Als Murtagh durch das Gebäude schlenderte, wuchs seine Angst mit jedem weiterem Schritt den er machte. Im dritten Stock, eine blaue Tür. Nachdem er einen Lift gefunden hatte, drückte er auf den Knopf und wartete. Während er wartete, kam ein junger Mann mit blonden Haaren zu ihm und wartete auch auf den Lift. Als dieser mit dem typischen ~Ping~ bei ihnen anhielt, stiegen beide ein. Murtagh drückte auf die Drei, was der Mann offenbar auch vorgehabt hatte. Im dritten Stock, verließen die beiden Jungs den Fahrstuhl. Während der Blonde schnell seinen Weg fand, musste Murtagh erst mal die Türe suchen. Eine blaue Tür.
,,Verdammt hier sind alle Türen blau!", knurrte er wütend und suchte nach einer Info-Tafel. Er könnte aber auch den Weg nehmen, den der Mann genommen hatte. Zugegeben, der Blonde hatte auch nicht gerade glücklich gewirkt.
,,Einen Versuch ist es wert.", murmelte Murtagh und nahm den selben Weg wie der Blonde. Wenn das nun die falsche Tür sein würde, dann wäre die ganze Situation ganz schön peinlich geworden. Leise klopfte er an und wartete bis jemand die Tür aufmachte.
Ein Mann mit kurzen, hellbraunen Haaren öffnete sie und lächelte freundlich. ,,Du musst Mu..Mur..Murtagh, ja das wars! Du musst Murtagh sein.", meinte er grinsend.
,,Ja, der bin ich.", gab er etwa unsicher zurück.
,,Komm rein, komm rein, wir haben auf dich gewartet.", der Mann trat zur Seite und ließ Murtagh hinein kommen. Acht, mit dem Mann neun, Personen saßen da in einem Kreis. Und ein leerer Stuhl.
,,Setz dich auf den Stuhl."
Etwas unwohl rutschte er auf dem Stuhl hin und her, nachdem er Platz genommen hatte, und sah sich nervös um. Die anderen starrten ihn neugierig an und lächelten teilweise freundlich, teilweise verstörend.
,,Also, stellt euch mal vor und erzählt von euren Gründen warum ihr hier seid. Ich bin Manni und der Gruppenleiter."
Alle hier waren älter als Murtagh und sicher schon über zwanzig.
,,Ich bin Meghan bin 29 und habe eine Ess-Sucht.", die Brünette war wirklich etwas dick aber hatte sonst ein sehr freundliches Gesicht.
,,Ich heiße, Derek, bin 23 und leide unter Depressionen.", erst jetzt fiel Murtagh auf, dass der blonde wirklich etwas verstört und traurig aussah.
,,Mein Name ist Allistar, oder All, wie du willst, ich bin 22 und habe starke Schlafstörungen.", erzählte der Rothaarige. Unter dessen Augen befanden sich dunkle Ringe.
,,Also, ich bin Amber. 20, und habe Aggressionen. Im Klartext, mach ein zu lautes Geräusch und ich hau dir eine.", sie hatte blaue Haare und benutzte eindeutig etwas zu viel Make-Up.
Nachdem sich alle vorgestellt hatten, war er an der Reihe.
,,Also, Murtagh, was sind denn deine Probleme? Stell dich mal vor wir sind neugierig!"
,,Ähm. Ich bin 15. Und bin leicht untergewichtig."
Das glaubte er ja selbst nicht, aber es kostete ihn einiges an Überwindung, zuzugeben, dass er wirklich andere Probleme hatte.
,,Und warum bist du leicht untergewichtig?", fragte dieser Manni und verschränkte die Arme vor der Brust.
,,Meine Mum ist vor einem Jahr gestorben."
,,Aha, und das war dann der Auslöser für deine Magersucht und Depressionen?", stellte Manni fest.
,,Ich habe keine Depressionen!"
,,Nein, das sieht man doch. Und außerdem hat dein Vater mir schon über alles Bescheid gesagt, Murtagh. Du musst uns also nicht anlügen.", sagte Manni und schenkte ihm ein nettes Lächeln. Murtagh aber reagierte recht abweisend und schnaubte nur. Zwei Stunden.
Val lag im Pyjama in seinem Bett und hörte Musik. Seine Eltern waren auf irgendeiner wichtigen Veranstaltung, weshalb es wie meistens alleine zu Hause war. So richtig konnte er sich aber nicht auf die Musik konzentrieren. Immer wieder schweiften seine Gedanken zu Murtagh. Dem schmalen, traurigen, zarten und zierlichen Jungen. Eigentlich bevorzugte er ja das weibliche Geschlecht, aber bei Murtagh war das anders. Alleine schon, als er ihn angerempelt hatte. So zerbrechlich hatte er gewirkt und auch noch so krank. Zusammen gefasst, war Val dem jüngeren hoffnungslos verfallen. Irgendwie freute es ihn, das er, gerade er Murtagh helfen durfte, helfen konnte und ihm somit auch nahe sein zu dürfen.
Val nahm die Kopfhörer heraus und ging nach unten in die Küche. Er war wirklich hungrig. Val konnte sich das gar nicht vorstellen nur noch so zu essen wie ein kleines Vögelchen, wie Murtagh es tat. Schnell machte er sich einen Salat und einen Kaffee. Gelangweilt setzte er sich an den Tisch und schlürfte seinen Kaffee. Er würde ohnehin nicht schlafen können. Seine Eltern waren reiche Leute, wie man ach schon an der Villa sah. Sein Dad hatte ein großes Unternehmen und seine Mum eine eigene Parfümmarke. Seinen Eltern war es eigentlich komplett egal, ob er mit einem Jungen, einem Mädchen oder vielleicht sogar mit beidem schlafen würde, solange das geheim blieb. Streng genommen, war er ihnen auch egal. Trotzdem hatte er seine Eltern gern. Sie waren zwar nie da und es war ihnen ach egal, was er in dieser Zeit machen würde, aber wenn sie dann da waren, unternahmen sie manchmal einen Shopping-Day. Das kam zwar eher selten vor aber Val genoss es, etwas mit seinen Eltern zu unternehmen. Nachdem er gegessen hatte, ging er wieder nach oben in sein Zimmer. Wie immer würden seine Mum und sein Dad erst gegen zwei oder drei nach Hause kommen und dann auch gleich ins Bett gehen. Wie immer. Im Badezimmer, putzte er sich erst die Zähne und wusch sich dann sein Gesicht. Wie musste Murtagh sich wohl fühlen, wenn er sich selbst im Spiegel sah? Sah er das selbe dünne Männchen wie Val sah? Oder doch einen ganz anderen Murtagh? Zu viele Fragen schwirrten ihm im Kopf herum. Morgen könnte er Murtagh ja danach fragen. Oder? Vielleicht war es Murtagh auch einfach unangenehm darüber zu reden! Darüber hatte er noch gar nicht nachgedacht. Nachdenklich schlenderte Val zurück in sein Bett und schaltete die Nachttischlampe aus. Doch an schlafen war noch nicht zu denken. Er wälzte sich im Bett hin und her, doch fand nicht wirklich eine angenehme Schlafposition.
Ähnlich ging es auch Murtagh, der seit einer Stunde wieder zu Hause war und sich nun lauthals beschwerte, da er nicht schlafen konnte und auch nichts andere zu tun hatte. Sein Dad stand in der Küche mit einem Kaffee in der Hand und hörte ich die Beschwerden seines Sohnes genau an.
Als Murtagh nun endlich fertig war nickte Alex und nahm einen Schluck aus seiner Tasse.
,,Übertreibst du nicht ein bisschen Kleiner? Ich meine ich bezweifle, dass die dich ausgefragt haben wie bei einem Verhör.", grinste sein Dad.
,,Vielleicht war das etwas übertrieben aber ich will denen nichts sagen, was sie nichts angeht.", rief Murtagh sauer und verschränkte die Arme vor der Brust.
,,Sie wollten doch nur etwas über dich erfahren. Ich weiß, dass du wirklich keine Lust hast dort hin zu gehen, aber die meinen es doch alle nur gut mit dir."
,,Aber ich will da nicht mehr hin. Valentin kann mir doch auch helfen, und Mary auch."
,,Weißt du was, wir machen einen Deal. Wenn du in der nächsten Woche mindestens zwei Kilo zu nimmst, dann musst du dort nicht mehr hin gehen, aber wenn nicht, wirst du schön brav dahin gehen und auch nicht mehr herum meckern, in Ordnung?"
,,A..Aber Dad. Du sagst das so leicht, i...weißt du wie schwer das für mich ist?", verzweifelt fuchtelte der Junge mit den Händen in der Luft herum.
,,Du hast doch auch Valentin, der dir hilft.", erwiderte Alex etwas trocken und trank einen weiteren Schluck Kaffee.
,,Ja, aber, ich....weiß nicht mal ob ich es mit ihm schaffe.", gestand Murtagh und wischte sich übers Gesicht.
,,Mum würde mich nicht dazu zwingen, dort hin zu gehen.", murmelte Murtagh leise und sah zu Boden.
,,Doch, Murtgh, das hätte sie sehr wohl. Sie hätte dich wenn es nötig gewesen wäre sogar an den Füßen dort hin gezerrt.", korrigierte Alex seinen Sohn und stellte die nun leere Tasse in den Geschirrspüler.
,,Lass uns das morgen bereden, Kleiner, ich bin müde und du auch. Wir sollten schlafen gehen. Sonst bist du morgen wieder ganz müde.", meinte sein Dad und strich ihm ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht.
,,NA gut. Gute Nacht, Dad.", mit diesen Worten lief Murtagh nach oben in sein Zimmer.
