Releasing Seane

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Releasing Seane

Endlich Freitag! Eine weitere Schulwoche überstanden! Seane kam zu Hause an, warf seine Schultasche in die Ecke und ging in die Küche. Seine Stief-Mutter würde erst am frühen Abend zurückkommen, sein Vater war gerade auf Geschäftsreise, aber das war er gewohnt seitdem er ein kleines Kind war. Sein Vater hatte sich von seiner leiblichen Mutter vor elf Jahren scheiden lassen als Seane vier gewesen war. Und auch wenn die beiden nicht oft zu Hause waren hatte er immernoch seine Halb-Schwester Miley. Die würde wohl auch in einer halben Stunde von der Schule kommen.Eigentlich hätte Seane jetzt Hausaufgaben machen müssen, aber stattdessen begab er sich in die Küche und begann zu Kochen. Er wollte, das Miley etwas warmes zu essen hatte, wenn sie nach Hause kam. Klar, sie war nur seine Halb-Schwester, aber für Seane war sie schon immer wie eine richtige Schwester gewesen. Und auch wenn sie vier Jahre jünger war als er hatten sie sich schon immer gut verstanden.Aber in letzter Zeit hatte Seane begonnen, sich Sorgen um Miley zu machen. Denn seitdem sie in die sechste Klasse gekommen war, hatte sie sich irgendwie komisch benommen. Sie war stiller geworden, hatte kaum noch geredet, sich immer sofort in ihr Zimmer gegangen wenn sie nach Hause kam und in die Schule war sie auch ungern gegangen, obwohl ihr das früher nie etwas ausgemacht hatte.  Ihren Eltern wäre das gar nicht so sehr aufgefallen, wenn nicht auch Mileys Noten sich um einiges verschlechtert hätten. Sie hatten ihre Tochter einige Male gefragt was sie bedrückte, aber Miley hatte nie zugegeben, dass etwas nicht in Ordnung war. Und Seane wollte wissen, was sie bedrückte. Er machte sich wohl am meisten Sorgen um sie. Sein Leben war schon schlimm genug, da wollte er wenigstens, dass ihres schön war....Und Heute hatte er sich vorgenommen, Miley offen zur Rede zu stellen. Er hatte schon von so vielen Menschen mitgekriegt, wie sie verzweifelten. Und sich am Ende einen Ausweg suchten. Manchmal fragte er sich, ob es sein Schicksal war, solchen Menschen nahe zu stehen. Das Beste, aber leider nicht das einzige Beispiel war seine Mutter.Seane konnte sich noch gut erinnern, obwohl er damals erst vier Jahre alt gewesen war. Genau hatte er es damals nicht verstanden, aber jetzt wo er älter war, wusste er was "Sie hat Krebs" bedeutete. Und er konnte verstehen, dass es einen Menschen fertig machte, so eine Nachricht zu bekommen. Und er konnte auch verstehen, dass niemand gerne einen schmerzhaften Tod starb. Eigentlich wollte er es seiner Mutter nicht übel nehmen, was sie getan hatte... aber es war einfach zu heftig gewesen...Eines Abends, ein paar Tage nachdem sie von ihrer Krankheit erfahren hatte, kurz, nachdem sie sich von seinem Vater geschieden hatte, war sie in Seanes Zimmer gekommen. Er hatte geschlafen, war aber sofort aufgewacht als sie das Licht eingeschaltet hatte. "Mommy?", hatte er sie gefragt, aber sie hatte nicht mehr geantwortet. Stattdessen hatte sie das Taschenmesser, was sie als kleines Kind von ihrem Vater, Seanes Großvater, geschenkt bekommen hatte, herausgeholt und angesehen, wie in Trance. Dann hatte sie ein letztes Mal ihren Sohn in den Arm genommen, ihm gesagt dass sie ihn immer lieben würde und sich schließlich, vor Seanes Augen die Pulsadern aufgeschlitzt. Das Blut seiner Mutter war herumgespritzt... auf seine Kleidung... auf sein Gesicht... Und er war zu geschockt und verwirrt gewesen, um zu reagieren. Danach hatte er zu seinem Vater ziehen müssen...Das Taschenmesser hatte Seane behalten. Eigentlich wollte er sich nicht an diese Nacht erinnern, aber er brachte es auch nicht einfach so fertig, die letzte Erinnerung an seine Mutter einfach aufzugeben...Bei der Erinnerung sah Seane kurz ins Badezimmer, den zerschmetterten Spiegel an. Das war er gewesen. Er hatte es eines Tages nicht mehr ausgehalten, hatte es nicht mehr ertragen, wie ähnlich er seiner Mutter sah. Die selben, hellgrauen Augen. Dieselben pechschwarzen Haare. Nur dass ihre lang und gelockt gewesen waren und seine schulterlang waren, und sein linkes Auge bedeckten. Diese Gemeinsamkeiten... zu viele...Tja, und seine Mutter war leider nicht der einzige Mensch den er verloren hatte...In der ersten Klasse hatte Seane zwei gute Freunde gefunden, Zwillingsbrüder. Beide waren in seine Klasse gegangen, und sie hatten sich gut verstanden. Ihre Namen waren Tobi und Eric gewesen...So gut wie jeden Tag hatte sie sich getroffen um zu spielen. Kinder eben. Doch dann, mit dreizehn, vor zwei Jahren, hatten Erics Depressionen angefangen. Zuerst hatte er nicht einmal seinem eigenen Bruder etwas davon erzählt, aber Seane und Tobi hatten einfah gespürt, dass etwas mit ihrem Freund nicht stimmte. So wie Seane es jetzt auch bei Miley spürte. Und genau das war es auch, was ihm Sorgen machte. Denn mit Eric war es immer schlimmer geworden, seine Eltern hatten ihn sogar in verschiedene Therapien geschickt, aber schlussendlich hatte alles nichts geholfen. Schlussendlich hatte er sich umgebracht... war vom Dach gesprungen... und hatte Tobi mit sich gerissen.Oft fragte sich Seane, ob er ihn hätte stoppen können... ob er vielleicht auch Tobi hätte retten können... wie auch immer. Aber es war schlimm für ihn gewesen. Zu sehen, wie seine beiden besten Frende auf dem Dach standen. Wie Lehrer und andere Erwachsene versuchten, Eric zu überzeugen nicht zu springen, und seinen Bruder loszulassen. Ohne Erfolg. Und das schlimste war, dass Seane es nicht mal geschafft hatte, seinen Kopf abzuwenden als Eric gesprungen war und Tobi mit sich gerissen hatte. Er hatte den Kopf auch nicht abgewendet, als die beiden fast unmttelbar vor seinen Füßen aufgeschlagen waren. Und als sie dann da lagen... nur noch blutige, zerschmetterte Leichen, selbst dann hatte Seane es nicht geschafft, wegzusehen. Vielleicht vor Schock, weshalb auch immer, aber das war ein Bild, das er nie wieder aus dem Kopf bekommen würde. Ein Bild, an das er sich immer erinnern würde.  Leider.Genauso wie an das, was sowohl seine Mutter als auch Eric vor ihrem Tod gesagt hatten. Weil er es nicht ganz verstand. Damals nicht, und Heute auch nicht. Und auch, wenn Seane sich nicht an den genauen Wortlaut erinnerte, sie hatten sich tief in sein Unterbewusstsein gebrannt. Zwar hatten die beiden nicht denselben Wortlaut benutzt, aber beides hatte die gleiche Bedeutung:"Es passiert viel zu viel schlimmes! Ich halte es nicht mehr aus, ich kann nicht mehr! Auch wenn es mich nicht betrifft, ich will NIEMANDEN leiden sehen!  