Eine neue Waffe

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Als ich hoch in die Gesichter blickte, sah ich zwei Personen in weiß, sehr steril gekleidet, mit einer Schutzmaske, das mussten die Ärzte sein, die an mir rumgewerkelt haben. Die dritte Person jedoch, wie könnte ich sie auch vergessen, war mein Mentor und Ziehvater, nie würde ich seine Narbe über das linke Auge vergessen, zusammen mit seinem kleinen Ziegenbart. Er lächelte mich an und für einen kurzen Moment, waren alle Schmerzen wie weggeblasen. "Komm", sagte er "ich helfe dir auf." 

Sogleich merkte ich seine Hände an meinem Rücken, dir mir halfen mich aufzurichten. Die beiden Ärzte traten einen Schritt zurück, denn als ich an mir herunter sah, verfiel ich wieder in Panik. "Was ist das?!" schrie ich laut, "Was ist mit mir geschehen?" Voller Panik sah ich abwechselnd zu den Ärzten und wieder auf meinen Körper. Mein rechter Arm. Von meinem Ellenbogen an abwärts eine weiß-metallische Prothese. Meine Beine. Ich spürte einen Teil von ihnen, doch sowohl an den Ober- als auch an den Unterschenkel ebenfalls metallische Platten. Die kälte des Metalls drang tief in meine Beine ein, so als würden sie selbst meine Knochen ersetzen. Schweiß machte sich über meiner Stirn breit, als ich meinen Mentor hinter mir reden hörte: "Beruhige dich. Du wurdest übel zugerichtet. Wir sind froh, dass wir dich überhaupt retten konnten."

"Was ist geschehen?", fragte ich, während ich versuchte mich zu ihm zu drehen. "Du warst auf einem Einsatz in der Oberwelt. Du solltest einen Waffenlobbyisten ausschalten. Doch du hast versagt und wurdest geschnappt. Als wir dich gefunden haben, warst du kaum noch wieder zu erkennen. Dein rechter Arm war halb abgeschnitten, deine Beine sowie mehrere Rippen waren gebrochen. Deine Augen raus gerissen. Nachdem sie dich so zugerichtet hatten, warfen sie dich einen Müllschacht hinunter." Ich hielt meine beiden Arme vor mir und starrte in meine Handflächen: "Das kann nicht sein, ich habe noch nie versagt." Ich packte mit der rechten Hand nach dem Arm eines der Ärzte, ohne zu merken, dass ich ihm dabei fast die Knochen brach. "Was habt ihr mit mir gemacht? Und wie könnt ihr euch all das leisten?" 

Der Arzt verzog sein Gesicht voller schmerzen, als ich dies erkannte laste ich ihn los, daraufhin bekam ich erst eine Antwort. "Die bimechanischen Komponenten sind vom Kartell gesponsort. Wir haben ledeglich befehlte befolgt." Mein Blick schweifte zu meinem Bill, meinem Mentor. Als sich unsere Blicke trafen, entgegnete er mir: "Einer unserer Teams konnte einen Transportzug voller Geld highjacken, selbst dort waren die Verluste groß. Doch als unser Boss erfuhr, was mit dir geschehen ist, sah er es als wichtiger an, den Großteil des Geldes in dich fließen zu lassen. Du bist einfach zu wichtig für unsere Arbeit." So langsam beruhigte ich mich wieder, mein Blick schweifte wieder zu den Ärzten, "Also gut, sind den Prothesen nur Show oder können sie auch was?" 

"Na schön", antwortete mir einer, "fangen wir von unten an. Deine Beine sind ausgestattet mit titanlegierten Klingen. Sie können zum klettern, als auch zum töten eingesetzt werden. Der Zwischenraum sind mit Federn verkleidet, damit kräftigere Sprünge möglich sind und du auch aus größeren Höhen ohne weitere Schäden landen kannst." Mein Blick streifte über meine Beine während er fort fuhr: "Dein rechter Arm ist ausgestattet mit einer normalen und einer mini Schnittstelle, damit du dich in jedes uns bekannte System reinhacken kannst. Desweiteren befinden sich dort ein Dietrich sowie eine Klinge aus Titan dort, die ebenfalls zum töten und zum klettern genutzt werden kann. Deine Brust, dort haben wir ein Kühlungssystem angebracht, welches auch direkt mit deinem Herzen angeschlossen ist, dadurch wird verhindert, dass deine technischen Geräte überhitzen, sowie wird deine Körpertemperatur gesenkt, womit du auf Wärmebildkameras unsichtbar bist. Die offene stelle an deinem Nacken ist Angelpunkt und Entlüfter für all deine technischen Geräte. Deine Augen sind mit einer anpassbaren, neuronalen Netzhaut verbunden, das erlaubt dir jeden Netzhautscanner zu täuschen, sofern du deine Augen darauf anpassen kannst." Mein Blick wanderte irritert zu ihm: "Wie meinen sie das? Wie kann ich das machen?" "Keine Angst", entgegnete er mir, "sie müssen nur wissen welche Augen sie brauchen. Dafür müssten sie sie, im Optimalfall mit ihren eigenen Augen sehen, das Anpassen funktioniert im Unterbewusstsein. Außerdem sind sie mit einer Personen-ID ausgestattet, die direkt mit dem Hauptnetzwerk des Kartells zusammen hängt. Das erlaubt ihnen jede Person sofort zu identifizieren, die im Rechner vorhanden ist." Ich dachte kurz über seine Worte nach, dann wunderte ich mich, wieso ich keinen der beiden Ärzte scannen konnte. Mein blick wanderte zu Bill, auch ihn konnte ich nicht scannen. Ich wollte gerade meine Frage stellen, als Bill mir schon antwortete: "Wir sind nicht in dem Hauptnetzwerk gespeichert, damit nicht die Identität unserer Mitglieder preis gegen wird, sollte unser Netzwerk mal gehackt werden." "Jeder den sie nicht scannen können, ist entweder ein Kartell-Mitglied oder noch nicht im Verzeichnis registiert", ergänzte der Arzt, "deswegen würde ich mich nicht immer allzusehr darauf verlassen. Zu guter letzt haben wir einen kleinen Rechenchip direkt mit ihrem Gehirn verbunden. Das sorgt dafür, dass ihr Gehirn wesentlich schneller arbeitet, somit Reize besser verarbeitet werden können, was ihnen auch eine schnellere Reaktionsmöglichkeit gibt. Und das wichtigste, es sorgt dafür, dass sie all ihre Systeme ganz einfach Steuern können, indem sie einfach daran denken." 

Ich schaute ihn einen Moment lang verdutzt an, bevor ich den Selbstversuch startete. Also dachte ich daran, wie ich meine Klinge in meinem Arm ausfahren will, und siehe da, die Klinge sprang aus meinem Arm heraus. "Beeindruckend", staunte der zweite Arzt "ich habe schon viele solcher Operationen mit angesehen, doch noch nie habe ich jemanden gesehen, der so schnell lernt." "In der Tat, das ist bemerkenswert" antwortete der erste Arzt darauf hin wieder, "ach und es wäre besser, wenn du das hier anziehen würdest." Er reichte mir einen Anzug, welcher die selben Farben ausweist, wie meine Prothesen. Ich konnte deutlich sehen, wie Teile im Anzug fehlten, genau an den Stellen, an denen sie mich operiert hatten. "Der Anzug kann extremen Temperaturen für mindestens eine Stunde standhalten. Außerdem sieht dadurch nicht jeder, dass du Prothesen trägst, da sie förmlich mit dem Anzug verschmelzen." 

Ich nahm den Anzug entgegen und bedankte mich. "Komm jetzt, du solltest dich erstmal ausruhen" hörte ich meinen Mentor von hinten sagen. Er reichte mir eine Hand, um mir beim Aufstehen zu helfen. Ich ergriff sie leichter als den Arm des Arztes und stand von dem OP-Tisch auf. Als wir hinaus gingen blickte ich den kalten Stahlgebäuden nach oben Richtung Oberwelt. "Ich werde Rache üben" sagte ich in mich hinein, als wir in ein Auto stiegen, "denn ich bin eine neue Waffe."

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