Ein so kalter Wasserstrahl, dass es schmerzte holte mich aus meiner Besinnungslosigkeit. Ich gebe ein paar schrille Laute von mir, damit sie auf meine Lebensenergie aufmerksam wurden. Aber wer sind sie? Das letzte woran ich mich erinnere ist er. Er wie er mich anschaut. Er wie er mir etwas sagt. Etwas wichtiges. Ich versuche mich daran zu erinnern. Ich soll irgendwo Schutz suchen oder so ähnlich. Ich versuche danach zu greifen, doch meine Gedanken sind träge und schwer wie Blei. Ich sehe ihn vor mir. Wie er mich mit seinen durch und durch blauen Augen anguckt, als hätte er noch nie zuvor ein Mädchen gesehen. Und dazu sein sanftes, liebevolles Lächeln. Dann sehe ich ihn in einem Meer seines eigenen Bluts liegen, in dem er ertrinkt.
Ich zwinge mich die Augen zu öffnen. Sie kleben so fest aneinander, dass ich das Gefühl habe alle meine Wimpern auf einmal herauszureißen. Sie brennen und ich will mir mit der Hand über meine Augen wischen. Doch es geht nicht. Ich spüre etwas kratziges, das sich wie ein Freundschaftsband um meine Handgelenke windet. "Was zum...?", ich sitze an Händen hinter meinem Rücken und Füßen an den Stuhlbeinen gefesselt auf einem Holzstuhl. Der Raum in dem ich mich zu meiner Verwunderung befinde ist karg und in schummriges Dämmerlicht getaucht. Ich kann keine Gestalt ausmachen. Aber ich spüre, dass ich hier womöglich nicht allein bin - womöglich? Ja, lassen wir mal die Tatsache, dass irgendjemand dein Gesicht ein bisschen beplätschert hat und so gesehen zwangsläufig eine weitere Person im Raum befindlich sein muss, außer Acht. Genau, vertrau auf dein Gefühl, Kleines, Logik ist sowieso nervig.
Ich schrecke hoch, wer war das? Ich lausche. Außer meinem übertrieben lauten Puls höre ich nichts. Und mit nichts meine ich wirklich nichts. Keine bröckelnden Steinchen, keine weit entfernt vorbeifahrenden Autos, nicht der Hauch eines Lebenszeichen. Nur allumfassendes nichts.
Komm mal wieder runter. Nur weil du gefesselt auf einem Stuhl in einer absolut unbekannten Umgebung bist und du obendrein kaum noch Flüssigkeitsvorräte in deinem Körper hast, ist das noch lange kein Grund das Ganze dramatisch aufzubauschen.
"Wo bist du? Ich weiß, dass du hier im Raum bist, du hast mich nass gemacht, erinnerst du dich? Komm raus!", ich versuche hart zu klingen, doch meine Worte hören sich selbst in meinen Ohren lächerlich an. Ich versuche mich zu drehen um auch den Teil des Raums hinter dem Stuhl sehen zu können. Es gelingt mir nicht vollständig, sodass ich weiterhin eine tote Zone habe.
Ich hab dich also nass gemacht, Darling? Ich kann mich nicht erinnern, bist du dir da sicher? "Natürlich bin ich das...", nein, ich fühle keinen einzigen Tropfen Wasser. Weder in meinem Gesicht noch auf dem restlichen Körper.
Und, Süße? Dämmert es dir?
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Split Love
Mistério / SuspenseNachdem Leslie vom ersten Menschen, der sie wirklich fasziniert hat für immer getrennt worden ist, muss sie lernen mit ihrem neuen Leben klarzukommen. Doch auch diesmal ist die Ausgangsposition weder die durchschaubarste noch die einfachste. ...
