Einst waren unsere Wälder und Wiesen grün und voller Leben. Doch wäre es gelogen zu behaupten, dass in jener Zeit alles friedlich gewesen sei. Schon damals gab es Streit, Fehden und ja.. sogar Kriege. Es gab und wird immer Völker geben, die sich nicht verstehen. Manchmal muss es noch nicht einmal ein anderes Volk sein. Jeder von uns kennt den Moment, in dem man einem anderen etwas nicht gönnt. Seien es Bekannte, Nachbarn, Freunde oder Familie. Es liegt in der Natur des Lebens.
Manche sind stärker davon betroffen, andere weniger. Doch bei keinem Volk ist das Streben nach Macht so ausgeprägt wie bei den Menschen. Ich will damit nicht sagen, dass wir anderen besser wären. Vielleicht liegt der Unterschied in der Masse. Kein Volk vermehrt sich so rasch und beinahe schon ...verzweifelt, wie die Kurzlebigen. Und auch wenn unsere Leben länger dauern und wir Zeitalter über Zeitalter durchleben, so sind die Menschen uns in einem deutlich voraus: Sie Leben jeden Augenblick. Kosten jeden Moment ihres Daseins aus.
So kommt es, dass für sie jegliche Emotion viel stärker und intensiver ist. Was wir als sanften Regen wahrnehmen, erleben sie als einen Sturm, der den Himmel aufreißt.
Ob ich sie dafür beneide? Oh. Ja manchmal tue ich das. Aber wir dürfen nicht vergessen, was einst war. Einst waren unsere Wälder und Wiesen grün und voller Leben ...
::Auszug aus den Grimoiren von Mithran, Bibliothekar von Baran::
„Mich beunruhigen die Nachrichten aus dem Westen." Das wenige Licht welches in den Raum fiel, ließ die Staubflocken in der Luft tanzen. Der muffige Geruch von altem Pergament, alten Büchern und altem Mann war allgegenwärtig und bewegte den Adligen dazu immer mal wieder das parfümierte Taschentuch vor seiner Nase wedeln. „Vor Zehn Jahren noch hätte niemand gedacht, dass dieser Emporkömmling aus schlechtem Hause es soweit bringen würde!"
Stille legte sich über den Raum, während er auf eine Reaktion des Greises wartete. Doch dessen Aufmerksamkeit schien vollkommen bei der vergehenden Glut des Kohlebeckens zu liegen. Ungehalten verlagerte der Adlige sein Gewicht auf dem gepolsterten Stuhl, der daraufhin protestierend knarzte. Er würde es jedoch nicht wagen den alten Magier seinen Unmut in Worten entgegenzuschleudern. Zu groß war sein Respekt, oder doch eher die Angst. Die Welt war erfüllt von Magie. Er selbst beherrschte einige Sprüche. Doch nur wenige Menschen schafften es in den Rang eines Großmagisters aufzusteigen. Und das dieser zur eigenen Familie gehörte, machte es in diesem Fall nicht besser, nur schlimmer.
Er versuchte sich in Geduld zu üben. Was ihm jedoch nur augenscheinlich gelang. Innerlich schäumte er vor Wut und wenn er einen Weg wüsste, wie er diesen Mann gefahrlos beseitigen könnte, so würde er es tun. Seine Verachtung wuchs mit jedem Tag mehr und mehr. Der senile Magi war ihm seit Jahren ein Dorn im Auge. Als Kind hatte er in reiner Furcht vor ihm gelebt. Sein Zorn war gnadenlos. Selbst wenn es sich nur um einen kleinen Jungen handelte der seiner Neugier und seinem Durst nach Wissen gefolgt war. Noch heute brannte die Narbe der magischen Züchtigung, sobald ein Wetterumschwung sich bemerkbar machte. Er hasste ihn.
„Ich werde mich morgen auf den Weg nach Pessa machen."
„Die Baronie, oder die Stadt?"
Er war aufgestanden und hatte das Arbeitszimmer des Alten verlassen wollen. Doch die unerwartete Frage ließ ihn innehalten. „Die Stadt." Antwortete er. „Ich hab dort einige Dinge zu regeln." Er wusste nicht, warum er ihm das überhaupt mitteilte. Er hatte nie Interesse an ihm oder der Baronie gezeigt.
Mit seiner von Altersflecken übersäten Hand, griff der Magi den Schürstab und stocherte im Kohlebecken herum. „Es ist viel zu kalt hier und du knauserst zu sehr mit der Feuerkohle! Lass neue hinaufbringen und wenn du schon deinen Vergnügungen in der Hauptstadt nachgehst, dann wirst du mir auch ein paar Zutaten vom Alchemisten mitbringen können!"

YOU ARE READING
Najadenblut - Der Preis der Freiheit
FantasySorgenvoll blickt das Fürstentum Marnien auf seinen Nachbar Kas'la'tar. Dort herrscht ein Kriegsfürst, der in den letzten zehn Jahren die Grenzen seines Landes immer weiter ausgedehnt hat. Als erster kriegerischen Akt, wurde der Sohn eines Baron bei...