Das letzte woran ich mich erinnere war der Sturm auf See. Ein gewaltiges Gewitter war es, das allen große Angst eingejagt hatte. Ich erinnere mich flüchtig an einige, die schnell einen Eimer gegriffen haben, um so schnell wie möglich das Wasser, welches das Deck geflutet hatte, loszuwerden. Das Boot hatte so sehr gewankt, dass ich schließlich ausrutschte und mir schwarz vor Augen wurde...
Ich schlug die Augen auf und musste augenblicklich husten, um das brennende Salzwasser in meinem Körper loszuwerden. Ich drehte mich auf den Rücken und versuchte langsam, tief durchzuatmen. Stimmen, überall Stimmen. Ich hörte die anderen, wie sie über den Strand gingen und nach Wasserflaschen suchten. Erst im nächsten Moment roch ich die Meeresbrise und spürte den Sand auf dem ich lag. Ich setzte mich auf und verspürte pochende Kopfschmerzen. Roy beugte sich über mich und ich brauchte einen Moment um sein Gesicht wiederzuerkennen. Er lächelte:
"Geht es dir gut Lauren?"
"Ja... ja ich denke schon. Bist du okay?", fragte ich.
"Ja. Ich hab Wasser gesucht, wie die anderen." Er schaute sich um. "Also so hatte ich mir meine Freiheit nicht vorgestellt..."
"Wir sind nicht frei... noch nicht", antwortete ich und stand auf. Hier waren wir also. Die Insel schien wirklich nicht viel herzugeben. Ich schaute nach oben. Es war bewölkt und nicht ein einziger Flecken blauer Himmel war zu sehen. Normalerweise hätte die Jacke, welche jeder von uns trug und warm gehalten, doch meine Kleidung war vollständig durchnässt. Ich fror. Was mir jedoch eher Sorgen machte, war die Frage nach Wasser.
"Habt ihr Wasser gefunden?", fragte ich voller Hoffnung. "Ich bin am verdursten!"
Wenn man unsere Vorgeschichte kennt, weiß man, warum wir alle nicht sonderlich überrascht waren, auf dieser Insel gelandet zu sein. Mit wir meine ich ungefähr fünfzig Teenager die verdammt sind 281 Tage in diesem Höllenloch zu verbringen. Warum? Nun das wüsste ich auch gern. Naja eigentlich wusste ich warum. Jeder von uns soll in ein riesiges Netz von Straftaten verwickelt sein, die so unverzeihlich sind, dass sie lebenslange Haft bedeuten, wobei wir uns nicht an sie erinnern können. Unsere Erinnerungen wurden gelöscht bevor wir ins Gefängnis kamen, um die lebenslange Haft erträglicher zu machen. Ich weiß nichts von meinen Eltern oder Geschwistern, sollte ich überhaupt welche haben. Die einzige Person die ich kenne, ist Roy. Er war mein Zellnachbar und er einzige mit dem ich mich ständig unterhalten habe.
Black Whole ist der Name der Insel, um die sich viele Sagen ragen und auf der wir uns befanden. Die Regierung glaubte, wie viele andere, dass hier vor hundert Jahren, im dritten Weltkrieg Waffen gelagert wurden. Jedoch wurde das nie bewiesen. Viele glauben auch das es ein großer Schatz oder ein Heilmittel gegen alle Krankheiten ist. Da sich der Rat, von was immer es ist, Vorteile verspricht, waren wir hier. Wir sollten herausfinden, was oder ob es hier überhaupt etwas gibt. Dafür hatten wir 281 Tage Zeit sonst würden wir endgültig auf dieser Insel verbannt werden, wenn wir nicht schon vorher starben. Es hatte bis jetzt kaum jemand die Insel erreicht und wenn, waren sie niemals zurückgekehrt.
"Nein", sagte er und runzelte die Stirn. "Wir haben kein Wasser gefunden..."
"Und auch keine Kokosnüsse", ergänzte Brad von hinten.
"Weil die hier nicht Wachsen! Es ist zu kalt. Die Kokospalme fruchtet nur wenn die mittlere Jahrestemperatur bei 27 Grad Celsius liegt und wenn meine Berechnungen stimmen, werden es hier im Sommer maximal bis zu 21,579 Grad", bemerkte Adam, rückte seine Brille auf der Nase zurecht und klappte sein Notizbuch mit einem lauten Geräusch zu.
"Verstanden du Superhirn! Es hilft nicht wirklich", keifte Rachel und rempelte ihn von hinten an. Sie hatte einen leicht dunkleren Hautton und schwarze längere Haare. Mit ihrer sportlichen Figur stahl sie allen die Show. Das wusste sie aber auch. Ich kannte sie, weil sie in meinem Block untergebracht war und die meisten Wächter zur Weißglut gebracht hatte.
Mehr kannte ich nicht. Ich hatte sicherlich schon einmal ihre Gesichter gesehen, doch ich konnte mich nicht mehr daran erinnern. Ich spürte wie trocken mein Mund war und wünschte mir nur noch Wasser. Die Bäume die hier standen waren zwar keine Kokospalmen, aber sie erinnerten dennoch an eine Art tropische Pflanzenart. Hoch und mit vielen langen Wurzeln, die den Stamm bildeten.
