Kapitel 2 - Schatten der Vergangenheit

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Das Lächeln meiner Halmoeni.

Scheinwerferlicht.

Ein lauter Knall.

Schreie.

Blaulicht.

Und überall Schmerzen.

Feuer.

Dunkelheit.

Schreiend schlug ich die Augen auf und fuhr im Bett hoch. Pamisch schate ich umher, suchte die Gefahr. Du bist nicht mehr dort, versuchte ich mich zu beruhigen, es ist schon passiert, du kannst es nicht mehr ändern.

Nichts war mehr zu hören, als meinen keuchenden Atem, während ich mich langsam beruhigte. Mein Herz schlug immer langsamer und als es wieder eine annehmbare Geschwindigkeit angenommen hatte, ließ ich mich vorsichtig wieder in mein Bett sinken.

Plötzlich schoss ein brennender Schmerz meine Wirbelsäule hinauf und ich schrie gequält auf. Schwarze Punkte tanzten vor meinen Augen. Hoffentlich war die Narbe nicht aufgegangen.

Fluchend und unter Schmerzen stand ich langsam auf und lief in mein Badezimmer. Langsam zog ich mein Schlafshirt aus und drehte mich mit dem Rücken zum Spiegel.

Zum Glück war außer den Narben auf meinem Rücken nichts zu sehen. Kein Blut.  Mein Rücken ziehrten entlang der Wirbelsäule viele kleinere Brandnarben, Überbleibsel von dem Unfall, der meinen Großeltern das Leben kostete. Zwischen meinen Schulterblättern, fast am Halsansatz, war eine große Narbe. Dort hat mich während des Unfalls wahrscheinlich ein schwerer Gegenstand oder Glas getroffen, wodurch eine tiefe Wunde entstanden ist, welche genäht werden musste. Ich hatte Glück gehabt, das nicht mehr pasisiert ist.

Seufzend lief ich in meine Schlafzimmer und blickte auf mein Handy. 3:57 Uhr. Mein Wecker würde erst halb sieben klingeln, also könnte ich nochmal etwas Schlaf bekommen.

Doch den sollte ich wohl diese Nacht nicht mehr bekommen. Meine Gedanken kreisten unaufhörlich in meinem Kopf. Gedanken über Wooks Drohung, Hobi, meine Vergangenheit, der Tanzwettbewerb, meine Zunkunft...
Viel zu viele Gedanken, durch die ich zunehmend unruhiger wurde. Sie stressten mich. Ich musste hier raus!

Unvermitteld sprang ich aus einem Impuls heraus auf und lief schnellen Schrittes zu meinem Balkon, öffnete die Tür und trat in die laue Nacht. Tief sog ich die Nachtluft ein und antmete sie wieder aus, versuchte, mich zu beruhige. Zählte langsam jeden Atemzug mit. Doch auch nach 20 Atemzügen schlug mein Herz noch viel zu schnell und meine Gedanken waren nicht weniger ruhig.

Nagut, dann eben anderes. Ich seufzte und griff nach der Schachtel auf dem Balkontisch neben mir. Aus dieser holte ich mir eine Zigarette und zündete sie mit dem danebenliegenden Feuerzeug an.
Ich war kein Raucher, würde mich nie als solcher bezeichnen, griff auch eigentlich nicht oft zu diesen Mitteln, doch wenn mir alles zu viel wurde, es mich zu sehr stresste und ich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte, dann suchte ich oftmals im Tabak Ruhe. Leider kam dies in letzter Zeit öfters als sonst vor.

Sobald der Rauch meine Lungen füllten, wurde ich ruhiger. Meine Kopf klärte sich. Befriedigt stieß ich den Rauch wieder aus und blickte dem Rauch hinterher, wie er in den dunklen Himmel stieg. Ich nahm einen weiteren Zug aus meiner Zigarette. Hobi würde mit mir schimpfen, wenn er wüsste, dass ich schon wieder rauche. Aber dieser interessierte sich gerade ein Dreck für mich. Also interessierte es auch niemanden, wenn ich meine Lunge durch den Rauch zerstörte. Keine Familie, keine Freunde, die trauern würden, wenn ich tot wäre, also könnte ich auch jetzt einfach sterben. Niemanden würde es interessieren. Sie würden sich wahrscheinlich eher alle freuen, eine Last wie ich los zu sein.

Nachdenklich zog ich den letzten Zug meiner Zigarette und drückte sie im dafür vorgesehenen Aschenbecher aus. Ein letztes Mal blickte ich rauf in den sternenübersäten Nachthimmel bevor ich mich umwandte und durch die Balkontür zurück in die Wärme meiner Wohnung trat.

Fallen Angel - YoonminWo Geschichten leben. Entdecke jetzt