Ich schaue mich suchend in unserem Lager um und entdecke ganz oben auf einem der Schränke die Kiste mit den Decken.
Auf Grund meiner Körpergröße, von 1,72 m, stehe ich nun hüpfend vor dem Schrank und versuche irgendwie an die Kiste zu kommen. Tatsächlich erwische ich eine Ecke der Kiste und ziehe daran.
Ein paar Sekunden später befinde ich mich, begraben unter einzelnen Decken, am Boden wieder.
Zum Glück habe ich mir nichts getan. Ich stehe wieder auf, klopfe mir den Staub von der Hose und sammel die Decken vom Boden wieder ein.
Die Kiste landet in einer Ecke, da ich es erst gar nicht zu versuchen brauche, diese wieder auf den Schrank zu bekommen.
Mit 10 Decken unter dem Arm, begebe ich mich wieder in den Flur, um nach einem erneuten Schuhwechsel in die Fahrzeughalle zu gelangen.
Ein Vibrieren an meiner Hose und ein lauter Signalton signalisieren mir, dass wir wieder einen Einsatz haben.
Ausgerechnet jetzt um 17:43 Uhr, so kurz vor Dienstschluss.
Unsere Schicht hatte heute morgen um 6 Uhr begonnen und geht bis um 18 Uhr. Da unsere Kollegen, die uns ablösen, noch nicht da sind müssen wir wohl oder übel auch noch diesen Einsatz übernehmen.
Ein Blick auf meinen Melder verrät mir, dass wir in die Innenstadt zu einer bewusstlosen Person gerufen wurden.
Ich reiße die seitliche Tür vom Rettungswagen auf, schmeiße die Decken in das dafür vorgesehene Fach und verlasse den Rettungswagen wieder, um mir noch schnell meine Einsatzjacke zu holen.
Im Flur kommen mir schon Mike und Daniel fluchend entgegen. Sie sind nach ihrer Zigarette, in die Küche gegangen, um sich einen Kaffee aus unserer XXL Kaffeemaschine zu ziehen.
Bis wir zurück sind, wird der ganz bestimmt kalt sein.
Ich schnappe mir meine Jacke und begebe mich in den RTW.
Parallel zieht Mike den Stecker aus dem Rettungswagen, der diesen mit Strom versorgt, während wir auf der Wache sind. So ist es hinten im RTW immer schön warm im Winter und kühl genug im Sommer.
Daniel drückt den Knopf, damit das Rolltor nach oben fährt und bei dem Funkgerät den Status 3, der dem Leitstellendisponenten signalisiert, dass wir uns jetzt auf dem Weg zum Einsatzort befinden.
Auf dem Weg zu meinem Sitz neben der Patiententrage, schnappe ich mir schon mal 2 Handschuhe in der Größe M und schnalle mich an. Auf dem Weg zum Einsatzort habe ich jetzt noch genügend Zeit meine Handschuhe anzuziehen.
Sobald wir aus der Fahrzeughalle draußen sind, schaltet Mike das Blaulicht und die Sirene an.
Als erstes müssen wir über eine schmale holprige Straße, die uns von der Rettungswache direkt auf die Hauptstraße führt und ebenfalls noch der Zufahrtsweg für die ganzen Rettungsmittel zur Notaufnahme ist.
Auf Grund des hohen Verkehrsaufkommens um 17:45 Uhr, kommen wir viel zu langsam voran. Manche Verkehrsteilnehmer scheinen noch nie etwas von einer Rettungsgasse gehört zu habe.
Durch das kleine Fenster, dass die Fahrerkabine mit dem hinteren Teil des Rettungswagens verbindet, kann ich leider nicht ganz so viel sehen.
Wir scheinen gerade auf der Umgehungsstraße zu sein.
Da jetzt alles frei ist, tritt Mike ordentlich auf's Gas.
Wir waren heute morgen schon bei einem Patienten im Pflegeheim, der sich durch einen Sturz den Oberschenkelhals gebrochen hatte und nur durch die Gabe von Schmerzmittel unsererseits in unseren Rettungswagen transportiert werden konnte.
Anschließend waren wir bei einem 82 jährigen Patienten, den wir davon überzeugen mussten, dass ein eingrissener Zehnagel kein Grund ist, mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme gefahren zu werden und der Besuch am nächsten Tag beim Hausarzt vollkommen ausreicht.
Nach 2 ruhigen Stunden heute Mittag sind wir dann noch mit Blaulicht und Sirene zu einem 5 jährigem Mädchen wegen einem Fieberkrampf gefahren. Bei unserem Eintreffen hatte dieser zum Glück schon wieder aufgehört, da die Mutter gut reagiert hatte und durch die frühzeitige Gabe eines Paracetamol-Zäpfchen das Fieber senken konnte.
Danach wurden wir noch zu einem Verkehrunfall mit zwei beteiligten Autos gerufen. Die Insassen der Autos waren zum Glück mit einem Schock und ein paar Kratzern davon gekommen.
Durch den kleinen Spalt vom Fenster kann ich hören, wie Daniel über das Funkgerät mit der Leitstelle spricht.
Kurz darauf schiebt er das Fenster weiter auf und schreit nach hinten, "Paul, schalte schonmal den Monitor an, es scheint eine Reanimation zu sein".
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RetterHERZ
AventuraDer ganz normale Wahnsinn auf einer Rettungswache. Von verrückten Kollegen, Hintergrundinfos über den Rettungsdienst, bis hin zu lustigen Einsätzen. Begleitet mich, den achtzehnjährigen angehenden Rettungssanitäter während meinem vierwöchigem Prakt...
