Sechzehntes Kapitel

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Niemand folgte mir. Niemand ergriff meine Hand, um mich von meinem Vorhaben abzuhalten und wiederum niemand stellte sich mir in den Weg, um mich daran zu hindern, auf direktem Wege zu dem Apartment meines größten Feindes aufzumachen. Vielleicht schätzten sie ihn viel zu sehr oder vielleicht sahen sie ihn nicht als eine Gefahr, sondern eher als jemanden, der fälschlicher Weise nach Aufstreben giert, an. Vielleicht war Mr. Fensher auch kein Feind, sondern insgeheim jemand, der in den Tiefen seines Inneren nur den Wunsch, mein Wohlergehen zu erhalten, verbarg. Doch das konnte nicht sein. Ich war mir sicher, dass dem nicht so war und eine leise erzürnte Stimme in meinem Kopf bestätigte mir, dass ich wohl richtig lag. Das er mich niemals wirklich schützen werden könnte, weswegen auch immer. Was auch immer vorgefallen sein muss, damit er sich derartig verhielt. Allein bei dem Gedanken an seine Arroganz und gespielte Fürsorge drehte sich mein Magen um und ich schüttelte unweigerlich den Kopf. Niemals würde es war werden. Niemals könnte sich Mr. Fensher Sorgen um mich machen, dass war absurd. Derartig banal, dass ich meine eigenen Gedanken verhöhnte. Dafür, dass sie derartig ausschweiften.

Doch ich würde nicht zurückgehen, nicht zu ihnen. Nicht, wenn ich wusste, dass sie nichts unternehmen würden. Nun stand ich hier. Hier im dämmrigen Flur, mein Herz schlug mir so heftig in der Brust, dass ich beinahe Angst hatte, es würde mir aus der Brust springen und meinen Brustkorb zum zerbersten bringen. Ich musste einen jämmerlichen Eindruck machen, so wie ich vollkommen ungeschützt mitten in einem von flackernden Fackeln erleuchteten Korridor stand, zitternd und nach Atem ringend. Für einen Kämpfer musste ich wie ein verkümmertes Kind wirken, dass seinen Eltern nachtrauerte, was unter bestimmten Umständen sogar der Fall gewesen wäre, doch nun nahm ich mir fest vor, mich zusammen zu reißen. Was nütze es mir schon, nun unter der Last, die auf meinen Schultern ruhte, nachzugeben? Inmitten von Kriegern, die mich spöttisch dabei musterten? Umkehren würde ich niemals wagen. Weswegen auch? Sie waren mir nicht gefolgt und ihre Rufe waren schnell verhallt, als sie sich die Mühe ersparten, mir hinterher zu sprinten. Vielleicht schätzen sie die Situation falsch ein. Vielleicht schätzen sie mich falsch ein. Doch beide Möglichkeiten hinderten mich nicht daran, nun mein Vorhabe, was ich ihnen verschwiegen hatte, in die Tat umzusetzen.

Tief durchatmend bereitete ich mich auf die Konfrontation mit dem störrischen Leiter des Instituts vor und begann mit dem Gedanken daran, endlich die Wahrheit herauszufinden, dem Lauf des Ganges in Richtung der großen Halle zu folgen. Dabei fuhren meine Hände die Maserungen der Wände nach und ich musste mich zwingen, nicht stehen zu bleiben, um die bezaubernden Schnitzereien zu bewundern. Auch wenn ich schon mehrere Male an ihnen vorbei gekommen bin, so bin ich dennoch noch immer von ihnen fasziniert. Von ihrer unsichtbaren Schönheit, die nur umso mehr die darüber hängenden Gemälde unterzeichnet. Als sei die ein Indiz dafür, dass hier wahrliche Künstler am Werke waren. Künstler, die sich nicht insbesondere auf die bildende Kunst spezialisiert hatten, sondern auch auf die Kunst des Überlebens. Die Kunst eines Kriegers, der ich niemals sein werden würde, da mir einfach der Weg dorthin versperrt wurde. Ein Weg, den ich auch sonst nicht freiwillig gegangen wäre. Nicht bevor ich hier angekommen bin. Nicht bevor ich mit dieser Welt konfrontiert wurde.

Meine dumpfen Schritte verhalten hinter mir in der Weite des Korridors und ich die Befürchtung, mich doch hier in dem Labyrinth zu verirren, setze sich so langsam in mir fest. Doch so schnell würde ich nicht aufgeben. So schnell würde ich nicht mein Ziel, endlich das Geheimnis um mein Dasein hier zu lüften, aufgeben und so folgte ich den reichlich verzierten Wänden, bis ich in der pompösen Halle angelangte. Die Halle, welche der Teil des Instituts gewesen war, den ich zuerst nach meiner Ankunft bewundern durfte. Doch nun schenkte ich der verborgenen Schönheit keine Aufmerksamkeit. Stattdessen durchquerte ich sie hastig und eilte nun einen anderen Gang entlang, den ich zuvor mit Mrs. Hemswood zurückgelegt hatte.

Wächter der ZeitGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt