@Silberstern1468 Mit dem Hören von Nebengeräuschen geht es mir ähnlich wie dir. Da ich ja nicht taub bin, nehme ich die Geräusche trotzdem wahr und als ADSler stören mich diese Geräusche in meiner Konzentration. Und wenn viele Menschen sprechen oder Musik im Hintergrund ist, habe ich noch mehr Probleme, das herauszufiltern, was an mich gerichtet ist, zumal ich ja von dem Gesagten nicht alles verstehe. Oder es falsch verstehe, wie ich in "Gänzlich verpeilt" auch geschildert habe.
Ja, das mit dem "Sei doch einfach nicht mehr schwerhörig" ist leider eine altbekannte Sache. In fast jeder Klasse hat irgendwann der Klassenlehrer eine Besprechung einberufen mit der ganzen Klasse, um zu erörten, wo für mich und die anderen die Probleme liegen. Anfangs habe ich noch hoffnungsvoll erklärt - dass das Hörvermögen jedes Menschen je nach Tagesform schwankt, bei mir aber noch stärker; dass ich hohe Töne sehr viel schlechter wahrnehme als tiefe; dass es eine Anstrengung für mich ist, zuzuhören und ich dann jemanden, der mich ablenkt, schon mal scharf anfahren kann, still zu sein; dass ich Menschen besser verstehe, die mich beim Sprechen ansehen; dass ich in einem Stimmengewirr irgendwann abschalte und jemand, der mir etwas sagen will, am besten zuerst meinen Namen nennt, damit ich aufmerksam werde und wieder bewusst hinhöre und dass die Schwelle, bei der laute Töne für mich unangenehm sind, tiefer liegt als bei Normalhörenden.
Das Ergebnis war jedes Mal das Gleiche: Man nickte, äußerte Verständnis, versprach, sich zu merken, wie man besser mit mir umgehen könne und dann änderte sich - nichts! Nur bekam ich jetzt auch noch Vorwürfe, warum ich mich jetzt nicht normaler verhalten würde, wir hätten doch über alles gesprochen und die Klasse hätte klargestellt, dass sie nichts gegen mich und meine Behinderung hat. Irgendwann weigerte ich mich, an solchen Besprechungen "Wir wollen doch nur wissen, wie wir besser auf dich eingehen können" überhaupt teilzunehmen.