Kapitel 2 : Die Prüfung

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Die Tage vergingen und Eystaeya verkroch sich nur im Teeladen. Sie mochte den Trubel auf Soranel's Straßen nicht. Er war teilweise schön, das konnte sie nicht abstreiten. Aber es war laut und eng. Die fröhliche Musik konnte sie bis in den Laden hören. Sie fühlte sich verfolgt von der Musik. Musik, die sie zwang, gute Laune zu haben. Aber je näher die Prüfung rückte, desto schlechter wurde ihre Laune. Alle freuten sich, Kunden im Teeladen quatschten die ganze Zeit darüber. Und nur darüber. "Oh Prüfung hier." "Prüfung da." Adelige Damen stritten sich, wessen Kind das beste Ergebnis haben würde. Aber Eystaeya wollte das alles nicht hören. Sie arbeitete sogar freiwillig hinten und ertrug die stickige Luft. Ihr Vater verstand sie, er ließ sie machen und störte sie nicht, wenn sie sich verkroch. Oft schickte er sie auch eher weg, damit sie nicht irre wurde. Obwohl sich Eystaeya dagegen sträubte, dass die Prüfung ihr Leben einnahm, und das Thema abblockte so oft es ging. Ja sogar, davor wegrannte, als eine Kundin sich bei ihr erkundigt hatte, ob sie endlich teilnehmen würde. Je mehr sich Eystaeya anstrengte, dem Thema aus dem Weg zu gehen, desto mehr drängte sich die Prüfung in ihr Leben. Die Tage vergingen schnell und das Fest wurde lauter. Die Leute wurden mit jeder verstrichenen Stunde aufgeregter. Als ob das nicht jedes Jahr ist, dachte sich Eystaeya. Sonst mochte sie den Trubel, aber nicht dieses Jahr. Sie wusste nicht, was sie von der so beliebten Prüfung halten sollte.

Die Prüfung war recht simpel aufgebaut. Sie bestand aus drei Teilprüfungen, die je einen Bereich der eigenen Magie testeten. Magie wirkte in Menschen verschieden. Einige setzten sie intuitiv als Abwehr ein, andere nutzten sie hauptsächlich im Kampf zum Verstärken ihres Körpers und andere wirkten Zauber und halfen sich so im Alltag. Einige konnten nur einen Bereich, andere eine Kombination aus zweien der Teilbereiche. Wenige konnten Magie auf jede Weise wirken. Eigentlich nur die Königsfamilie. Es war aber bekannt, dass dies nur die drei natürlichen Wege waren. Begabte Magier konnten alles mögliche mit Magie tun, wenn sie genügend trainierten. Und deswegen die Prüfung - warum alle Menschen im sicheren Einsatz von Magie schulen, wenn man es für ein paar ausgewählte, besonders begabte machen konnte?

Die Prüfung gab es seit hunderten Wintern. Deswegen hatte sie sich zu einem Gesellschaftsfest entwickelt. Man erzählte, dass die Prüfungen früher ohne Feste und Aufregung durchgeführt wurden. Dies hatte sich geändert. Und Eystaeya hasste es - die ganze Aufmerksamkeit, die damit kam. Jeder wollte zusehen, wie die Prüflinge zauberten. Und je schwächer man war, desto weniger erwünscht war man danach in der Gesellschaft. Die Menschen verachteten diejenigen, die kaum Magie wirken konnte. Sie sahen die Magielosen als Unwürdig an. Eystaeya konnte sich kaum ausmalen, wie die Menschen mit ihr umgehen würden. Wenn sie ehrlich war, hatte sie große Angst. Sie musste all ihre Kraft aufwenden, um nicht zu zittern, während sie mit den anderen Prüflingen wartete.

Der Raum war kalt. Die hohen Decken und Steinwände verschluckten alles Licht, was einen Hoffnungsschimmer hätte geben können. Die aufgeregten Stimmen der Anderen erfüllten den Raum. Sie freuten sich auf das bevorstehende Debakel, denn sie konnten endlich ihre Kräfte vor allen zur Schau stellen. Eystaeya stand in der Ecke und beobachtete alle. Wie sie aufgeregt mit ihren Händen fuchtelten, um irgendwas zu beschreiben. Ihre Freundin hatte sie noch nicht entdeckt, obwohl diese ganz sicher irgendwo in dem Raum war. Eystaeya ließ ihren Blick weiter schwenken, keiner schenkte ihr Beachtung. Der Schatten verschluckte sie, so fühlte sie sich ein wenig sicherer. Dann ging die Tür auf. Alle Blicke richteten sich zu dem Licht und die Kinder begannen, Reihen zu formen, damit sie rausgehen konnten. Seufzend verließ Eystaeya ihren Schattenplatz und reihte sich mit ein. Da schwebte ein rosanes Kleid an ihr vorbei.

"Viel Glück. Du schaffst das." Dann war die kleine Dahfiv schon weggeweht. Sie musste ganz vorne stehen - als Stolz der ganzen Stadt.

Und dann ging es schon los. Die Massen an Kindern setzten sie nach und nach in Bewegung und betraten den Übungsplatz. Dieser war eigentlich nur ein Sandplatz mit kleinen Tribünen und wurde hauptsächlich von den Akademieschülern benutzt. Aber zu diesem Anlass waren die Reihen gefüllt mit stolzen Eltern, die sich den Spaß leisten konnten. Soweit Eystaeya wusste, kosten Karten für die Tribüne eine Menge. Soranel war eine große Stadt mit vielen Einwohnern und die Tribüne war klein, sehr klein. Zusätzlich war ein kleines Podest aufgebaut worden. Dieses lag im Schatten eines riesigen roten Tuches. Darunter saßen die Prüfer. Diese passten mit ihren schwarzen Kutten nicht in das Bild des fröhlichen Festes. Wie drei schwarze Haufen saßen die drei mächtigsten Magier inmitten der bunten Bänder und Blumen. Den Prüfern gegenüber waren Stuhlreihen aufgebaut worden. Die Kinder verteilten sich auf 50 Stühle. Eystaeya suchte sich wieder einen Platz hinten. Sie hoffte auf ein Wunder. Dass sie nicht auf der Liste stand und vergessen wurde. Oder dass ein Feuerball den Platz verwüsten würde. Aber sie hatte kein Glück. Nach einer kurzen Rede wurde sie als erste aufgerufen. Vorsichtig bahnte sich das Mädchen einen Weg nach vorne. Nach ihr wurden neun weitere Prüflinge aufgerufen. Alle stellten sich in eine Reihe und schauten gespannt auf die Prüfer. Es war still, selbst die Musik war verstummt. Alles wartete darauf, dass die Magier die erste Prüfung beginnen würden. Verängstigt schaute Eystaeya auf die Schwarzen Kutten.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Nov 06, 2021 ⏰

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