„Okay Mum, denkst du mal bitte mit ob ich was vergessen habe? Ich hab Zahnputzzeug, dieses kleine Handtuch, meinen Kamm, meinen Schlafanzug, ein zweites Paar Socken, Hose, einen Huddie, frische Unterwäsche, ...", wenn meine Mutter wüsste, was für Unterwäsche ich anhabe, würde sie mich nie im Leben gehen lassen.
Diese rote Reizunterwäsche, die ich letztens gekauft habe. Die Spitze kratzt echt unerträglich, aber was tut man nicht alles für seine große Liebe? Unter dem gewobenen Stoff spickt meine Haut hindurch. Er wurde so verarbeitet, dass man die Erhebungen darunter gut erahnen kann. Jeder Hügel wirft Schatten. Man erkennt sogar mein eines Muttermal, das dezent auf der linken Seite haust. Man hätte jedes einzelne Härchen hindurch gesehen, wenn ich mich heute Morgen nicht frisch rasiert hätte. Hoffentlich Sind die Fasern nicht so saugfähig, wie sie aussehen. Denn sonst müsste ich später Angst haben, wenn ich sie sehe. Dann würde das Unterhöschen nach kurzer zu feucht werden. Wenn ich Emma sehe. Das schönste Mädchen der Welt! Für sie nehme ich liebend gerne diese Reizungen zwischen meinen Beinen in Kauf. Genauso, wie ich das Reiben an meinem Oberkörper für sie in Kauf nehme.
Ich betrachte mich nochmal im Spiegel. Die Scheibe ist in meinen Wandschrank eingearbeitet und reicht somit vom Boden bis knapp unter die Decke. Darin kann ich mich von allen Seiten mit kritischen Blicken mustern. Meinen Brüsten scheint es nicht zu gefallen, von so einem edel aussehenden Stoff unterstützt zu werden. Obwohl, unterstützt ist wahrscheinlich das falsche Wort. Sie werden eher ein bisschen gequetscht. Aber so sehen sie einfach besser aus, als mit einem langweiligen gewöhnlichen BH.
„T-Shirt?", hallt es von unten zu mir rauf.
„Bitte was?" Ich habe meine Mutter ganz vergessen.
„Hast du an ein frisches T-Shirt für morgen gedacht, Schnecke?"
„Ja, hab ich. Und nenn mich nicht Schnecke!", keife ich sie an.
Ich überblicke nochmal alle Sachen, die ich herausgesucht habe. Mein ganzes Bett liegt voll damit. Und das soll alles in meine kleine Sporttasche passen?
Manchmal - aber wirklich nur manchmal - beneide ich die Jungs. Ihnen kann es scheiß egal sein, wie sie am nächsten Morgen riechen oder wie sie aussehen. Sie können einfach in ihren Klamotten vom Vortag schlafen und die dann auch nach der Übernachtung anbehalten. Außerdem ist es für sie ganz normal, Mädchen heiß zu finden und sie müssen das nicht erst unter Scharm eingestehen und allen ihren Freunden, Verwandten und Jedem beichten. Ich will das auch. Dann bräuchte ich nicht diese riesige Tasche mit mir rumschleppen. Und auch diese Last, die seit einem guten Jahr auf meinen Schultern lastet, hätte nie existiert. Ich habe schlicht und ergreifend Angst vor meinem Outing. Es hat keinen Zweck, das abzustreiten. Es ist einfach so.
Mein Blick wandert weiter über die Gegenstände auf der Tagesdecke und bleibt an der uralten Isomatte hängen. Man sieht ihr ihr Alter an. Die vielen Flecken erzählen Geschichten von den Campingausflügen, die wir als Familie alle unternommen haben. Die Unterseite ist übersät mit Grasflecken. Der Schraubverschluss des Ventils hat einen gelben Farbspritzer bei der Streichaktion in meinem Zimmer abbekommen. Aber alles in allem ist sie noch gut in Takt für ihr Alter. Aber die Matte ruft mir in den Kopf, dass ich ja meinen Schlafsack noch mitnehmen könnte. Ich werde erst in ein paar Stunden wissen, dass ich ihn genauso gut hätte Zuhause lassen können.
