Unterdrückter Schmerz

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Yuu's Pov.

Am nächsten Morgen blitzte mir etwas grelles entgegen. Ich blinzelte und mein erster Blick fiel aus dem Fenster hinaus.
Auf die strahlende Sonne deren Strahlen mir direkt ins Gesicht schienen und mich ebenfalls aufgeweckt haben.
Plötzlich bewegte sich neben mir etwas und ich schaute müde blinzelnd neben mich. Augenblicklich wurde ich rot.
Ich lag mit Mika zusammen eng Arm in Arm geschlungen in meinem Bett. Mika hatte sich an meine Halsbeuge gekuschelt sodass ich seinen sanften, warmen Atem auf meiner Haut spüren konnte. Ganz vorsichtig fuhr ich mit meinen Händen über seinen Rücken und streichelte ihm letztendlich über den Kopf. Er murmelte leise etwas unverständliches vor sich hin doch ich verstand ihn nicht. Stattdessen musste ich grinsen ich konnte es mir nicht verkneifen.
Ich spürte das Mika's eine Hand auf meinem Rücken lag und die andere auf meiner Hüfte. Ich spürte wie mir warm wurde als Mika ganz sanft zu lächeln begann und mich fester an sich drückte.
Ich hätte mir gewünscht das wir an diesem Morgen keinen Unterricht gehabt hätten denn ich denke ich hätte noch ewig so weiter mit Mika auf meinem Bett liegend kuscheln können. Doch ich war am Abend davor so dumm gewesen das ich vergessen hatte den Wecker abzustellen.
Dazu kommt noch das ich ihn vollkommen vergessen hatte...

Piiiiieeeeep

Mit einem schrillen Ton läutete mein Wecker los und ich erschrack sofort heftig.
Mit einer schnellen Bewegung drehte ich mich im Bett herum und schlug auf den Wecker sodass er still war.
Plötzlich fiel mir Mika ein. Ich hatte ihn mit Sicherheit aufgeweckt.
Ich drehte mich zu ihm zurück und seufzte leise vor Erleichterung.
Mika schlief noch tief und fest. Er hatte die Hände dicht an seine Brust heran gezogen und atmete gleichmäßig und ruhig. Ich lächelte und strich Mika ein oder zwei seiner blonden Strähnen aus den Augen und verharrte irgendwie.
Ich strich ihm ständig über die Stirn und fühlte eine leichte Wärme. Auch wenn ich nicht wusste wie Mika darüber dachte, aber ich konnte und wollte mich nicht mehr zurückhalten.Ich strich mich von seiner Stirn sanft zu seiner rötlich verfärbten Wange hinunter und errötete selber.
In genau dem Moment als meine Hand auf Mika's Wange lag, blinzelte der blonde noch völlig verschlafen.
"Hm..guten morgen Yuu-chan..was..was  machst du da?"
Erschrocken zog ich meine Hand zu mir zurück.
"A-also d-das ...." Panisch bemühte ich mich um eine Antwort die auch nur absatzweise gut klang.
"Du..du hattest ne Wimper auf der Wange!"
Mika blinzelte noch völlig verschlafen und rieb sich mit seinem Handrücken über die Augen.
"Hn..okay..
Langsam setzte er sich neben mir auf und streckte sich ausgiebig. Ich errötete noch eine Spur stärker als ich seine Bauchmuskeln duch das Shirt sehen konnte. Schnell wandte ich den Blick ab und stand auf.
"Mika..wie geht es dir eigentlich?"
Mika schaute mir mit großen Augen an.
"Alles okay..mach dir keine Sorgen."
Ich machte mir natürlich Sorgen. Ich verstand nicht ob Mika nur so tat oder ob er wirklich nicht wusste wie miserabel er darin war zu lügen.
Mir war es eigentlich egal aber ich merkte ihm an das etwas nicht stimmte. Mika setzte sich auf die Bettkante und schaute aus dem Fenster. Plötzlich stand er auf ging näher ans Fenster heran, legte seine Hand auf die Scheibe und biss sich auf die Unterlippe.
"Mika?"
Als er bemerkte wie ich ihn anstarrte ließ er sofort die Scheibe los und schaute zu Boden.
"Ich komm gleich wieder ja? Du kannst ruhig aus dem Fenster schauen wenn du willst."
Mika sah mir kurz in die Augen er wirkte nicht wirklich glücklich...
Mit den Worten ging ich ins Bad und schloss die Tür hinter mir ab.
Hm..duschen wollte ich nicht. Dafür fehlte mir auch etwas die Zeit.
Ich ging ans Waschbecken, drehte das Wasser an und wusch mir das Gesicht ab. Während ich mir die Zähne putzte fragte ich mich was Mika wohl hatte.
Was hatte er gesehen? Was hatte seinen Blick so am Fenster festgehalten? Ich wollte es wissen.
Ich spülte mir den Mund aus,wusch mir die Hände und ging zum Wäschetrockner hinüber.
Ich klappte ihn auf und zog Mikas Uniform heraus. Sie war wirklich fertig und wieder ganz trocken.
Ich lief ins Schlafzimmer zurück, scheinbar so leise das Mika mich nicht mal bemerkte.

Mika's Pov.

Ich hatte meinen Kopf gegen die kalte Fensterscheibe gelegt, meine Augen fest zugekniffen und meine Hände zu Fäusten geballt und gegen die Scheibe gelehnt.
Ich fühlte mich grauenvoll. Kein Wunder nach dem was ich da draußen gesehen hatte. Mir war auch so ungewohnt warm und mein Hals schmerzte.
Plötzlich hörte ich Schritte und ließ augenblicklich von der Scheibe ab.
Ich blickte in Yuu's besorgte Augen und schluckte schwer.
"Hier, deine Uniform ist wieder trocken."
Yuu hielt mir die grau, schwarze Uniform entgegen und musterte mich.
Nur ganz zögernd nahm ich ihm die Uniform ab und wollte grade den Raum verlassen als...
Yuu stürzte sich zu mir, schlang seine Arme um mich herum und drückte mich so fest wie er konnte an sich.
"Y-yuu-chan?"
"Mika bitte ich habe dir gesagt das du mir sagen sollst wenn du Kummer hast du musst das nicht überspielen hörst du! Sag bitte was los ist Mika! Bitte ich fleh dich an was ist nur los?"

Ich spürte wie mein Herz langsamer und langsamer schlug bis ich es nicht mehr schlagen spürte und sich ein schweres und bedrückendes Gefühl in mir ausbreitete.
Erst nur in meiner Brust..doch dann verfiel mein ganzer Körper diesem Gefühl und ich spürte wie mir selbst das einatmen zur schmerzhaften Last wurde.
Seinen Kummer zu unterdrücken war scheinbar nicht so gut für den Körper und ich war mir sicher...wenn Yuu mich nicht festgehalten hätte wäre ich wahrscheinlich sofort umgekippt.

"Yuu-chan ..ich kann dir das noch nicht sagen ..ich bitte dich! Bitte geb mir noch ein bisschen Zeit. Ich habe es selber noch nicht mal verarbeitet und wenn ich jetzt darüber reden würde..würde ich nur noch schlimmer zusammen brechen. Und ich weiß das ich zusammen brechen werde aber ich will es dir nicht antun das ich einen so dermaßen schmerzhaften Zusammenbruch erleiden werde wenn ich es dir dann erzählen kann."

Ich war selber überrascht wie ruhig meine Stimme klang.
Yuu verstärkte seine Umarmung und ich konnte spüren wie er nickte.
Wir verharrten eine Weile in dieser Position und es war so angenehm..
Für jemanden der nie Zuneigung erhalten hatte..werder von Eltern noch von Freunden..für so jemanden war eine einfache Umarmung etwas unfassbar schönes.
Obwohl..ich hatte ja nie Freunde.
Und wenn ich so glaubte wurde ich jedes Mal auf's neue schmerzhaft hintergangen oder verraten.
Ich tat mich deswegen auch so schwer jemandem zu vertrauen.
Aber...bei Yuu fühlte ich mich wirklich wohl und vergass sogar den Kummer der auf meiner Seele lastete.
Ich seufzte erleichtert auf, und legte meinen Kopf auf Yuu's  Schulter ab.
"Wir sollten uns langsam fertig machen Mika.."
Ich nickte kurz und die Umarmung löste sich wieder.
Ich hielt meine Uniform fester.
"Ich geh ins Bad und zieh mich an Yuu-chan."
Ich verließ das Zimmer und sah wie Yuu mich glücklich anlächelte.
Ich schluckte wieder und bemühte mich darum das bedrückende Gefühl so gut es mir möglich war zu ignorieren. Ohne großen Erfolg.
Ich schloss die Tür hinter mir ab und streifte mir das T-Shirt vom Oberkörper.
Ich warf einen prüfenden Blick in den Spiegel. Meine blauen Flecken würden scheinbar nicht so schnell verschwinden wie ich es gerne hätte.
Seufzend griff ich nach dem weißen Hemd streifte es mir über und knöpfte es sorgfältig zu. Ich wollte mich lediglich ablenken.
Ablenken von den Gedanken in denen ich auf den nächstbesten Messerblock zu renne. Ich geb nicht auf..auch wenn es so unfassbar schmerzhaft ist das ich am liebsten lauter schreien würde als mein Herz schlägt.
Ich knöpfte mir die Jacke zu und hielt einen Moment inne.
Es würde bestimmt alles gut werden.
Ich hatte schon so viel gekämpft, gelitten, ertragen...und doch lebe ich noch.
Ich will auch in Zukunft leben.
Selbstmord kommt für mich nicht in Frage!!!!
Ich zog mir gerade die Schnürsenkel fest als Yuu an der Tür klopfte.

"Mika? Sag mal willst du was frühstücken?"

Ich überlegte einen Moment. Ich hatte nicht wirklich Appetiet.

"Hm..nein aber lieb von dir Yuu-chan trotzdem danke."

Ich stand auf und warf meinen 'Schlafanzug' in den Wäschekorb. Ich schloss die Tür wieder auf und sah wie Yuu auf mich zu kam.
"Hier ! Deine Tasche."
Ich zwang mich zu einem Lächeln und verließ mit ihm zusammen die Wohnung.
Ich zwang mich zu einem Lächeln obwohl ich innerlich zerbrechen könnte...

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