Trinken

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 Eine neue Stadt und neue Beute. Neue Arbeit, diesmal direkt bei der Polizei, bei der Forensik. So konnte sie ihre eigenen Beweise vernichten und den Verdacht von sich ablenken. Josephine hatte aus ihren Fehlern gelernt. Ihre neue Wohnung lag in der Nähe ihrer Arbeitsstelle und war bereits komplett eingerichtet. Sie hatte es einem Immobilienmakler überlassen und sich nur die Resultate angesehen. Eine moderne große Wohnung, die mit ihrem Gehalt als Forensiker sicherlich nicht bezahlbar war. Aber das konnte ihr egal sein, sie lebte schon lange und hatte viel Geld gehortet.

Central City wusste nicht, wer sich neu in ihrer Stadt niedergelassen hatte. Aber es dürfte nicht lange dauern, bis sie bemerken würden, dass sich jemand in ihrer Stadt niedergelassen hatte, der den Bewohnern der Stadt nicht wirklich wohlgesonnen war. Lächelnd trank Josephine aus ihrem Glas Wodka Lemon und sah aus dem Fenster. Ihre Wohnung lag in einem der oberen Geschosse, sodass sie einen fantastischen Blick auf die Stadt hatte. Es war bereits später Abend und morgen würde sie beim CCPD anfangen. Aber bevor diese Nacht zu Ende ging, würde sich Josephine noch etwas zu trinken gönnen. Sie stellte ihr Glas in die Küche und ging in ihr Schlafzimmer. Schnell hatte sie in passendes Outfit gefunden. Ein enger Minirock und ein kurzes Top, dass bauchfrei war, sollte genügen, um als Prostituierte rüber zu kommen. Ihre rote lockige Mähne versteckte sie unter einer blonden Perücke. Anschließend legte sie braune Kontaktlinsen ein, um ihre grünen Augen zu verbergen. Wie gesagt, sie hatte dazugelernt. In Chicago war sie von einigen Polizisten erkannt worden, da sie keine dieser Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hatte und Zeugen sie so beschreiben konnten. Schlussendlich hatte sie jeden, der mit ihr zu tun gehabt hatte und sie erkannt hatte, umbringen müssen. Und danach war sie aus der Stadt gezogen, mit der Begründung, dass sie dieses Massaker verarbeiten musste. Immerhin waren viele ihrer sogenannten Freunde unter den Opfern gewesen. Grinsend machte sich Josephine an die Schminke. Sie zog einen dicken Eyelinerstrich und trug roten Lippenstift auf. Ihre Wimpern betonte sie mit riesigen falschen Wimpern. Zufrieden mit dem Ergebnis, schlüpfte sie in ihre kniehohen Stiefel und verließ ihre Wohnung. So würde sie niemand erkennen, da sie normalerweise weder so angezogen, noch so geschminkt war. Und da sie nicht vorhatte, jemanden überleben zu lassen, der ihr ins Gesicht sah, würde sie mit dieser Tarnung nie verdächtig werden. Schnell suchte sie in ihrem Handy nach der hiesigen Prostitutionsszene. Es dauerte nicht lange und sie befand sich zwischen anderen Prostituierten am Straßenrand und wartete, dass jemand wollte, dass sie bei ihm einstieg. Ein Auto nach dem Anderen fuhr vorbei und gerade war sie am überlegen, ob sie nicht lieber eine der Prostituierten nehmen sollte, als ein Mercedes vor ihr hielt. Das Fenster wurde herunter gekurbelt und sie konnte einen Mann Mitte vierzig erkennen. Er war mit seinen Koteletten und seiner Hakennase nicht wirklich attraktiv, aber darum ging es ihr auch nicht. Der Herr steckte in einem Anzug und sah ganz so aus, wie der Vorzeigeehemann und Geschäftsmann, der ein wenig Abwechslung suchte.

„Wie viel kostest du?", fragte er geschäftsmäßig. Anscheinend war es nicht das erste Mal, dass er sich auf dem Strich nach einer Frau umsah. Josephine lächelte kokett und drehte ihre falschen Haare um ihre Finger.

„Für dich 50, Süßer. Außergewöhnliches wie schlagen oder würgen, kostet extra", ratterte sie ihren Standarttext herunter. Sie wusste, dass das außergewöhnlich billig war, aber so kam sie häufiger in ein Auto, als wenn sie realistische Preise anschlug. Da sie aber sowieso nicht vorhatte, mit den Männern zu schlafen, war das auch egal. Der Geschäftsmann war verblüfft, als er ihren Preis hörte und schluckte.

„Und, was sagst du?", fragte Josephine und gewährte ihm einen ausgiebigen Blick in ihr Dekolletee. Jetzt kam endlich wieder Leben in den Mann und er nickte hastig. Sie öffnete grinsend die Tür und setzte sich in das Auto.

„Wo willst du es? Hier oder in einem Hotel?", fragte sie ihn.

„Ähm...ein Hotel..ich habe ein Zimmer reserviert."

Sie nickte und notierte sich im Kopf, dass sie nach unten schauen sollte, sobald sie in der Nähe des Hotels waren, immerhin konnte selbst das Make Up und die Kontaktlinsen ihr Gesicht nicht vollständig verändern. Auf dem Weg ins Hotel blieb es ruhig im Auto. Der Mann parkte in der Garage des Hotels. Sie musste sich zusammenreißen, um nicht in der Garage schon über ihn herzufallen. Aber hier gab es Überwachungskameras und diese sollten nicht aufnehmen, wie sie dem Kerl das Blut aus den Adern zog. Also genügte sie sich damit, auf den Boden zu schauen und dem Mann zu folgen, der direkt zum Aufzug ging. Sie landete schließlich in einem der größeren Zimmer, die bestimmt nicht sehr billig gewesen waren. Nachdem die Tür geschlossen war, drehte sich der Mann zu ihr um und wollte sie etwas fragen, aber sie hatte nun wirklich genug von dieser Farce. Josephine war hungrig und wollte sofort trinken. Also stieß sie den Mann gegen die Tür und hielt ihm mit der einen Hand den Mund zu und zog seinen Kopf an den Haaren zur Seite: Ihre Eckzähne bildeten sich und sie biss ihm in den Hals, bis dieser blutete. Genüsslich saugte sie ihm das Blut aus den Adern, während er zappelte und versuchte, ihrem Griff zu entkommen. Unmöglich, sie war um ein vielfaches stärker. Schließlich hörte er auf, herum zu zappeln und sie konnte sich in Ruhe seinem Blut widmen. Es war nicht das Leckerste, was sie je getrunken hatte, aber immer noch besser als die Blutkonserven, die sie in ihrem Kühlschrank lagerte. Als er tot und komplett blutleer war, ließ sie ihn los und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Endlich war sie nicht mehr allzu hungrig. Das würde in spätestens 24 Stunden aber wieder anders aussehen. Manchmal fand sie es wirklich lästig, dass sie so viel Durst hatte und Blut das einzige war, was dagegen half. Die Leiche schob sie mit dem Fuß zur Seite, sodass sie später durch die Tür konnte. Aber zuerst würde sie ihren Mund waschen müssen und neuen Lippenstift auftragen. Dafür ging sie kurz ins Bad und machte sich fertig. Nach fünf Minuten verließ sie das Hotelzimmer und machte sich auf den Weg nach Hause.


Vampire vs Flash (Flash Fanfiktion)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt