3. Kapitel

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3. Kapitel

Während Erin energisch die Tür zuklatscht, sitze ich bereits mit gemischten Gefühlen im Auto und frage mich, welche Geheimnisse mein Onkel wohl noch so vor mir verborgen hat. Er steht vor der Veranda und schaut uns entgegen mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Doch ich kenne ihn besser, als sonst jemand. Er wollte mich nur aufmuntern und mir versichern, dass diese Reise die richtige sei. In seinen Augen sehe ich aber eine Spur von Angst und Trauer. Wenn ich länger wegbleibe von zuhause ist es die längste Zeit, die ich je von ihm getrennt war. Gleichzeitig kommt es mir kindisch vor zu glauben, dass wir immer in diesem wundervollen Haus leben würden. Ich musste anfangen meine eigenen Entscheidungen zu treffen, denn nun war ich offiziell erwachsen. Dieser Gedanke macht mich traurig und lässt es zu, dass eine warme Träne meine Wange herunterfließt. Ich sehe zu, wie sich meine Heimat und auch ein Teil meines Herzens immer mehr entfernt, bis sie nur noch ein kleiner Strich in der Landschaft ist und ich fühle mich so durcheinander wie noch nie.

Ich muss wohl während der Fahrt eingeschlafen sein, denn als sich meine Augenlider wieder öffnen sehe ich Erin's Gesicht vor mir, die mich versucht sachte am Arm zu rütteln. „Wir haben es geschafft, Dakota." Langsam gewöhnen sich meine Augen an die Helligkeit außerhalb des Wagens. Mir fällt sofort auf, wie bunt es hier ist, ohne erst Mal Details erkennen zu können. Geistesgegenwärtig öffne ich die Tür und steige aus und der erste Gedanke, der mir in den Kopf schießt ist 'Wow'. Das Gras war so saftig grün, dass ich hätte reinbeißen können und der Geruch war überwältigend. Er gleicht einer riesigen Menge an Blumen, die sich um die Duftnote duellieren. Dabei fällt mein Blick auf den Ursprung des Blütendufts. Vor uns erstreckt sich eine Mauer, welche umwoben war von Ranken und Rosen, Tulpen und aller Art anderer Blumen. Um einen Bogen in der Mitte, der die Sicht ins Innere der Mauer gewährt, steht in großen Lettern „Domus Papilionum".

Mir kommt wieder die rote Tasche in den Sinn, welche Oliver aus dem Schrank gezogen und denselben Namen hat. Ich kann nicht umhin mir vorzustellen, was wohl hinter der Mauer zu sehen sein wird, bis die Gegenwart wie eine Welle über mir zusammenbricht. Ich schaue zu Erin: „Wie lange sind wir gefahren?" Sie kommt auf mich zu, mit Mitleid in den Augen: „Es waren 5 Stunden, Dakota." Abgesehen davon, dass ich noch nie so lange im Auto geschlafen habe, war es eine ewig weite Strecke von zuhause weg. Und auch wenn wir in unserer Gegend viele Naturkatastrophen erleben, ist es ein Teil meines Lebens geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier jemals derartige Stürme gibt, die das Haus zum Wackeln bringen oder Hagel, der so groß wie eine Faust ist. Gibt es an diesem verwunschenen Ort überhaupt ein Haus? Es wirkt eher wie in einem Elfenland, indem alle unter Höhlen oder in Bäumen leben. „Erin, ich verstehe das alles einfach nicht. Oliver hat mir doch gesagt, dass ich erwachsen bin und keine Aufsichtspflicht habe. Wieso also sind wir ganze 5 Stunden ins Nirvana gefahren, dass genauso aussieht wie in einem Fantasyfilm? Und außerdem hast du nie erwähnt, dass du den Führerschein hast. Und warum... ."

Mitten im Satz wurde ich unterbrochen, von der wohl schönsten Frau, die ich jemals gesehen habe. Sie läuft gemächlich den Waldboden entlang und trägt ähnlich weiße Kleidung wie Erin. Ihr Gesicht wirkt so geschmeidig wie Seide und ihre Augen leuchten in strahlendem grün. Ihr braunes Haar ist gewellt und fällt locker über ihre Schultern bis hin zur Brust. Man konnte sie nur anstarren. Sie lächelt mich an und eine ruhige Stimme durchbricht die gebannte Stille: „Hallo Dakota, wir haben dich bereits erwartet. Ich heiße Amilia, aber später mehr dazu. Komm mit mir, ich zeige dir das Dorf. Danach kannst du mir alle Fragen stellen und ich werde dir jede einzelne beantworten."

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⏰ Letzte Aktualisierung: Mar 06, 2024 ⏰

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