29 | die Hamptons

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| Harry |

Zwischen New York und den Hamptons lagen gute zweieinhalb Stunden Autofahrt — inklusive der zwanzig Minuten, die ich mich verfahren hatte. Ich hatte das Strandhaus dort noch nicht lange und hatte tatsächlich die falsche Adresse eingegeben.

Die ganze Fahrt lang schwieg Emma. Nachdem ihre Wut langsam wieder abgeklungen war, schien sie schließlich bloß noch erschöpft zu sein. Der Ärger hatte sie müde werden lassen und das war ihr nun anzusehen. Mit geschlossenen Augen hatte sie ihren Kopf zur Seite fallen lassen.

Als sie sie wieder öffnete, waren wir schon fast da. „Wow", murmelte Emma beeindruckt. „Das hier steht Malibu ja in nichts nach."

„Du warst noch nie hier?", hörte ich mich erstaunt fragen, ehe ich mir innerlich direkt eine Ohrfeige verpasste. Ich hatte vor ein paar Stunden gesehen, woher Emma kam. Dass sie noch nie in einem Strandhaus in den Hamptons war, sollte mich nicht überraschen.

„Klar. Ein Mal im Jahr zum Familienurlaub", antwortete Emma schnippisch und hörbar gereizt.

„Sorry", ruderte ich zurück. „Ich hab nicht nachgedacht."

Wenn das Emmas Laune war und sie diese beibehalten wollte, dann sollten mir ziemlich lange Tage bevorstehen.

Ich befürchtete bereits das Schlimmste, als sie kommentarlos aus dem Wagen ausstieg, den Mann, der das Haus in der Zwischenzeit in Schuss gehalten hatte kaum grüßte und stattdessen mit ihren Taschen ins Haus stapfte.

In diesem Moment wäre ich selbst über einen Seitenhieb wegen der überteuerten Gegend und wegen des unnötigen Schnickschnacks dieses verdammt idyllischen, weiß gestrichenen Strandhauses froh gewesen.

„Emma?", hielt ich sie auf, ehe sie auch noch auf eigene Faust die Räume nach einem Rückzugsort durchforsten konnte. „Wenn du deine Ruhe willst, werde ich dich in Ruhe lassen. Aber bitte sei ehrlich und sag's mir, wenn du irgendwas brauchst."

Seufzend drehte sich Emma zu mir um.
„Es tut mir leid, Harry, aber heute werde ich wohl keine gute Gesellschaft mehr sein. Lass mir diesen Tag, um das alles sacken zu lassen. Morgen habe ich mich bestimmt wieder beruhigt."

Sie versuchte sich an einem schwachen Lächeln, welches ich umso zuversichtlicher erwiderte. Es war beruhigend, diese Worte aus ihrem Mund zu hören. Ich war erleichtert, dass sie nicht völlig ausgerastet ist, aber auch froh, dass sie sich die Zeit geben wollte, sich zu sortieren.

„Oben sind zwei Schlafzimmer mit eigenem kleinen Bad. Such dir einfach eins aus", sagte ich und nickte zur Treppe. „Alles andere kannst du dir morgen ansehen. Komm einfach zu mir, wenn du so weit bist und fühl dich ganz wie Zuhause."
 

Es dauerte ziemlich genau 24 Stunden bis Emma so weit war. Am Nachmittag des nächsten Tages trat sie in kurzer Sporthose und einem ausgeleierten T-Shirt hinaus auf die Veranda, die das Strandhaus umgab und sah sich suchend nach mir um.

„Ich bin hier", meldete ich mich von einem der weißen Holzstühle. Ich hatte mich mit Blick aufs Meer in den Schatten der Terrasse zurückgezogen.

Schnell kam Emma zu mir und ließ sich auf den Stuhl neben mir fallen.
„Wow. Mir fällt erst heute richtig auf, wie schön es hier ist. Ein richtiges Sommerhaus", seufzte sie. „Wenn ich du wäre, würde ich mich wohl für immer hierher zurückziehen."

Trinkgeld || h.s. ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt