Dreizehn

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Als die Szene kam wo Mufasa von der Klippe stürzte, kamen mir die Tränen und irgendwas passierte in mir. Ich wusste nicht was, aber ich fühlte mich auf einmal seltsam. Meine Gedanken versuchten mir etwas mitzuteilen, ich wusste nur nicht was. Kurz blitzte ein Erinnerungsfetzen in meinem Kopf auf, konnte ihn jedoch nicht klar sehen. Er verflog leider wieder genauso schnell, wie er gekommen war. Ich versuchte mich wieder auf den Film zu konzentrieren, was mir leider nicht mehr gelang. Meine Geschwister schauten wie gebannt auf den Fernseher, während ihnen die Tränen die Wangen runter liefen. Es war wirklich eine schreckliche Szene und ich konnte nicht glauben, dass sie uns immer noch zum heulen brachte, obwohl wir den Film schon so oft gesehen hatten.

Ich blieb mit meinen Geschwistern auf dem hellgrünen Sofa sitzen, bis der Film vorbei war. Als ich den Fernseher ausschalten wollte, merkte ich, dass Steve eingeschlafen war. Es war ja auch schon spät, Zeit für die Kleinen ins Bett zu gehen. Ich schaltete den Fernseher aus und legte die Fernbedienung auf den aus Eiche gefertigten Couchtisch, wo eine weiße Kerze brannte, die ich noch ausblies. Dann nahm ich Steve auf den Arm und trug ihn aus dem Wohnzimmer die Treppen hoch und legte ihn in sein Bett. Ich drückte ihm noch einen Kuss auf die Stirn und verließ dann leise sein Zimmer, um ihn nicht zu wecken. Leise tapste ich zu meinem Zimmer, das gegenüber von Steves lag und legte mich in mein Bett. Als ich in meinem Bett lag starre ich an die Decke und dachte nochmal an die Erinnerung, die ich vorher kurz gesehen hatte. Was genau war das? Was hatte ich da gesehen? Ich versuchte den Erinnerungsfetzen einzuordnen. Ich hatte nur ein Auto gesehen, das in einen Baum gefahren war. Die Frage war nur, was hatte das zu bedeuten? Warum war der Baum da? Hatte es eine Kollision mit einem anderen Auto gegeben? Wer war in den Unfall verwickelt? Argh, das ist so frustrierend, dachte ich und fasste mir an den Kopf. Ich wollte wissen was passiert war. Der Fetzen war leider nur das, ein Fetzen...

Ich versuchte ein Auge zuzutun, was mir nach langem hin und her Gewälze auch gelang.

Die Dunkelheit wurde immer tiefer und schwerer, als ob ich in den Boden sank, bis – plötzlich – das grelle Licht der Sonne mich blendete. Ich blinzelte, versuchte mich zu orientieren. Wo war ich? Es war die Sonne, die ins Auto schien. Sie blendete mich sehr, also zog ich meine Sonnenbrille auf, die mir in den Haaren steckte. Ich saß auf dem Beifahrersitz und genoss die Musik, die im Radio lief, als es plötzlich ruckelte. Das Auto kam ins Schleudern, ich hörte mich schreien und dann einen lauten Knall. Mir wurde schwarz vor Augen. Als ich wieder aufwachte sah ich Rauch, der aus der Motorhaube empor stieg, dann schaute ich nach links und sah meinen Vater da sitzen. Blutüberströmt und Glas, das in seinen Armen und in seiner Stirn steckte. Seine Augen weit geöffnet, aber leer, als wäre kein Leben mehr drin. "DAD!", schrie ich, meine Stimme brach. Ich rüttelte an seinem Arm, während ich Tränen in meinen Augen brennen spürte. "DAD!", versuchte ich es erneut. Vergeblich... Er reagierte nicht. Ich fing an richtig zu heulen und stieß einen schrillen Schrei aus. Scheiße, was machte ich jetzt? Was war mit meinem Vater? Ich musste hier raus! Ich öffnete die Tür des Autos und wollte aussteigen, aber irgendwas hielt mich zurück. Es dauerte bis ich merkte, dass ich immer noch angeschnallt war und deswegen nicht rauskam. Also löste ich den Gurt und stieg aus...

