idk (Oneshot)

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Meine Füße, sie juckten. Ich glaub mich hatte was gestochen. Viel Blut musste die Stechmücke aber nicht bekommen haben, da das Blut in meinen Füßen gefroren sein musste.
Ich weiß nicht wie lang ich dort schon stehen würde, auf meinem Balkon.
In einer hell erleuchteten Nacht, durch dem Vollmond, welcher in einem blasen gelb seine schönste Seite zeigte.
Meine Gedanken, unaufhaltsam. Träumen davon auf das wacklige, alte, hölzerne Geländer zu steigen, meine Arme aus zu breiten und zu fliegen. Zu dem Mond, von welchem ich mich so angezogen fühle. Bewußt ist mir, dass ich vier Meter tief fallen würde, auf unsere Terrasse. Wahrscheinlich würde mich dann auch die Stimme in unserem Garten bemerken. Ob sie überhaupt existiert, weiß ich nicht.
Was ist überhaupt existent?
Bin ich noch hier?
Oder liege ich doch in meinem Bett und träume das alles?
Die Kälte durchzog mich und ich fing an fürchterlich zu zittern.
Unter meinem roten Hoddie, welcher mal ein Werbegeschenk für mein Vater war, trug ich nur ein Höschen.
Mit einem festen Entschluss zu ihm zu gehen, trat ich in mein Zimmer. Weiterlaufen konnte ich nicht, da ich von dem Temperaturunterschied wie angewurzelt stehen blieb. Ich genoss die Wärme, welche in meinem Zimmer herrschte, obwohl ich die Balkontür offen gelassen hatte.
Ich nahm mir noch mein Handy mit, natürlich, ich würde es brauchen. Ich schaute auf den Bildschirm, keine neuen Nachrichten. Machte es wieder aus und just in the second wieder an um das zu tun, was ich eigentlich wollte. Ich hatte noch 34% Akku. Musste reichen, mehr Zeit hatte ich nicht, wahrscheinlich doch, aber ich wäre zu ungeduldig.
Ich öffnete meine Zimmertür und mich durchflutet die Wärme erneut. Anscheinend war es in meinen Zimmer doch kalt.
Barfuß schlich ich wie ein Storch den Flur entlang. Meine Füße klebten an dem Paket, es ertönte jedes mal ein knarren wenn ich auftrat und meinen Fuß abhob. Ich stützte mich mit meinen Händen an den Wänden, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. An der Wendeltreppe angekommen, hörte ich Stimmen von unserem Fernsehen, mein Vater würde auf dem Sofa liegen und schlafen wie ein Bär. Er würde nicht aufwachen.
Das ist er auch nicht als ich mir um drei Uhr nachts meine Haare ab rasierte. Das Geräusch des Rasierapparats war laut und unerträglich. Bestimmt zwei Stunden hatte ich mich im Bad eingeschlossen und niemand hatte es bemerkt.
Unten angekommen schlüpfte ich in meine Puma Creeper.
Leise öffnete ich die Haustür, wobei leise nicht passen würde. Ich trat hinaus in die Kälte.

Nachts ist es dunkler wie es Draußen kalt ist.

Ich schloss die Tür hinter mir erst beim zweiten Versuch.
Ich will zu ihm, ohne zu wissen warum.
Zu Merlin.
Ich fing an zu laufen, Richtung Dorf mit mehr Pferden als Einwohner.
Die Lichter in den Häusern waren aus und so zeigten mir die Straßenlaternen den Weg, wobei der Mond mir gereicht hätte.
Selbst an der Sägewerkschule herrschte Stille, man könnte denken es wären Leute die immer Party machen. Sie scheuen nicht davor Frauen anzusprechen. Zu jedem weiblichen Wesen, welches an ihnen vorbei lief, gaben sie ein Kommentar ab. Ich bekam mit, wie sich ein paar Mädchen aus meiner Klasse darüber beschwerten, doch ich hatte kein Problem damit. Meistens unterhielt ich mich mit Ihnen und wenn sie herausfanden wie alt ich bin, wollten sie eh nix mehr von mir. Ich bekam sogar schon einmal Bier angeboten und trank mit ihnen. Ich war damals dreizehn. Es war aber auch schon dunkel.
Manchmal sehe ich diesen einen Typ am Tag, doch dann kennt er mich nicht mehr und starrt stur auf den Boden und läuft mit schnellen Schritten davon. Seine Freunde wissen aber eh schon Bescheid und lachen sich jedes mal den Arsch ab, nachvollziehbar.
An der Landstraße angekommen, rief ich Merlin an, welcher meines Erstaunen nach, sofort abnahm.
Eine verschlafenen Stimme ertönt am anderen Ende "Alter was willst du?!" Seine Wortwahl sollte wahrscheinlich genervt wirken aber seine unreife, verschlafenen Stimme war eher das Gegenteil.
"Hast du Zeit?", fragte ich ruhig.
"Wann?"
"Jetzt"
"Ich schlafe"
"Scheint mir nicht so"
Genervt stöhnte er auf.
"Ich bin in drei Minuten da, musst mich dann aber an der Bushaltestellen abholen."
"Was?! NEIN, mach ich nicht"
"Biiitteeeee", flehte ich mit meiner Engelstimme, welche keine Engelstimme war.
Diesmal stöhnte er nachgebend und legt auf.