- - -
„Ruhig Mum, so spät ist es ja noch nicht. Du musst hier keinen Weltrekord brechen.", beschwere ich mich, als wir in die Einfahrt meiner Freundin Anna einbiegen.
Ihr Haus steht etwas außerhalb. Deswegen kann man hier gut feiern und auch mal eine lange Party veranstalten, weil normalerweise nicht der verärgerte Nachbar aus der Wohnung darüber vor der Türe steht. Sie hat ihre Freunde eingeladen, heute bei ihr zu übernachten. Warum? Sie sagt sie weiß es nicht. Es ist ihr wohl einfach in den Sinn gekommen und sie hatte Lust darauf. Das kann mir ja eigentlich ziemlich egal sein, denn Emma ist auch dabei. Bei dem Gedanken an sie muss ich sofort wieder grinsen.
„Na worauf wartest du? Raus mit dir!", motivierte mich meine Mutter. Also stieg ich aus und klingelte etwas zu spät. Es dauerte einen Moment, doch dann konnte ich ein Donnern hören, das von schnellen Schritten auf der steinernen Treppe herrührte.
„Endlich! Wo warst du denn so lange? Es sind doch schon alle da. Okay, Paul fehlt noch aber das ist ja kein Wunder.", spuckte Anna atemlos hervor, nachdem sie mich vor ihrer Türe erblickte. Ich entgegnete nur mit einem leichten Grinsen als Entschuldigung.
„Ich wollte ohne hin gerade runtergehen und noch was zu Trinken mit nach Oben nehmen. Hilfst du mir schnell?", fragte sie hektisch und zog mich, ohne einen Blick auf das Auto hinter mir zu werfen, nach Nebenan in die Küche. Es war eine moderne Küche mit weiß glänzenden Schränken und einer Kochinsel. Eine Theke gab den Blick auf das weiträumige Esszimmer frei, das durch eine Schiebetür vom Wohnzimmer abgetrennt wurde.
Wir blieben vor einer großen Schranktür stehen, hinter der man eigentlich keinen Kühlschrank erwartete. Eilig wurden mir mehrere Flaschen Hugo in die Hand gedrückt. Dann lief Anna weiter zu einem Hängeschrank mit Milchglasfenstern und entnahm ihm sechs Gläser.
So bepackt setzten wir unseren Weg die Treppe hinauf fort. Den spärlich bedeuteten Gang bis zur letzten Tür auf der rechten Seite folgend. Die weiß gestrichene Zimmertüre war übersät mit Postkarten. Einmal hatte ich mir die Zeit genommen, einige davon zu lesen. Sie kamen eigentlich alle von ihrer Familie, die anscheinend bereits jeden erdenklichen Ort der Welt bereist haben.
Meine Freundin hat ein zweigeteiltes Zimmer. Im Vorraum ist gerade genügend Platz für einen Schreibtisch unter dem Fenster und einen Kleinen Schrank, in dem meines Wissens nach Bücher und Materialien für Schule und Sport untergebracht wurden.
Der hintere Teil wurde durch einen Durchgang mit einem bordeaux roten Vorhang vom vorderen abgetrennt. Anna schob den einfarbigen Stoff zur Seite und ich wurde von Nina, Tom und Emma mit Blicken durchbohrt. Als ich Emma in die Augen schaue, merke ich wie ich rot anlaufe.
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So, dieses mal habe ich genau 1.000 Wörter geschrieben. Ich hoffe die Lände gefällt euch. ^^
Keine Sorge, das Kapitel geht im nächsten Abschnitt weiter, aber dann aus der Sicht von Emma.
Tipps, konstruktive Kritik und Vorschläge zusammen mit Süßem gerne in den Kommentaren. ;3
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girl x girl
Short StoryZwei Mädchen, Lissy und Lynn, aber beide wollen die stärkere sein... Die beiden Schülerinnen stehen auf einander, aber trauen sich nicht wirklich, sich anzusprechen. Sie sehen sich aber nun mal jeden Tag in der Schule und bekommen bei jedem Blickkon...