Eltern

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„Du bist jetzt ein magisches Wesen das Wünsche erfüllt.“
-Da Rules

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Mein Kopf war wie leer gefegt. Ich wusste nicht was ich davon halten Sollte. Nicht nur, dass ich mit zweiundzwanzig Jahren doch etwas zu jung war um Schwanger zu sein, hinzu kam auch noch, dass wir bereits ein Kind adoptiert hatten. Fiona war eines Tages wie aus dem nichts aufgetaucht, mit Papieren, die besagten das Lane und ich uns gemeinsam um das kleine Mädchen kümmern sollten. Wir hatten sie tatsächlich behalten und kümmerten uns um sie wie unser eigenes Kind, auch wenn Lanes Bruder Lucian zunächst überhaupt nicht angetan gewesen war Babysitter zu spielen. Was würde er hiervon halten? Und was würde Lane überhaupt darüber denken? Ich konnte nicht einmal sagen, wer von den beiden der Vater war, denn ich führte eine Beziehung mit beiden. Zu dritt.

Lucian rührte sich als erstes wieder. „Ich werde nicht die Windeln wechseln. Das habt ihr mich schon bei Fiona machen lassen. Diesmal seid ihr dran.“ Sagte er. Lane blinzelte. Dann kam er auf mich zu. Während er mir tief in die Augen schaute, legte er seine Hand auf meinen Bauch. Ehrfürchtig sah er mich an und stellte dann eine relativ vernünftige Frage: „Lucy.. Möchtest das Kind überhaupt bekommen?“ fragte er. Ich legte meine Hand auf seine. „Fragst.. Du mich gerade ob ich abtreiben will?“ Wollte ich zittrig wissen. Er sagte nichts, schaute mich nur so an. Ich war erst Zweiundzwanzig. Aber.. Ich blickte hinunter zu meinem Bauch. Ich war Schwanger. Mein kleines Baby war in meiner Gebärmutter und wuchs dort heran. Dieser Gedanke, diese Vorstellung wurde in meinem Kopf schnell zu einem Bild. Wie ich das kleine Baby im Arm hielt, Lane und Lucian beide an meiner Seite. Wir lächelten während wir Fiona ihr kleines Geschwisterchen zum ersten Mal vorstellten. Eine glückliche Familie. Dieses Bild wurde von einer Vorstellung immer mehr zu einem Wunsch. Als ich wieder zu Lane und Lucian blickte, bemerkte ich wie beide mich anschauten. Ich schüttelte langsam den Kopf. „Nein. Ich möchte es nicht abtreiben.“ Sagte ich.

Ab da lächelten beide. Ehe ich mich versah, war ich in einer Umarmung von beiden. Aufregung und Glück ging von ihnen aus. „Wegen der Windeln.. Was wenn das Baby  von dir ist? Naja, nicht das man es wirklich herausfinden kann..“ Sagte ich leise in Lucians Richtung, der nun genau wie Lane seine Hand auf meinen Bauch gelegt hatte. Selbst wenn man einen Vaterschaftstest machen würde, sie waren eineiige Zwillinge und sahen völlig gleich aus. Beide hatten die selben roten Augen und die selben langen schwarzen Haare mit diesen Strähnen die beiden ins Gesicht fielen. Alles an ihnen war äußerlich betrachtet identisch. Dann hatten sie bestimmt auch die selbe DNA.. Und der Test würde für beide identisch ausfallen.
„Das können wir schon.“ Antwortete Lucian, woraufhin Lane ergänzte: Wir sind Alpträume, Lucy. Und du neuerdings auch, vergiss das nicht. Das Kind wird ein Halbtraum sein, so wie du. Das heißt, unser Regelbuch Da Rules wird auftauchen und demjenigen von uns, der der Vater ist, in die Hand gedrückt werden.“
Das Verwirrte mich. „Warum nicht mir?“ wollte ich wissen. Beide sahen sich an. „Naja, du bist doch selbst noch nicht Ausgebildet. Wir beide aber schon. Ich bin sicher das sie dich trotzdem mit eintragen werden. Aber mach dir keinen zu großen Kopf. Das sind alles nur Formalitäten.“ Erklärte Lane. Er lächelte mich an. „Aber lasst uns lieber feiern, dass wir Eltern werden. Und du Lucy, kommst jetzt mit. Du musst frühstücken.“ Beschloss er und zog mich hinter sich her dir Wendeltreppe herunter, und in die große modern eingerichtete Küche. Der Tisch war bereits gedeckt, und Brötchen waren schon in einem Korb. Daneben stand eine Platte mit Wurst und Käse und in einem zweiten Korb waren Eier. Marmelade und Schokoaufstrich standen auch schon bereit. Und es duftete nach Kakao.

Bei dem ganzen Anblick bekam ich einen riesigen Hunger. Die Zwillinge waren ja bekannter maßen Frühaufsteher. Lane mehr als Lucian, aber trotzdem waren beide oft eher wach als der Rest der Familie. Die beiden hatten es sich jetzt schon seit ein paar Tagen zur Angewohnheit gemacht, den Tisch jeden morgen zu decken. Ich fiel erst einmal beiden um den Hals. „Danke!“ Sagte ich fröhlich. Beide lächelten. Gerade als beide gleichzeitig sagten: „Kein Problem.“ Ging die Haustür auf, und die Kälte kam bis in die Küche. Lane schaute um die Ecke, wo Vadean zusammen mit Fiona gerade herein kamen. Beide waren vermummt mit Winterklamotten und brachten eine menge Schnee mit herein. Während der Werwolf Vadean sich erst einmal den Mantel vorsichtig auszog, stürmte Fiona direkt in voller Montur zu uns und verteilte im ganzen Flur Schnee. „Daddy, Mama, Onkel Lu!! Wir haben Schokoladen Croissants vom Bäcker mitgebracht!“ rief sie fröhlich, aber etwas zu laut durch das ganze Haus. Trotzdem schmunzelte ich.
„Das ist großartig, Mäuschen. Bitte zieh dir trotzdem die Stiefel aus, bevor du durch das ganze Haus läufst. Guck mal, jetzt ist alles voller Schnee.“ Sagte Lane und zeigte zu Fionas Füßen.

Ich beobachtete, wie Fiona den Schnee bemerkte, und nur entsetzt „Oh nein!“ rief. Die kleine war in letzter Zeit unglaublich gewachsen, denn sie war eine Shift, was eine Spezies von Gestaltwandlern war. Sie wirkte Körperlich etwa wie ein Zwölfjähriges Mädchen, auch wenn sie in Wahrheit viel Jünger war. Denn sie war erst dieses Jahr als kleiner weißer Drachen aus einem Ei geschlüpft. Jetzt zog Fiona sich ihre Winter Sachen aus, woraufhin ihre Schneeweißen langen Haare und ihre Wolfsohren unter der Mütze zum Vorschein kamen. Die Jacke und die Schuhe zog sie ebenfalls aus. Dann rannte sie in die Küche und wollte sich auf ihren Platz setzen.
„Hände waschen nicht vergessen.“ Erinnerte Lucian sie. Da stand sie wieder auf und rannte in die Waschküche, die neben dem Wohnzimmer lag und wusch sich dort ihre Hände mit Seife.

Derweil war Vadean längst mit allem fertig und schlenderte entspannt an uns dreien vorbei in die Küche, wo er die Tüte mit den Croissants ablegte. Seine zotteligen braunen Haare hatte er in einem nachlässigen Zopf.
„Guten Morgen. Ihr drei wirkt heute besonders aufgekratzt. Ist was passiert?“ fragte er und drehte sich zu uns um. Wahrscheinlich war es auch nicht üblich, dass sowohl Lane, als auch Lucian und ich so früh morgens schon gute Laune hatten. Ich wedelte etwas nervös mit meinem Werwolfschwanz herum, ehe ich nickte.
„Wir werden Eltern.“ Sagte ich. Vadean hielt in der Bewegung inne und starrte mich an. „Eltern? Sagst du mir gerade, deine zwei lover boys haben dich geschwängert?“ fragte er noch einmal nach. Und ich nickte erneut.
„Jup. Einer von uns beiden wird Daddy.“ Sagte Lucian.
„Oder beide.“ Fügte Lane hinzu. Sein Bruder und ich schauten ihn nach dieser Aussage mit gerunzelter Stirn an. Was sollte das denn jetzt heißen? „Ähm.. Lane? Normalerweise kann eine Eizelle nur von einem Sperma befruchtet werden.“ Sagte ich skeptisch.

„Ich weiß. Aber Frauen, besonders Werwölfinnen, können doch mehrere Eizellen haben und in letzter Zeit haben wir ziemlich oft zu dritt..“
„Okay, das reicht. Ich möchte nicht wissen, was ihr miteinander treibt.“ Unterbrach Vadean ihn und hob seine Hand. Im selben Moment kam Fiona aus der Waschküche. Sie hatte sich die Hände extra gründlich gewaschen und setzte sich nun an ihren Platz am Tisch. Dort hüpfte sie auf und ab und wartete ungeduldig, dass wir alle ebenfalls zum Tisch kamen. Vadean nahm das als Anlass sich ebenfalls zu setzen.
Mein Vater und meine Schwester Keylin schienen aber noch nicht wach zu sein. Trotzdem setzte ich mich ebenfalls. Ich hielt es für besser, die beiden erst einmal schlafen zu lassen. Schließlich hatten sie in letzter Zeit genug durch gemacht.
Während meine Gedanken kurz abschweiften, setzten sich die Zwillingsbrüder ebenfalls an den Tisch und nahmen sich Frühstückseier und Brötchen.
Ich selbst goss mir als erstes Kakao ein. Da sagte Vadean: „Ich bin ja mal gespannt, wie dein Vater reagiert, Lucy…“

„Worauf soll ich reagieren?“ fragte plötzlich Daren Hawkon, der gerade die Wendeltreppe herunter kam. Ich blickte auf.

Spicy little NightmareWo Geschichten leben. Entdecke jetzt