Traumwelten

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Ich sah ein kleines Mädchen die fröhlich über die Wiese sprang. Ihre dunkeln, langen und gelockten Haare sprangen bei jedem ihrer sprünge mit. Sie war so zierlich und sah so gebrechlich aus. Das rote Kleid unterstrich ihre helle Haut. Ein Windstoss liess die langen Grashalme zur Seite legen. Da kam ein Mann und rannte auf das kleine Mädchen zu. Er schnappte sie unter ihren Achseln und hob sie hoch. Sie schrie kurz auf vor freude. Er wirbelte das Mädchen im Kreis. Ihre Haare lagen ihr über dem Gesicht aber man konnte ihr süsses lachen hören. ,,papa" schrie sie glücklich und lachte weiter.

Ein glücksgefühl breitete sich in mir aus. 

Der Vater setzte sie wieder auf den Boden und sie rannte davon. Ihr lachen war so leicht und beflügelt. ,,ich verstecke mich" schrie sie und rannte weiter. Ihr Vater drehte sich um, hielt seine Hände auf seinen Augen und zählte von zwanzig runter.

Das Mädchen rannte in den Dunkeln Wald.

Der Traum veränderte sich schlagartig. Von leicht und fröhlich ins finstere.

Ein dunkler Raum der nur durch eine flackernde kleine Glühbirne, die von der Decke hing, erhellt wurde. Die Tapete löste sich von den Wänden und in den Zimmerecken war es schimmlig. Kein Fenster war zu sehen. Auf dem Steinboden lag eine vergammelte Matratze. Sonst war alles leer.

In einer Ecke regte sich etwas. Es war schwer zu erkennen was es war. Es war zu dunkel. Ein leises schluchzen war zu hören.

Plötzlich durchzog wie ein Blitz mein Bild und die Situation veränderte sich wieder.

Irgendwo in einem alten Gebäude lag ein häufchen elend am Boden. Es war das kleine Mädchen mit den dunklen Haaren!

Doch sie hatte sich so verändert das ich sie kaum wiedererkannte.

Ihre Haare waren kurz geschnitten und total zerzauste. Von ihrer Kleidung waren nur noch fetzen übrig.

Sie sass auf den Knien. Ihr Kopf vornüber gebogen und ihre Körperhaltung in sich eingefallen. Ihre Hände lagen auf ihrem Gesicht. Ich hörte nur ihre schwere Atmung.

Sie war ganz alleine in diesem grossen Raum.

Auf einmal trat jemand aus dem Schatten.

Mir stockte der Atem.

Er war wunderschön...

Ein grosser muskulöser Mann lief langsam auf das Mädchen zu. Seine Haut war hell aber schien so hart wie ein Stein zu sein. Seine Gesichtszüge schienen wie gemeisselt. Vereinzelte Stränen von seinen schwarzen Haaren vielen ihm ins markante Gesicht. Seine Augen waren schwarz und starrten das Mädchen am Boden an. Er trat komplett aus dem Schatten.

Ich traute meinen Augen nicht.

Hinter seinem Rücken ragten zwei pechschwarze riesige Flügel hoch. Das schwarze gefieder glänzte und schmiegten sich an seinen Körper. Bedrohlich stand er vor dem Mädchen.

Er war ein Kriegsengel. Er war ein verstossener, gefallener Engel. Er diente nicht unserer Göttin Aurora sondern dem in Mensch gewandelte nachfahren von Luzifer.

Wut kroch in mir hoch. Diese missgestallten!

,,sieh mich an!" seine Tiefe Stimme bebte leicht. Das Mädchen regte sich jedoch nicht. Seine Augen verengten sich zu schlitzen. ,,sieh mich an, Octavia!" wiederholte er zischend.
Sie nahm ihre Hände runter und hob ihren Kopf.

Ihre dunklen Haare waren wieder etwas länger und hingen in dicken Strähnen in ihr Gesicht.

Sie war um einige Jahre gealtert. Was ich an ihrer Körpergrösse erkennen konnte.

SeelenkriegWo Geschichten leben. Entdecke jetzt