| Emma |
„Das kannst du vergessen, Harry", wiederholte ich mich zum gefühlt hundertsten Mal. „Ich hab' das zig Mal erlebt. Du bist locker vier Monate zu spät dran."
Während ich noch im Bett lag, lief Harry, sein Handy am Ohr, durch den Raum.
Wieder hob er nur einhaltend die Hand und schien Jessica endlich ans Telefon bekommen zu haben. „Hast du meine Nachricht bekommen? Ganz genau. Ja. Ja. Korrekt. Ich weiß", hörte ich ihn sagen. „Genau. Im Maélys. Und erwähne gerne, dass ich schon letztes Jahr da war. Sie werden sich an die gratis Werbeaktion dank Emmas Trinkgeld schon noch daran erinnern. Ich danke dir, gib mir dann Bescheid."
Schon legte er wieder auf und grinste mich stolz an. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Reservierung durchgehen wird."
„Klar. Und zwar, weil sie jetzt irgendeinem armen Paar, das sich schon lange vor dir und in weiser Voraussicht um einen Tisch gekümmert hat, absagen werden."
„Vielleicht stellen sie auch einfach einen Tisch dazu", entgegnete Harry wohlwissend, dass das nicht der Fall sein wird und grinste mich an. „Hin und wieder muss man seinen Namen eben doch ausnutzen. Es gibt keinen besseren Ort, an dem wir uns von diesem Jahr verabschieden könnten."
„Da bist du dir etwas sicherer als ich", raunte ich zurück. Ich mochte den Gedanken, mit Harry wieder zurück ins Maélys zu kehren und dort einen Abend zu verbringen. Immerhin hatte dort alles begonnen. Andererseits kannte sie diesen Laden nur zu gut.
Allerdings waren dort auch noch eine Menge anderer Erinnerungen und Menschen, die ich nur zu gut kannte. Allen voran waren da Eric und George, denen ich ungerne in dieser Konstellation begegnen wollte. Ich wusste, wie die Gäste im Maélys waren und wie sie vom Personal wahrgenommen wurden. Ich wollte bei besten Willen nicht selbst einer davon werden.
„Du musst doch kein schlechtes Gewissen haben, nur weil du dort nicht mehr arbeitest. Du kannst mit Stolz dahingehen. Du hast in diesem Jahr eine Menge geschafft", redete Harry auf mich ein und setzte sich wieder zu mir aufs Bett. „Und ehrlich gesagt — diesem Eric gegenüber musst du gleich gar kein schlechtes Gewissen haben. Er nutzt jede Chance, um irgendwie zu Aufmerksamkeit zu kommen. Er hat Christopher gegenüber ohne mit der Wimper zu zucken über dich ausgepackt. Würde sich ihm eine Gelegenheit bieten, an einem dieser Tische im Restaurant Platz zu nehmen, würde er die Chance auf der Stelle nutzen."
„Ich weiß", seufzte ich. Eric hatte gute Seiten und ich mochte ihn. Sein Verlangen nach Aufmerksamkeit und der Wunsch nach dem großen Durchbruch standen ihm jedoch im Weg.
Zwar hatte Eric niemals ein Geheimnis daraus gemacht und mir offen erzählt, dass er im Restaurant mit einem Mann über mich gesprochen hatte, doch wie sehr er dabei ins Detail gegangen war, hatte er nicht erwähnt.
Als Harry und ich jedoch endlich über dieses gesamte Missverständnis zwischen uns gesprochen hatten, hatte ich die Notizen zu Gesicht bekommen. Eric hatte nichts ausgespart. Ganz im Gegenteil, er hatte sogar noch etwas dazugemacht und meiner Vergangenheit nicht nur Armut, sondern auch Kriminalität angedichtet.
Und als wäre das noch nicht genug, hatte er das Ganze noch gekrönt, indem er auf Social Media publik gemacht hatte, dass ich diejenige war, die auf den geleakten, privaten Bildern der Fan-Edition zu sehen war. Ich war seine Fotografin, also musste das noch lange nichts heißen, doch er hatte die Gerüchteküche bewusst angeheizt.
Im Grunde hatte er jede Chance genutzt, um meine Privatsphäre zu verletzen und sich selbst auf irgendeine Art relevant zu machen.
„Es ist trotzdem ein komisches Gefühl", räumte ich nur knapp ein.
In diesem Moment leuchtete Harrys Handy erneut auf.
„Wie erwartet. Es hat geklappt. Nun liegt es bei dir. Willst du hingehen oder sollen wir umplanen?"
Seufzend sah ich ihn an. „Ich glaube, ich will dorthin."
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Trinkgeld || h.s. ✓
Fanfiction»Mein ganzes Leben besteht aus Erwartungen! Nicht aus meinen Eigenen, ich erwarte längst nichts mehr von mir. Aber jeder Andere sieht mich an und glaubt zu wissen, was er von mir verlangen kann. Du denkst vielleicht, es wäre schlimm, dass die Leute...