NIEMANDEN!! Dieses Leben ist es nicht wert, gelebt zu werden!"Und Seane hatte sooft darüber nachgedacht. Er wollte es verstehen. Er wollte verstehen, warum sie sich das Leben genommen hatten. Er wollte verstehen, warum sie ihren Angehörigen... warum sie ihm das angetan hatten. Aber, egal wie verzweifelt und einsam er auch war, er konnte es nicht verstehen. Und auch wenn er selbst so viel schlimmes erlebt hatte... wenn er selbst schon darüber nachgedacht hatte, sein Leben zu beenden... dann würde er es nie, niemals vor jemandem tun, den er liebte! Nie! Weder seine eigene Mutter, noch sein bester Freund Eric hatten begriffen, das sie auf diese Weise zwar ihre eigenen Schmerz entkamen, aber Seanes Leben im Grunde zerstört hatten.Auch seinem Vater hatte er nie verziehen. Wie hatte er seine Mutter so im Stich lassen können? Klar... sie waren mehr oder weniger im Streit ausseinander gegangen... aber wenigstens als sie erfahren hatte, dass sie Krebs hat, hätter er ihr beistehen können! Er hätte ihr beistehen können, anstatt sich kein bisschen um ihn, den gemeinsamen Sohn zu kümmern... er hätte ihr beistehen können, anstatt sich sofort eine neue Frau zu angeln! Aber nein... vielleicht war er ja mitschuld, am Tod seiner Mutter?Tja... aber was Seane gelernt hatte war, dass mehr oder weniger jeder litt, der am Leben blieb und jeder befreit war, der starb. Das beste Beispiel war wohl sein großer Bruder...Gary hieß er und war drei Jahre älter, also achtzehn. Eigentlich hätte sich Seane gut mit ihm verstehen können... wenn da nicht die Tatsache wäre, dass Gary ihn hasste. Und eigentlich konnte Seane das auch nachvollziehen... Eigentlich. Als ihre Mutter gestorben war, war Gary sieben gewesen. Und er kam nicht damit klar, dass sie bevor sie sich umgebracht hatte, zu Seane gekommen war um sich zu verabschieden, aber nicht zu ihm. Und das war die Wahrheit. Zu Gary hatte sie kein Wort gesagt. Nur konnte Gary scheinbar nicht achvollziehen, dass Seane sich wünschte, sie wäre nicht gekommen. Dass er wünschte, er hätte sie nicht vor seinen Augen sterben sehen...Wie auch immer... der Selbstmord seiner Mutter hatte letztendlich auch das Band zu seinem Bruder zerstört...Und mehr oder weniger auch Garys Leben.Zurzeit wohnte er nicht zu Hause... sondern in einer Entzugsklinik. Und versuchte, mit seinen Alkohol und Drogenproblemen fertig zu werden. Zum vierten Mal. Ehrlich gesagt glaubte Seane nicht daran, dass sich diese Probleme in den Griff kriegen ließen. Denn Gary wollte sich nicht ändern. Seane hoffte auch nichts mehr, er wartete schon mehr oderweniger darauf, dass sein Bruder sich den goldenen Schuss setzte, oder an einer Alkoholvergiftung starb. Was ihn deutlich mehr beschäftigte war, dass es anscheinend auch ihrem Vater ziemlich egal zu sein schien... Es schien ihn nicht zu interessieren, wie unglücklich sein Sohn war... nichtmal, als er diesen einen Streit mit Gary gehabt hatte, weil er die Schule geschmissen hatte. Nichtmal, als Gary im Streit gesagt hätte, er wäre lieber tot wie seine Mutter, als bei seinem Vater zu wohnen.Das wiederrum beschäftigte Seane. Es zeigte ihm nur allzu deutlich, dass man nur litt, wenn man am Leben war. Wenn man tot war, war man frei.Aber das wollte Seane immernoch nicht wahrhaben. Er wollte es nicht verstehen, wollte nicht, dass er auch so verzweifelte, dass sein letzter Ausweg war, sich umzubringen.Also versuchte er, den Menschen in seiner Umgebung ein schönes Leben zu ermöglichen, so gut es ihm gelang. Zum Beispiel gab er Nachhilfe, versuchte anderen zu helfen, sich in der Schule zu vebessern. Versuchte einfach zu helfen. Und darum bedrückte es ihn auch so, Miley offensichtlich unter irgendetwas leiden zu sehen. Er hatte Angst, sie auch noch zu verlieren...  hatte Angst, nur einen weiteren Beweis zu bekommen, das das Leben grausam war.Schließlich hatte er das Essen fertig, genau als es an der Tür klingelte. Perfektes Timing! Seane ging zur Tür und öffnete sie. "Hey, Miley! Hast du Lust, mit mir zu essen?" Aber sie schüttelte nur den Kopf und drängte sich Wortlos an ihm vorbei nachdem sie ihre Schuhe ausgezoge hatte, sah ihn nicht einmal an. Seane blie kurz im Türrahmen stehen, dann schloß e die Tür wieder und folgte Miley, die dabei war, sich in ihr Zimmer zu verziehen. "Warte, Miley!", sagte er, aber sie reagierte nicht wirklich: "Miley, ich will mit dir reden!"Kurz hielt sie inne, dann knallte sie ihr Zimmertür zu und ließ Seane wortlos davor stehen. Was nun? Sollte er es gut sein lassen? Nein. Diesmal nicht. Also ging er in die Küche, nahm einen Teller mit Nudeln und kippte Soße darüber, dann klopfte er an Mileys Zimmertür. "Wenn du mal wieder nicht mit mir essen willst, dann iss wenigstens alleine!" Aber es tat sich nichts, also öffnete Seane die Tür einfach so. Miley saß an ihrem Schreibtisch, drehte sich nicht um. "Hey... dein Essen!"Seane kam einen Schritt mit dem Teller auf sie zu, doch..."Stopp, Seane!", antwortete Miley, ohne sich umzudrehen: "Ich weiß doch genau, was du in Wirklichkeit willst! Und ich kann nur wiederholen, was ich auch schon gesagt habe, als meine Eltern dabei waren. Es ist nichts mit mir. Wirklich nicht!"Ihr Halb-Bruder blieb in der Mitte des Raumes stehen, immernoch den Teller in der Hand. Aber er wollte nicht aufgeben, denn er wusste genau, dass mit ihr etwas nicht stimmte. "Ich weiß doch, dass etwas nicht in Ordnung ist! Unsere ... deine Eltern haben dir das vielleicht abgekauft, aber die sind doch eh sogut wie nie zu Hause, die kennen dich einfach nicht so gut wie ich! Und ich merke doch, das etwas nicht stimmt! Ich will nicht, dass es dir schlecht geht, ich will nicht... dass es genauso endet wie mit Eric und meiner Mutter!" Sofort spürte Seane, wie sie sich verkrampfte. Er hatte die Selbstmorde noch nie so offen laut angesprochen..."Also... bitte... Miley, rede mit mir! Bitte! Ich will dir doch helfen! Bitte, sag mir doch...""Hör auf!", sie sagte es so, dass klar wurde, wie ernst sie es meinte. Und als sie sich doch umdrehte, konnte er die Tränen in ihren Augen sehen. "Hör auf, Seane! Hör einfach auf... geh raus, lass mich in Ruhe, du kannst mir nicht helfen, lass es einfach gut sein, ja?!"Aber nun konnte Seane es erst recht nicht mehr sein lassen. Langsam stellte er den Teller auf ein niedriges Bücherregal und kam noch einen Schritt auf Miley zu. "Nein, ich will nur meine Ruhe! Ich meine es ernst! Geh weg!", je mehr sie sich aufregte, desdo sicherer war er, dass es ein ernsthaftes Problem gab. "Nein, Miley. Ich werde nicht gehen, bevor du mir gesagt hast, was los ist!"Tränen begannen über ihre Wangen zu strömen, doch sie schüttelte den Kopf. "Ich will es dir nicht sagen! Du kannst mir sowieso nicht helfen!" Seane kam noch einen Schritt auf sie zu. "Ich kann es aber versuchen! Ich will nichtm dass du dir auch etwas antust und...""Dann kommst du zu spät!!", jetzt schrie sie ihn schon fast an: "Ich habe schon versucht mich umzubringen! Aber keine Sorge, ich mach es nicht! Das war es doch, was du wissen wolltest, oder? Helfen kannst du nicht, verschwinde!"Seane sah Miley an. Er war mehr oder weniger geschockt, aber nicht wirklich überrascht. "Bitte, Miley. Ich bin mir sicher, dass du dir wünscht, dass dir jemand zuhört!" Während Seane das sagte, dachte er an seine eigenen Gefühle. Wenn jemand Miley verstand, dann war das wohl er. Immerhin hatte er auch schon öfter mit dem Gedanken gespielt, sein Leben zu beenden. Und er hatte sich sooft gewünscht, einfach mit jemandem reden zu können, dem er wirklich vertraute. Doch das war schwierig, denn alle die in Frage kämen wollte er entweder nicht belasten, oder sie hatten ihr Leben beendet und waren so mit Schuld an seinen Problemen.Einen kurzen Moment zögerte Miley, sah einfach zu Boden. Sie versuchte, ihre Tränen zurück zu halten, schaffte es aber nicht. Seane ging zu ihr und kniete sich vor ihr auf den Boden. "Jetzt erzähl doch..."Und obwohl Miley nochmal den Kopf schüttelte wusste er, dass sie ihm alles berichten würde..."Naja... ich habe ja nach der fünften Klasse Schule gewechselt... Ich dachte, es wäre wie ein Neuanfang... ich habe mich gefreut. Ich dachte, ich würde auch ein paar Freunde finden und so... Aber es war ganz anders! Ganz anders! Ich habe geglaubt, dass sie aufhören würden, ich dachte, sie würden es bei harmlosen Scherzen belassen!"Schon am Anfang ihrer Erklärung ahnte Seane, auf was das jetzt wahrscheinlich hinauslaufen würde."Weißt du, es waren nur so kleinigkeiten. Zum Beispiel haben sie meine Schulsachen versteckt oder... oder in den Müll geworfen. Aber dabei blieb es nicht! Nein, damit wäre ich klagekommen, echt! Irgendwie hätte ich das hingekriegt. Aber es ist immer schlimmer geworden! Ich habe keine Freunde, niemanden der mir hilft oder mich verteidigt!""Miley... ", er wollte etwas sagen, aber sie unterbrach ihn."Nein, ich weiß was jetzt kommt. "So schlimm wird es schon nicht sein!" oder "Such dir doch Freunde in anderen Klassen!", aber es ist komplizierter! Es ist ja nicht nur meine Klasse, die mich so fertig macht, nein, die ganze Schule! Sie finden es lustig! Sie beleidigen mich... sie schütten Müll in meinem Spind aus und noch mehr solche Sachen! Seane, du hast ja keine Ahnung! Du hast keine Ahnung, wie es ist, Angst davor zu haben in die Schule zu gehen, weil du weißt, dass sie dich verkloppen werden! Und das schlimmste ist ja, dass die Lehrer es wissen! Alle! Und sie unternehmen nie etwas! Ich bin ganz auf mich alleine gestellt!"Sie so vor sich zu sehen, weinend, eingeschüchtert und verzweifelt... es macht ihn traurig. Aber das war nicht alles... es machte ihn auch wütend..."Ich verstecke mic jede Pause, weil ich Angst vor ihnen habe! Aber es bringt nichts, denn nach der Schule warten sie schon an der Bushaltestelle, wo auch immer! Und weißt du, was das schlimmste war? In einer Vertretungsstunde, als unser Lehrer zu spät kam, da haben sie mich wieder so fertig gemacht! Und dann stand ich da, verzweifelt und habe zum ersten Mal versucht mich zu wehren, ich habe geschrieen, dass ich es nicht mehr aushalte, dass ich sterben will, dass ich versuche mich umzubringen! Wegen ihnen! Und weißt du, was passiert ist?? Sie haben gelacht! Sie haben gesagt, sie wären froh wenn ich weg wäre, und dass mich keiner vermissen würde!"Als er das hörte nahm Seane Miley in den Arm, sagte nichts. Ihm war so etwas noch nie passiert... trotzdem konnte er verstehen, wie verzweifelt sie war. Und er war bereit, alles zu tun, damit sich ihre Lage verbesserte. Alles. Er wollte nicht mehr mitansehen, wie die Menschen in seinem Umfeld leiden mussten!Er konnte einfach nicht nachvollziehen, wie Menschen so grausam