| Emma |
Die Bilder meiner Einwegkamera plötzlich im Netz zu sehen, hatte mich härter getroffen als erwartet. Mit einem Mal wurde ich so rasend, dass ich all meine Prinzipien über Bord geworfen habe.
Nur wenige Stunden später wusste ich, wie sich Harrys Fans fühlen mussten. Ich hatte tatsächlich impulsiv versucht, ihn über Social Media zu erreichen und erlebte, wie aussichtlos das war. Ich hatte ihm einige gepfefferte Nachrichten zukommen lassen, obwohl ich ihn eine Minute zuvor noch blockiert hatte. Wie erwartet bekam er diese aber nicht zu lesen.
Seine Nummer hatte ich allerdings in meiner Wut schon vor einigen Wochen endgültig aus meinem Handy verbannt.
Eine Chance gab es jedoch noch. Ehe ich endgültig verzweifeln konnte, fiel mir ein, dass ich dafür eine andere Nummer hatte: Jeff hatte so verzweifelt versucht, mich nach meinem abrupten Abgang zu erreichen, dass seine Nummer zu Hauf auf meiner Mailbox war.
Über Jeff war Harry allemal zu erreichen. Zumal Harry bestimmt ohnehin von mir erreicht werden wollte.
Ich war mir immernoch sicher, dass er auch bei mir überprüfen, ob ich nach wie vor an ihm hing und von ihm abhängig war.
Sobald ich wieder in meinem Zimmer auf meinem Bett saß, tippte ich Jeffs Nummer. Ich hatte mir nicht zurecht gelegt, was ich ihm zu sagen hatte. Am Liebsten sollte er mich sofort zu Harry durchstellen, damit ich ein paar Takte mit ihm sprechen konnte.
„Ja?", meldete sich eine genervte Stimme, die ich eine ganze Weile nicht mehr gehört hatte.
Ich hatte Jeffs private Nummer erwischt, doch bei seinem Arbeitspensum war ich mir sicher, dass er selbst damit geschäftlich erreichbar war.
„Emma hier", meldete ich mich und klang mit Sicherheit noch genervter als er, was eine Kunst für sich war. „Ich hab Harrys Nummer verloren, kannst du mir die nochmal geben?"
Für einen kurzen Moment herrschte Stille in der Leitung.
„Bitte, wer ist da?", kam schließlich perplex die Nachfrage.
„Emma Reynolds", erklärte ich knapp. „Und enstprechend spreche ich von Harry Styles."
Endlich schien Jeff zu verstehen, auch wenn er sich wie immer nicht in die Karten schauen ließ und neutral klang.
„Achja, ich erinnere mich. Und ich hab' eine Ahnung, worum es geht", erwiderte er wissend. „Aber wie du dir vorstellen kannst, kann ich Harrys Nummer nicht einfach so rausgeben."
Unwillkürlich knirschte ich mit den Zähnen. Nach unserer gemeinsamen Vorgeschichte konnte es wohl nicht Jeffs Ernst sein, dass er sich nun weigerte, mir Harrys Kontaktdaten zu überlassen.
Ehe ich mich aufregen konnte, bot er mir die Alternative. „Ich kann dir aber anbieten, dass ich ihm ausrichte, dass er sich bei dir melden soll. Das wird er vermutlich sogar umgehend tun", erklärte sein Manager.
Nachdem ich so plötzlich hingeschmissen und Jeff sicherlich einige Nerven gekostet hatte, genoss er es nun hörbar, die Oberhand zu haben.
Den Gefallen, nun auch noch ausfallend zu werden, wollte ich ihm nicht tun. Er saß am längeren Hebel — das war uns beiden klar.
„Meinetwegen, dann sag ihm das", raunte ich ins Telefon und hatte eine Sekunde später schon aufgelegt. Länger hätte ich nicht an mich halten können und hätte ihm vermutlich ordentlich die Meinung gegeigt.
Müde ließ ich mich rücklings auf meine Matratze fallen, als mein Handy wenige Minuten später bereits wieder klingelte. Dass Harry tatsächlich so schnell reagieren würde, hatte ich nicht kommen sehen. Trotzdem nahm ich den Anruf schnell entgegen. Ich wollte noch in meiner Wut sein und davon Gebrauch machen, wenn wir uns streiten.
Anstatt Harrys hörte ich jedoch eine tiefe Frauenstimme.
„Lincoln Hospital. Spreche ich mit Emma Reynolds?", erkundigte sich diese.
Sofort sackte ich etwas zusammen.
Krankenhäuser rufen niemals unerwartet an und überbringen dann gute Nachrichten. Schon gar nicht das Lincoln Hospital — das lag in der Bronx.
DU LIEST GERADE
Trinkgeld || h.s. ✓
Fiksi Penggemar»Mein ganzes Leben besteht aus Erwartungen! Nicht aus meinen Eigenen, ich erwarte längst nichts mehr von mir. Aber jeder Andere sieht mich an und glaubt zu wissen, was er von mir verlangen kann. Du denkst vielleicht, es wäre schlimm, dass die Leute...