Alex stand noch unten in der Küche und rang mit sich selbst. Vielleicht hatte er wirklich ein wenig übertrieben. Wie der Vater so der Sohn. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass alle Lichter ausgeschaltet waren ging er nach oben in sein Zimmer. Es war gegenüber von Murtaghs Zimmer. In letzterem brannte immer noch Licht und auch kleine Schritte waren noch zu hören. Erst ging er in sein eigenes Zimmer um sich umzuziehen. Ob man es glaubte oder nicht, auch Lehrer trugen zu Hause weite Shirts und Jogginghosen. Das Handy steckte er sich in die Hosentaschen und ging dann noch mal in das Zimmer seines Sohnes. Murtagh stand auf dem Balkon, obwohl es regnete und auch recht kalt war. Das letzte was Alex jetzt brauchen konnte, war dass Murtagh zu seinem zerbrechlichem Körper auch noch krank werden würde. ,,Du solltest rein kommen, es ist schon kalt draußen.", meinte er und ging auf Murtagh zu.
Alex glaubte ein Schluchzen zu hören.
,,Kleiner, alles in Ordnung? Komm erst mal rein. Ich will nicht, dass du krank wirst."
Etwas widerwillig verließ der Junge den Balkon, schloss die Balkontüre und wischte sich übers Gesicht, was sich aber nicht wirklich viel brachte. Trotzdem rannen ihm Tränen über seine blassen Wangen.
,,Komm her.", flüsterte Alex und zog seinen Jungen vorsichtig in seine Arme. Alles was er spürte waren Haut und Knochen.
,,Zieh dir etwas anderes an und dann kusche dich in dein Bett. Oder willst du lieber noch einen Tee trinken?", fragte Alex leise und strich Murtagh beruhigend über den Rücken.
,,Ich will Mum wieder!", schluchzte der Junge in seinen Armen und hatte auch nicht vor, demnächst aufzuhören.
,,Ich will sie auch wieder haben."
,,Kannst du heute Nacht bei mir bleiben?", bat Murtagh ihn und sah aus seinen hellblauen Augen die leicht gerötet waren, erwartungsvoll zu Alex hinauf.
,,Klar, wenn du das willst und nicht schnarchst."
Zu seiner Überraschung lachte Murtagh ein wenig.
,,Wenn du schnarchen sagst, da hörst du nur dich selbst."
,,Zieh dir etwas anderes an, ich hole nur kurz mein Ladegerät.", meinte Alex und verschwand kurz. Seit einem Jahr, hatte Murtagh mit ihm nur selten mehr als vier oder fünf Worte gewechselt, weshalb er sich wirklich über den Sinneswandel seines Sohnes freute. Ob Murtagh es auch ernst meinte, konnte er nicht sagen. Vielleicht versuchte Murtagh auch nur ihn davon zu überreden, dass er nicht mehr zu dieser Selbsthilfegruppe gehen musste. Auch wenn es so war, freute er sich trotzdem darüber, dass Murtagh nun seine Nähe wollte. Vielleicht aber, hatte auch dieser Val einfach einen guten Einfluss auf seinen Sohn. Wie auch immer. Alex war müde und klopfte kurz an die Türe von Murtaghs Zimmer, immerhin konnte sich Murtagh ja gerade umziehen. Als er keine Antwort bekam, ging er einfach hinein. Die Badezimmertüre war zugesperrt. Sein Handy legte er auf den Nachttisch von seinem Sohn und steckte das Ladegerät an. Kurz später kam Murtagh mit zumindest halb trockenen Haaren heraus. Er trug wie immer eigentlich eine Jogginghose und einen zu großen Pullover, den Alex nur zu gut kannte. Er hatte Natascha ( Murtaghs Mum XD ) gehört. Er war schwarz und für beides Geschlecht gedacht. Und natürlich seine Mütze, die surfte auch beim sschlafen nicht fehlen. Murtagh ging gähnen an ihm vorbei und setzte sich ins Bett. Wartend sah Murtagh zu Alex.
Schnell schaltete er das Licht aus und legte sich neben seinen Sohn ins Bett.
,,Dad?"
,,H-Mh?"
,,Auch wenn ich meistens nicht gerade sehr vertraut mit dir gewirkt habe, hab ich dich trotzdem lieb.", sagte Mutagh und sah kurz zu ihm hinauf.
,,Ich hab dich auch lieb. Jetzt sollten wir aber schlafen, es ist schon spät. Gute Nacht, Kleiner."
Murtagh schmiegte sich an seine Brust und Alex wagte es sogar einen Arm um Murtaghs zierlichen Körper zu legen. Murtagh war nach wenigen Minuten schon eingeschlafen, während Alex selbst noch lange wach lag.
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Love Till To Your Bones
RomanceMurtagh ist fünfzehn und magersüchtig. Als er erneut die Schule wechselt, trifft er dort auf den beliebten Valentin, der von allen nur Val genannt wird. Murtagh hasst seinen mageren Körper und selbst sein Dad weiß keinen Rat mehr. Val und er gerat...