sein konnten. Diese Leute sahen, wie schlecht es Miley wegen ihnen ging, und fanden es lustig? Machten sich einen Spaß daraus, sie weiter zu quälen? Ihr das Leben zu Hölle zu machen?"Ich... ich habe schon über Schulwechsel nachgedacht... aber was, wenn es auf der neuen Schule genauso wird?? Seane, ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr! Ich will, dass sie verrecken! Alle!"Schweigend hielt er sie im Arm, versuchte, seine Wut und den Hass, der in ihm aufgestiegen war, im Griff zu behalten. Diese Schüler auf Mileys Schule... und die Lehrer... wie konnten sie nur? Kannten sie das Wort "Mitgefühl" nicht? Oder waren sie zu dumm zu verstehen, was sie eigentlich taten? Am liebsten würde er es ihnen allen so richtig heimzahlen! Sie leiden lassen, so wie Miley litt! So viel Grausamkeit! Eigentlich hatte sie recht, die hatten doch alle den Tod verdient!!... Oder?Miley weinte immernoch. Und als Seane sie so in seinen armen sah, völlig am Ende, glaubte er zu verstehen. Er glaubte, endlich nachzuvollziehen, was seine Mutter und Eric gemeint hatten...Und er glaubte, einen Weg gefunden zu haben, wie er Miley tatsächlich helfen konnte. Wie er noch so vielen Menschen helfen konnte!Ganz vorsichtig schob er eine Hand in seine Hosentasche und zog das Taschenmesser heraus. Es würde alles ganz schnell gehen... und seine Schwester würde ihre Ruhe haben. Erlöst... für immer.Seane umarmte Miley immernoch, als er sich zu ihr beugte und ihr leise die letzten Worte, die sie in ihrem Leben hören würde, ins Ohr flüsterte:"This life ain´t worth living!"   ("Dieses Leben ist es nicht wert, gelebt zu werden!")Dann schlitze er ihr mit dem Messer so schnell es ging die Kehle auf. Miley konnte nicht mal mehr schreien, zu überrascht war sie. Sie fiel, doch Seane fing sie auf, bevor sie auf dem Boden aufschlug und legte ihren Kopf sanft auf seine Kniee als er sich auf den Boden hockte. Dann saß er da, sein schwarz-rot gestreiftes Hemd und seine schwarze Hose mit metallschnallen wurde von ihrem Blut getränkt. Aber es machte ihm nichts aus, er wartete bis Miley verblutet war, was nicht lange dauerte, dann legte er sie hin, stand auf und sah auf ihre Leiche hinunter.Sie sah so friedlich aus ... erlöst ... released ...Seane lächelte. Jetzt war sie frei. musste nicht länger auf dieser grausamen Welt leben. Und er konnte auf diese Weise noch so viel mehr Menschen befreien! Er konnte sie an einen besseren Ort bringen! Und das würde er auch tun! Nachdenklich sah er das Taschenmesser an... er wollte auch ein Andenken an seine Halb-Schwester. Aber da gab es nichts, was sich einfach so mitnehmen ließ...Doch dann kam Seane eine andere Idee... Ohne noch lange zu überlegen machte er mit dem Messer einen Schnitt in seinen rechten Unterarm, tief genug, dass er nicht so schnell verheilen würde. Das war für Miley. Und für jeden weiteren Mensch den er erlöst hatte würde auch ein weiterer Schnitt folgen, um sich an sie zu erinnern und sich vor Augen zu halten, wie viele arme Leute er schon befreit hatte...Hier hielt ihn jetzt nichts mehr... weder sein Vater noch seine Stief-Mutter waren gut genug für den Tod. Aber das war auch egal, es gab jetzt wichtigeres als über die beiden nachzudenken. Denn es gab ja genug Menschen da draußen, die es Wert waren zu sterben...

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⏰ Letzte Aktualisierung: Mar 14, 2015 ⏰

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