Kapitel 15

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Mein Bruder schaffte es auch an diesem Morgen wieder, mich auf seine ganz eigene Art zu wecken.

Nicht besonders sanft.

Er sprang einfach so lange auf meinem Bett herum, bis ich irgendwann die Augen aufriss.

„Endlich bist du wach!", rief er. „Komm, wir müssen los die anderen warten!" „Jaja... ist ja gut", murmelte ich verschlafen und setzte mich auf.

Wir machten uns schnell fertig, schlichen uns aus dem Haus und holten unterwegs noch Jojo ab. Gemeinsam fuhren wir zur Wiese am Fluss, wo bereits einige der anderen warteten.

Als schließlich alle da waren, setzten wir uns in Bewegung. Zum Teufelstopf.

Schon von Weitem sahen wir die Unbesiegbaren Sieger.

„Na, was ist? Fangen wir an?", rief Michi uns entgegen.

Leon antwortete sofort: „Und ob wir das tun. Los, bringt eure Räder weg!"

Wir stellten sie am Rand ab, zogen unsere Jacken aus  doch die Unbesiegbaren Sieger legten einfach schon los.

Und so begann die erste Halbzeit. Und wir... wurden überrannt.

Sofort wurde klar, dass die Unbesiegbaren Sieger brutal spielten.
Sie rempelten.
Sie schubsten.
Sie spielten uns auseinander.

Ich rannte, so schnell ich konnte, doch der Ball kam kaum zu uns.
Ein Tor.
Noch eins.
Und noch eins.

Markus fluchte im Tor.
Leon brüllte Kommandos.
Ich bekam einmal den Ball, wurde sofort von zwei Gegenspielern gestoppt und ging zu Boden.

„Steh auf!", rief einer von ihnen.

Ich biss die Zähne zusammen und stand wieder auf.

Ich gehe hier nicht runter, schwor ich mir.

Zur Halbzeit standen wir schlecht da.
Viel zu schlecht.

Ich kniete im Staub, die Hände auf den Oberschenkeln, und versuchte ruhig zu atmen.
Ich sah zu Markus er nickte mir zu.
Dieses Wir schaffen das-Nicken.

Zur Halbzeit stand es 8:0 für den dicken Michi.

Ein Schlag ins Gesicht.

Während des Spiels war Raban verschwunden um Willi zu holen laut Vanessa.

Als wir vom Feld kamen, kümmerten wir uns sofort um unsere Schrammen und blutigen Stellen.

„Na, ihr Superprofis", rief Michi spöttisch. „Machen wir weiter? Oder gebt ihr schon auf?"

„Wir denken gar nicht daran", kam es plötzlich von Raban. „Darf ich euch Willi vorstellen? Den besten Trainer der Welt."

Ich sah auf und tatsächlich.

Willi war da.

Und allein seine Anwesenheit veränderte etwas.

Er baute uns auf, sprach ruhig, aber bestimmt, erklärte uns, wie wir spielen mussten.

Er redete nicht lange.
Aber er sagte etwas, das bei mir hängen blieb:
Dass Fußball kein Spiel für Einzelkämpfer ist.

Als die zweite Halbzeit begann, fühlte es sich anders an.

Innerhalb kürzester Zeit kämpften wir uns zurück.

8:1... 8:3... 8:6...

Bis es schließlich 8:9 stand.

Wir waren zurück im Spiel. Doch dann... änderte sich etwas.

Leon fing an, allein zu spielen. Zu viel Ehrgeiz. Zu viel Ego. Er wollte den Sieg unbedingt selbst holen. Und genau das nutzten die Gegner aus.

9:9.

Alles wieder offen. Die Spannung war kaum auszuhalten. Dann kam der Moment.

Raban bekam den Ball. Und obwohl er wusste, dass es sein schwächerer Fuß war... schoss er.

Der Ball flog. Und traf.

Tor.

Für einen Moment war alles still. Dann brach der Jubel aus. Wir hatten gewonnen.

Ich konnte es kaum glauben.

Doch während alle feierten, blieb einer still.

Leon.

Man sah ihm an, dass er selbst dieses Tor hatte schießen wollen.

Und dass es ausgerechnet Raban war – der Junge, den er aus dem Team geworfen hatte –, machte es nur noch schwerer.

Willi ging zu ihm.

Sie redeten leise miteinander.

Ich konnte nicht hören, was gesagt wurde, aber es reichte.

Nach einer Weile kam Leon zurück zu uns.

Direkt auf Raban zu.

Er entschuldigte sich bei Raban. Einfach. Ehrlich. Und das war vielleicht wichtiger als jedes Tor.

Ich sah mich um. Zu meinem Bruder. Zu Vanessa. Zu den anderen.

Und mir wurde klar:

Wir waren nicht nur ein Team geworden. Wir waren zusammengewachsen.

Und ich wusste... das nächste Abenteuer ließ nicht lange auf sich warten.

Die Wilden Kerle und Markus ZwillingsschwesterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt