Hinata war schon ein paar mal in Kageyamas Zimmer gewesen, meist um mit ihm für einen Test zu lernen, bei dem sie dann beide versagten oder um sich eine seiner zahlreichen Volleyballzeitschriften anzuschauen. Eigentlich hätte alles ganz normal ablaufen sollen, da sie beide müde genug waren, um sofort ins Bett zu fallen. Leider hatte Kageyama, aus reiner Gewohnheit heraus, einen schwerwiegenden Fehler begangen und den Lichtschalter betätigt. Hätte er das mal lieber gelassen.
In dem Moment, als sein eher spärlich eingerichtetes Zimmer von künstlichem Licht durchflutet wurde, fiel sein Augenmerk auf eine kleine, eher unauffällig aussehende Schachtel auf dem Nachttisch neben seinem Bett, bei der er sich hundertprozentig sicher war, dass sie sich am vorherigen Tag noch nicht dort befunden hatte. Aber ein kurzer Blick reichte ihm, um zu wissen, worum es sich handelte. Sein Puls beschleunigte sich mit einem mal auf das Doppelte und er bekam sofort schwitzige Hände. Es war ein Fehler gewesen, seinen Eltern in die Vorbereitung für die „Übernachtungsparty" einzuweihen. Er hätte sich selbst darum kümmern und seine Zimmertür anschließend fest verriegeln sollen.
Leider musste er feststellen, dass sein auffälliges Starren auch Hinatas Blick auf das unerwünschte Objekt geleitet hatte, der einen neugierigen und etwas verwirrten Eindruck machte. Was würde er jetzt von ihm denken? Er musste diese blöde Schachtel so schnell wie möglich loswerden, bevor Hinata anfing, unangenehme Fragen zu stellen.
Als Resultat einer Kurzschlussreaktion trieben ihn seine Beine in Richtung Nachttisch, von dem er sich die Packung schnappte, mit weniger als drei Schritten zum Fenster hetzte, selbiges aufriss und die Schachtel mit Schwung nach draußen beförderte, wo sie an einem Baum abprallte und schließlich auf dem benachbarten Grundstück liegenblieb. Er würde sich später eine Ausrede ausdenken, die rechtfertigte, warum er seinen Krempel in den Obstgarten seiner Nachbarn entsorgte. Hauptsache die blöde Schachtel war endlich aus seinem und Hinatas Blickfeld verschwunden.
Schwer atmend, als wäre er gerade zwanzig Runden ums Schulgebäude gerannt, drehte er sich schließlich zu Hinata um, der gekrümmt im Zimmer stand, sich eine Hand auf den Mund gepresst hatte und so wirkte, als würde er jeden Moment blau anlaufen und ersticken. Als wäre die Situation nicht schon peinlich genug.
„Hey, sag mal, machst du dich über mich lustig?", fuhr er Hinata an und bewegte sich mit dem bedrohlichsten Killerblick, den er aufbringen konnte, auf ihn zu, „Wenn du nicht sofort aufhörst zu kichern, fliegst du gleich hinterher. Ich meine es ernst!"
Hinata hob im nächsten Moment beschwichtigend die Arme in die Höhe und lächelte nervös, wurde aber gleich wieder von einem heftigen Lachanfall durchgeschüttelt und hielt sich den Bauch, während Kageyama dem Drang widerstand seinen Freund tatsächlich an die frische Luft zu setzen, einfach nur, um ihm nicht mehr in die Augen sehen zu müssen. Alle Anzeichen von Müdigkeit, die er vor ein paar Minuten gespürt hatte, waren wie weggeblasen.
„Sorry, aber ich hätte gar nicht gewusst, was in der Schachtel drin ist, wenn du nicht so überreagiert hättest. Ich find das nicht schlimm, ehrlich!", versuchte Hinata die Situation zu deeskalieren, als er sich wieder einigermaßen eingekriegt hatte und Kageyama wunderte sich nur, wie deutlich er ihn immer noch verstehen konnte, so laut wie das Blut in seinen Ohren rauschte. Er wollte gar nicht wissen, welchen Farbton sein Gesicht gerade angenommen hatte, aber gesund sah es bestimmt nicht aus.
„Die ist nicht von mir, die müssen meine Eltern dahin gelegt haben. Ich weiß davon nichts.", sagte er schließlich und im Nachhinein wäre es wohl sinnvoller gewesen, die Packung mit den Kondomen unauffällig in einer Schublade verschwinden lassen, anstatt sie aus dem Fenster zu schmeißen, aber Nachdenken war außerhalb von Volleyball noch nie sein Ding gewesen. Was hatten sich seine Eltern nur dabei gedacht? Wollten sie ihm einen Streich spielen und ihn absichtlich vor seinem Gast blamieren? Oder dachten sie vielleicht wirklich, dass er und Hinata...? Aber wie zur Hölle waren sie nur auf diese absurde Idee gekommen? Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr verwirrte es ihn. Er wollte nichts mehr davon hören.
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Der Gipfel der Peinlichkeit
FanfictionHinata übernachtet zum ersten mal bei Kageyama. Eigentlich kein Grund zur Aufregung, wäre da nicht dieses eine dumme Missverständnis, welches droht, die ganze Sache aus dem Ruder laufen zu lassen. Kagehina (!!), Crack und Fluff. Peinlichkeiten und...