
Das dachte ich schon beim ersten mal und meine Gedanken über dieses seltsame Gebäude haben sich bis heute nicht geändert. Hier stehe ich also. Vor einer neuen Schule, in einer neuen Stadt, weit, weit weg von meiner alten. Hier kenne ich keinen und hier kennt mich keiner.
Es klingelt zur ersten Stunde und ich krame meinen Stundenplan aus der Tasche. Dort sind meine Stunden samt Räumen aufgezeichnet.Raum 152... Mathematik. Vielleicht führt mich ja jemand rum... obwohl, es ist mitten im Schuljahr da wird keiner mit einer neuen rechnen.
Da mein Vater sehr einflussreich ist war der Schulwechsel kein Problem. Meine Noten waren auch sehr gut und der Schulleiter hier scheint mich zu mögen. Also eigentlich habe ich keine schlechten Karten.
Ich betrete gezwungener maßen das Gebäude, da ich vom Menschenstrom mitgerissen werde. Die Schüler gehen mechanisch auf einen Monitor zu, um zu sehen was darauf abgebildet ist folge ich ihrem Beispiel und sehe, dass es sich hierbei um einen Plan handelt, der anzeigt, ob es Änderungen im Plan gibt oder nicht. "Vertretungsplan" höre ich aus der Schülermenge heraus. Da ich sowieso mit den vielen Kursnamen und den vielen Eindrücken überfordert bin, gehe ich zu dem Raum in dem ich jetzt Unterricht habe. Bzw. Ich versuche ihn zu finden.152. 152. 152.... wo ist dieser verdammte Raum?? Ich komme noch zu spät zum Unterricht wenn ich ihn nicht finde.
Ich gehe weiter durch die Gänge, welche mittlerweile beinahe Menschen leer sind. Und gehe an den Räumen 145, 150 und schließlich 152 vorbei. Endlich angelangt muss ich sehen, dass bereits alle im Raum sind.
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Unbetitelte Geschichte
FantasíaLilith ist ein normales Mädchen aus der Oberschicht. Denkt sie zumindest, denn nach ihrem Umzug wird ihr klar, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmt. Und dann ist da noch Abadon, welcher ihr das Leben zur Hölle macht.