JohannaMengelee

Du sitzt auf einer Parkbank, das Rascheln der Blätter um dich herum klingt fast wie leises Flüstern. In deiner Hand hältst du dein Handy und scrollst gedankenverloren durch eine Lese-App. Eine Geschichte zieht dich besonders in ihren Bann – du liest, lachst, speicherst sie ab. Schließlich tippst du auf „Folgen“.
          
          Im selben Moment zieht eine kühle Brise über dich hinweg. Du blickst auf und bemerkst, dass sich der Himmel leicht verdunkelt hat. Etwas fällt neben dich auf die Bank – ein kleines, in Leder gebundenes Buch.
          
          Verwirrt schaust du dich um. Niemand ist da. Du zögerst kurz, dann greifst du danach. Als du es öffnest, fliegt dir ein dünnes Lesezeichen entgegen, und aus den Seiten ertönt ein kaum hörbares Summen – wie Musik aus einer anderen Welt.
          
          „Na endlich“, sagt plötzlich jemand.
          
          Du erschrickst. Vor dir steht ein Mädchen, nicht viel älter als du, mit einem Notizbuch unter dem Arm. Sie sieht dich neugierig an.
          
          „Du... kannst mich sehen?“ fragt sie und kneift die Augen leicht zusammen.
          
          „Äh... ja? Und wer bist du?“
          
          „Jemand, der Geschichten schreibt“, sagt sie, ein kleines Lächeln auf den Lippen. „Und du bist jemand, der gerade eine geöffnet hat.“
          
          Du schaust auf das Buch in deiner Hand. „Das lag einfach hier. Ich wollte nur—“
          
          „—lesen, ich weiß“, unterbricht sie dich sanft. „Das tun die meisten. Aber kaum jemand öffnet wirklich.“
          
          Du verstehst nicht ganz, was sie meint, aber ehe du fragen kannst, geht sie einen Schritt zurück.
          
          „Behalte es ruhig“, sagt sie und nickt auf das Buch. „Wenn du etwas hineinschreibst, kann ich es lesen. Vielleicht sehen wir uns dann wieder.“
          
          Mit einem leisen Rascheln der Blätter verschwindet sie. Das Summen in dem Buch verklingt, nur der Wind bleibt.
          
          Langsam klappst du das Buch zu. Auf dem Einband steht nun ein einziger Satz, der vorher nicht da war:
          
          „Warum bist du mir gefolgt?“ :3333
          
          

Miz_Yuki3

@ JohannaMengelee 
            
            Ich starrte auf das Buch in meiner Hand. Mein Verstand ratterte. Was war gerade passiert?
            War ich am Träumen?
            Nein. Wohl kaum. Ich hatte nie so lebhafte Träume.
            
            Irritiert, neugierig und leicht verängstigt starrte ich auf das Buch in meinen Händen.
            
            "Warum bist du mir gefolgt? "
            
            Immer und immer wieder liess ich die Worte durch mein Geist gehen.
            Warum?
            Ich wusste es nicht wirklich.
            Die Geschichte klang interessant. Nein, wohl kaum. Das wäre ein dummer Grund.
            Warum war ich "ihr" gefolgt?
            Vileicht lag es daran, dass ihr Geschmak meinem sehr ähnlich war?
            Vileicht schrieb sie grossartige Geschichten?
            
            Ich seufzte und  betrachtete das Buch in meinen Händen.
            
            Rin grinsen huschte über mein Gesicht. Mein sonst so langweiliger Tag war plötzlich weitaus spannender als ich mir erhofft hatte.
            
            Dann klingelte mein Telephon. Fluchend suchte ich es aus meiner Schultasche.
            Meine BFF.
            
            Ich starrte ein Moment auf den Bildschirm. Ich ahnte warum sie anrief. Ich nahm ab. Das Buch betrachtete ich weiterhin.
            Als würde ich erwarten, dass noch irgend etwas spannendes passieren würde.
            
            Ich würde noch ganz sicher weiter lesen.
            
            Vileicht taucht das Mädchen wieder auf? Wer war sie überhaupt? Lebte sie? Oder war sie ein Geist? 
            
            Mehr Zeit zum überlegen hatte ich nicht. Die hellen Scheinwerfer des Busses kammen auf mich zu.
            
            Erschrocken stand ich auf. Rannte zur Strasse. Zur Busshaltestelle. Das Buch fest in meiner Hand.
            
            Tief in mir wusste ich, ich würde mehr von dieser Geachichte erfahren. Aber wann? Diese Frage bliebe noch offen.
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