Hinter mir wurden die Stimmen laut. Eine kleinere Gruppe hatte sich wohl schon Stunden durch den Wald geschlagen, und kam jetzt wieder zurück.
"Das sind Christian, Drake und Sarah. Sie haben sich schon vor Stunden auf den Weg gemacht die Insel zu erkunden. Rachel und Brad mussten hier bleiben und aufpassen, dass der Rest der Gruppe keinen Mist baut", flüsterte Roy und grinste.
"Also ich glaube nicht das sich alle gefallen lassen, dass sie einfach spontan beschlossen haben, die Anführer zu sein", flüsterte ich zurück.
"Warum? Nur weil du damit nicht zufrieden bist?", sagte Adam leise. Ich verdrehte die Augen aber ja, ich fühlte mich damit nicht wohl. Wir wussten überhaupt nicht was auf dieser Insel zu finden war und wenn ich mir die Fünf so ansah... Christian war der größte und er sah auch eindeutig am Besten aus. Er trug einen langen, selbst gemachten Speer über seiner Schulter und ging mit zügigen, weiten Schritten voran. Drake trug eine Art totes Reh, aus dem Blut tropfte. Ich musste einen Würgereiz unterdrücken. Und Sarah trug Teile der langen Wurzeln dieser merkwürdigen Bäume. Aus dem Ende tropfte irgendwas flüssiges... Und wenn ich mir dieses Flüssige so ansah, erinnerte es mich an etwas... Natürlich...
"Wie haben Holz, Essen...", schrie Christian.
"Aber kein Wasser!", unterbrach ihn Adam. Eigentlich hatte Christian vorgehabt es zu überspielen, aber als ein Raunen durch die Menge ging, konnte er es wohl doch nicht so leicht ignorieren.
"Ich denke wir haben Wasser gefunden...", murmelte ich. Jeder drehte den Kopf nach mir um. Ich spürte wie nervös ich wurde, aber ich versuchte so selbstbewusst wie möglich auf meinen zitternden Beinen an den anderen vorbeizugehen. Ich wusste es ihnen schließlich beweisen. Christian trug ein Messer am Gürtel. Ich wirkte sicher wie ein Zwerg neben ihm. Einen Moment lang starrte ich ihn einfach an, schaute in seine blauen Augen. Ich war so unsicher. Der Wind peitschte mir ins Gesicht, doch ich hielt seinem verwirrten, aber kalten Blick stand. Als ich mich schließlich losriss fragte ich kleinlaut:
"Darf ich mal?" Ich wartete seine Antwort nicht ab und zog das Messer so schnell wie ich konnte aus seinem Gürtel. Der Weg zum nächsten Baum war nicht weit, zum Glück. Jetzt stand ich etwa zehn Meter vom Baum entfernt. Ich ging weiter drauf zu, stolperte und das Messer landete direkt in der Mitte des Stammes, der Griff vibrierend. Ich musste schon ein bisschen grinsen, jedoch beeindruckte es niemanden.
Doch der Wurf hatte nicht genug Kraft um zu zeigen was ich eigentlich beabsichtigt hatte. Also zog ich das Messer aus dem Stamm, umfasste den Griff mit beiden Händen und hob die Klinge über meinen Kopf. Ich grub meine Füße fest in den Sand, sodass ich einen festen Stand hatte und ließ die Klinge mit voller Wucht in die Stelle sausen, wo ich das Messer eben hingeworfen hatte.
Die verwirrten Blicke der anderen trugen dazu bei, das mein Selbstvertrauen jede Sekunde, die ich wartete, zu schwinden begann. Entweder ich war die Einzige die nachgedacht hatte, oder ich stand einfach nur da und war das Gespött aller hier. Doch als ich das Messer wieder herauszog, dauerte es nicht lange und der erste Tropften Wasser lief den Stamm herunter. zuerst war es nur ein kleines Rinnsal, aber dann begann das Wasser zu sprudeln. Gierig hielt ich meinen Mund darunter und trank. Jubel war hinter mir zu hören.
"Wasser, wir haben Wasser!", hieß es immer wieder. Und augenblicklich nahm sich jeder einen Ast oder einen Stein und prügelte auf die wertvollen Bäume ein.
"Wartet!", schrie Christian und alle hielten inne. "Die Bäume sind neben Regen vielleicht unsere einzige Wasserquelle. Einen Baum zur Zeit. Los, stellt euch in eine Reihe!"
Das Gesicht tropfnass, trat ich vom Baum weg und ließ den anderen den Vortritt.
"Gut gemacht. Hätte ich nicht erwartet", flüsterte Christian im Vorbeigehen, bevor auch er einen riesigen Schluck von der Quelle trank.
Er schaute wieder zu mir als er seinen Kopf gewaschen hatte. Ich hielt ihm das Messer wieder hin, doch er schüttelte den Kopf:
"Behalt es ruhig. Da sind noch mehr in den Rucksäcken."
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Aksi"Ja. Ich hab Wasser gesucht, wie die anderen." Er schaute sich um. "Also so hatte ich mir meine Freiheit nicht vorgestellt..." "Wir sind nicht frei... noch nicht", antwortete ich und stand auf.