V A L E R I A
»Ich weiß nicht wovon du redest.«
Und ich hätte nie gedacht, dass mich ein einziger Satz so zerstören würde.
»Was?«, kommt es ungläubig aus mir heraus. »Aber das kann nicht sein ... Ich kann mich nicht irren!«
Ich habe doch die Erinnerung wieder gesehen. Sie war direkt vor mir!
Bitte, sag dass du lügst. Bitte, sag dass ich richtig liege.
Doch er tut es nicht.
Stattdessen entflieht ihm nur ein kleines winseln. »Valeria ... «
Hör auf! Hör auf, meinen Namen so zu sagen.
Ich blicke ihm weiter in seine leeren Augen und kann nichts außer Verzweiflung in seinem Gesicht erkennen.
Warum sieht er mich so an? Warum sieht er mich so an, als würde etwas nicht mit mir stimmen? Als wäre ich eine Fremde. Was bin ich für ihn? Nur die kleine Schwester seines besten Freundes?
»N-nein, i-ich ... «, stammle ich, weil ich sonst keine anderen Worte finde.
Ich wende meinen Blick flüchtig von ihm ab. Ich will ihm nicht in die Augen gucken.
»Valeria.«, höre ich wieder seine verzweifelte Stimme neben mir sagen.
Nein. Geh weg.
Ich entferne mich etwas von ihm, da ich gerade alles andere will, als seine Nähe.
Nicht weinen. Nicht weinen.
Plötzlich greift seine Hand nach meinen Kinn und zieht mich in seine Richtung, sodass ich ihm nun direkt in seine kalten Augen schaue.
»Sieh mich an, dilê.«
Wieder dieses Wort. Was bedeutet es überhaupt? — Nein, ich will es nicht wissen!
»Ich würde nie etwas tun, was dich verletzen könnte, Valeria. Niemals.«, sagt er fest.
Lügner. Er macht es immer wieder. Er ist genau wie Aviel.
»Doch du liegst falsch. Du warst mit Aviel verheiratet«, setzt er fort.
Das kann nicht sein. Einer von ihnen muss lügen. Doch wer nur? Araz oder Aviel? Ich weiß nicht mehr, wem ich noch glauben soll — oder glauben kann.
»Oh«, ist das einzige, was ich zwischen diesen ganzen Gedanken herausbringen kann.
Etwas anderes kommt nicht mehr aus mir heraus bis für einen kurzen Moment nur auf den Boden starre und mich zurück zu ihm drehe. »Könntest du jetzt gehen?«
Es bricht mir irgendwie das Herz, wieder diese Frustration in seinen Augen sehen zu müssen.
»Valeria — «, fängt er an, doch ich will ihm nicht mehr zuhören. Wenn auch nur für einen kurzen Moment.
Ich will in Ruhe gelassen werden. Ich muss über alles nachdenken — zum Beispiel, wie es sein kann dass Araz es noch immer verneint, mit mir verheiratet gewesen zu sein, trotz der wiedererlangten Erinnerung.
Oder war es etwa doch keine Erinnerung? Ich bin einfach so verwirrt von allem ...
»Bitte, Araz!«, sehe ich anstatt zu ihm, aus dem Fenster, um den Augenkontakt mit ihm zu vermeiden.
Ich kann ihm dabei einfach nicht in die Augen sehen. Es schmerzt zu sehr.
Mein Blick ist noch immer zum Fenster gerichtet, als ich bemerke wie er sich von meinem Bett erhebt und langsam auf die Tür zugeht.
DU LIEST GERADE
Gebunden
Teen FictionDie 23-jährige Valeria Morelli hat nach ihrem schweren Autounfall keinerlei Erinnerungen an ihr Leben davor. Während sie die Zeit im Krankenhaus verbringt, hofft sie innigst darauf, ihre Erinnerungen wiederzuerlangen, als ihr plötzliche Visionen vor...