Ich erwachte, das Herz raste. Es dauerte, bis die Dunkelheit in meinem Zimmer mich vollständig umhüllte. Tränen liefen mir über die Wangen. War das wirklich passiert? War das der Unfall? Oder war das nur ein Traum? Träumte ich noch? Ich spürte immer noch den Sitz unter mir und die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Ich umfasste mein rosanes flauschiges Herzkissen, das Dad mir damals als Kind geschenkt hat, und drückte es mir an die Brust. War Dad wirklich tot? Tot? Ich konnte es irgendwie nicht greifen. Das konnte nicht wahr sein. Nein, er durfte nicht tot sein, ich habe mich nicht mal verabschieden können. Warum war ich noch hier? Er aber nicht? Was wollte das Universum mir damit mitteilen? Was hatte es für mich noch geplant? Warum hatte es mir meinen Vater genommen? Was war an dem Tag wirklich passiert? "Dad?", flüsterte ich, während mir weitere Tränen die Wangen runterliefen. Mein Herz fühlte sich schwer an und mein Atem beschleunigte sich. Ich hatte das Gefühl nicht mehr atmen zu können und meine Augen brannten. Sie waren bestimmt schon ganz rot. Ich musste an meine Mutter denken. Wie ging es ihr damit? Es konnte bestimmt nicht einfach für sie gewesen sein. Sie hatte ihren Ehemann, ihre große Liebe verloren... Wie hat sie das durchgestanden? Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es war seinen Lebenspartner zu verlieren, und das so plötzlich? Arme Mom. Was musste das für eine Last für sie gewesen sein, alles alleine zu tragen. Ihre Welt war einfach von einem auf den anderen Tag zusammengebrochen, genauso wie meine... Wow, Mom war eine unglaublich starke Frau. Sie war immer für uns Kinder da, auch wenn es ihr schlecht ging. Das musste man ihr hoch anrechnen. Nicht jeder würde so standhaft bleiben. Ich war mir sicher, sie hatte auch ihre schwachen Momente gehabt, aber das hatte sie uns nie gezeigt. Ich sollte ihr vielleicht mal sagen, wie stark sie ist und dass ich sie sehr bewunderte. Einfach mal Dankbarkeit zeigen. Mom benötigte mehr Unterstützung von mir. Ich wollte ihr ihr Leben erleichtern und nicht erschweren. Bisher war ich vielleicht nicht die beste Tochter, aber das würde ich ändern. Ich werde Mom zeigen, dass ich für sie da bin.

Ich schaute auf die Uhr. Es war mitten in der Nacht, jedoch konnte ich nicht weiter schlafen. Ich war viel zu aufgewühlt von dem Traum. Also stand ich auf, und ging runter in die Küche. Ich nahm mir eine Tasse aus dem Schrank über der Spüle und die Milch aus dem Kühlschrank. Diese goss ich in meine Tasse ein und setzte mich an den Tresen. Mein Vater hatte mir immer eine Tasse Milch gebracht, wenn es mir als Kind nicht gut ging. Diese hatte immer geholfen, mich besser fühlen zu lassen. Gedankenverloren trank ich die Milch und schaute aus dem Fenster in unseren Garten. Es war alles so friedlich da draußen, während in mir ein großes Chaos herrschte. Die kalte Milch in meinem Rachen half mir ein wenig mich zu beruhigen. Ich dachte an den Moment, als ich eines Nachmittags nachhause kam und mein Dad auf mich wartete. Ich erzählte ihm, dass ich einen schlechten Tag gehabt hatte und kurze Zeit später kam er mit einer Tasse Milch zu mir. Wir saßen gemeinsam auf dem Sofa und ich kuschelte mich an seine Brust. Bei ihm fühlte ich mich immer geborgen und sicher. Eine kleine Träne kullerte mir aus dem Auge und tropfte auf den Tresen. Dad wird für immer bei mir sein. Ich fasste mir an die Brust, wo mein Herz schlug. "Ich werde dich für immer in meinem Herzen tragen Dad", flüsterte ich. Erinnerungen bleiben für immer, dachte ich und fühlte mich ein klein wenig besser.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Mar 05, 2025 ⏰

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