Unwissend, ob er kommen würde oder nicht, wartete ich dort. Verzweifelt.
Ich wüsste nicht wo ich hin sollte, würde er nicht kommen. Ich besaß keinen Hausschlüssel und ich hatte vergessen, den Eigentlichen, aus dem Schloss zu ziehen.
"Fiffer.", ertönte eine Stimme hinter mir, seine Stimme.
Ich drehte mich in die Richtung, von welcher sie kam. Ich schenkte ihm ein lächeln.
"Du bist ja echt da?", fragte er er erstaunt.
Was sollte ich darauf antworten, ich würde es nicht wissen, ich meine es war eindeutig.
Er stand vor mir. Seine verschlafene, blauen Augen schauten mich musternd an. Mit seinen hellbraunen, verwuschelten Haaren sah er, naja, süß aus.
Ich empfand nichts für ihn, glaubte ich zumindest.
"Was willst du?", fragte er nun besorgt.
"Weiß nicht"
Er schmunzelte.
"Wieso bist du hier?", fragte er leicht genervt. Schlaf war ihm heilig, mir auch, außer ich konnte nicht schlafen. Das kam bei Vollmond öfters vor, da ich es als Verschwendung sah, in einer hellen Nacht zu schlafen.
"Weiß nicht, hatte das Bedürfnis danach"
Ich machte alles nach Bedürfnis. Meine Lust bestimmte mein Leben, weshalb ich fast immer den ganzen Tag im Bett verbrachte.
"Und jetzt?", nuschelte er vor sich hin, während er sich die Augen rieb.
Ich zuckte mit den Schultern.
"Is dir nicht kalt?", fragte er schließlich leicht besorgt.
Ich wusste es nicht, wahrscheinlich schon, aber ich spürte nichts davon.
Während ich in meinen Gedanken nach einer passender Antwort suchte, fragte er weiter "Gott, was hast du genommen?"
Es war vorhersehbar, dass diese Frage kommen würde, doch er wusste dass ich es nicht gemacht haben konnte.
"Nichts" und das ist nicht mal gelogen.
"Hast du was getrunken?" Diese Frage würde eher auf mich zutreffen, da ich wirklich häufig etwas trinke. Am diesem Tag allerdings nichts alkoholisches.
"Ja, ganz viel Sprudel, vorhin. Muss auch echt dringend mal auf's Klo, kann aber auch sein, dass ich mir das nur einbilde, hab nämlich grad 'ne Blasenentzündung", sprachen meine Lippen aus, ohne zu wissen was ich eigentlich sagen wollte.
Merlin lachte.
"Was ist los mit dir?"
"Weiß nicht, hab so 'was öfter."
"Sicher das du nicht high bist?"
"Yes"
"Dann brauchst du keine Drogen nehmen.", sagte er eingebildet, doch es war Spaß. Er weiß wie groß meine Neugier ist. Er weiß auch dass ich nur durch ihn an gewisse Substanzen gelangen kann.
"Na deswegen will ich's ja nehmen"
Stille, so angenehm und doch so oft fehl am Platz. Still ist es eh nie. Man hört die Flugzeuge über uns fliegen, die ihre Kunstwerke durch die Wolken am Himmel hinterlassen. Das zirpen der Grillen, das schnauben und wiehern mancher Pferde. Und schließlich doch uns selbst. Seine und meine Atemzüge und das unterbewusste schniefen meiner Nase.
Merlin unterbrach die eigentlich nicht vorhandene Stille.
"Ich hab noch was da"
Ich schaute zu ihm auf und ein Lächeln breitete sich über meinem Gesicht aus.

(1186 Wörter)

Is' nicht alles in meinem Kopf. :^)

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