Eine halbe Stunde und zwei Schmerztabletten später, hinkte ich mit meiner Krücke zurück ins Wartezimmer, wo Silvan zu meiner Verwunderung aber nicht anzutreffen war. Endlich war auch mir mal ein bisschen Glück gegönnt.
Mir kam der Gedanke, mit dem verbundenen Fußknöchel und der Krücke durch den See zu schwimmen, aber als ich dann mühsam die Tür öffnete und hinaus in die Sonne trat, wurde mir dieser Einfall sofort wieder mies gemacht.
Er stand vor mir an sein Auto gelehnt, unterhielt sich dabei amüsiert mit der Blondine aus dem Wartezimmer und schaute nicht einmal zu mir herüber, als ich fast noch samt Krücke beim Laufen ins Gebüsch gefallen wäre. Mit letzter Kraft hielt ich mich auf den Beinen und humpelte zu ihnen herüber. Ich kam mir dabei so schäbig vor, unterdrückte aber alle meine Gefühle und wollte nur weg von hier und alleine sein.
»Da bist du ja endlich«, meinte er lächelnd und hob belustigt eine Augenbraue an, während ich schnaufend und schwitzend vor Anstrengung genau vor ihnen stehenblieb.
Die Blondine musterte mich nur von oben herab und strahlte anschließend wieder Silvan an, während sie ihre langen Haare verspielt über ihre Schulter warf. Sie dachte wohl, sie würde dabei anmutig aussehen, sah mit ihrem blauen Kleid aber eher aus wie Schlumpfine bei Wish bestellt.
Bitch ...
Das Stehen wurde langsam anstrengend, aber wenn er der Meinung war, ich würde ihn darum bitten, mich zu ihm zu fahren, hatte er sich getäuscht. Dafür hatte ich viel zu viel Stolz in mir.
»Man sieht sich«, zischte ich durch meine zusammengebissenen Zähne hindurch und wandte mich zu meiner Seite, denn ich wusste ganz genau, was er mit der Frau neben sich bezwecken wollte.
Innerlich lachte ich beim Gedanken daran auf, dass er mich tatsächlich eifersüchtig machen wollte und egal ob meine Hand vom Krücken laufen schon leicht wehtat und zitterte, lief ich erhobenen Hauptes an den beiden vorbei in die Richtung, in der ich sein Haus vermutete.
»Soll ich dich nicht lieber fahren?«, wollte er wissen und am liebsten hätte ich ihm die scheiß Krücke auf den Kopf gehauen, oder besser noch der Schlumpfine, denn als ich mich flüchtig zu ihnen herumdrehte, sah ich sie schon fast sabbernd in seinen schwarzen, verwuschelten Haaren herumspielen.
»Ich laufe lieber!«, gab ich wütend von diesem Anblick von mir und drehte mich dann wieder zur Straße herum, um humpelnd wie Quasimodo meinen Gang der Peinlichkeit fortzuführen.
Hoffentlich würde ein LKW kommen und mich von meinem Leiden erlösen ...
Mein Fuß pochte trotz Schmerzmittel und diese blöde Krücke half mir auch kaum beim Laufen, aber das hielt mich von meinem Vorhaben nicht ab.
»Ich fahre sie nach Hause, dann können wir etwas essen gehen«, hörte ich seine Stimme erneut hinter mir und ehe ich den nächsten Hüpfer machen konnte, hatte er mich schon mit Leichtigkeit auf seine Arme gehoben und zur hinteren Tür seines Autos befördert.
Er nickte der Blondine zu, die dann vorne Platz nahm und obwohl ich nicht eifersüchtig sein wollte, hoffte ich, sie würde sich in eine der Glasscherben setzen.
Arrogante Ziege!
Ich wurde unsanft von ihm auf die Rückbank des Wagens befördert und zu allem Überfluss schmiss mir meine Krücke auch noch nach, um anschließend die Tür fest zuzuschmeißen.
»So«, meinte er dann, als er vorne einstieg und sofort lächelte Schlumpfine ihn verliebt an. Wie billig!
Der Motor startete, der Wagen setzte sich in Bewegung und ich betete nur noch dafür, schnell wieder aussteigen zu können, doch zu meinem Pech, fingen die beiden echt noch an sich zu unterhalten, was die Zeit nur noch langsamer vergehen ließ.
»Sobald ich den Pflegefall abgegeben habe, fahren wir direkt los, okay?«, wandte er sich nach einer Weile zu ihr und sie lachte darüber nur dämlich und nickte dann vor sich hin.
»Der Pflegefall findet, dass du ruhig etwas schneller fahren könntest!«
Am besten direkt gegen einen Baum!
Er schaute mir mit einem amüsierten Grinsen im Rückspiegel entgegen und ich hasste es zwar, musste aber zugeben, dass es mich wirklich rasend machte, mir vorzustellen, dass die beiden gleich alleine irgendwo essen gehen würden.
Dieses verdammte Wolfssein!
Erkannte meine innere Wölfin denn nicht, was für ein arroganter Idiot er war? Das würde sogar ein Blinder mit Krückstock erkennen.
Als mein Blick nach meinem dämlichen Gedanken auf meine Krücke fiel, musste ich über meinen eigenen Witz auflachen, woraufhin die beiden mich nur fragend musterten.
»Ist sie nicht ganz richtig?«, flüsterte die Schlumpfine zu Silvan und sofort verstummte mein Lachen.
»Was hast du gesagt?«, fragte ich sie aufgebracht und lehnte mich ein Stück nach vorne, um hasserfüllt ihr hässliches Seitenprofil zu betrachten.
»Du hast mich schon verstanden!«, grinste sie überlegen nach hinten und als ich daraufhin wütend an ihren Haaren reißen wollte, bremste Silvan aber so ruckartig ab, dass ich mit meinem Gesicht mit voller Wucht an seinen Sitz knallte.
Mein Kopf dröhnte von dem Aufprall und sofort fasste ich mir an meine Stirn, um mich mit geschlossenen Augen nach hinten fallen zu lassen.
Ich bekam überhaupt nicht mehr mit, dass wir schon da waren und auch nicht, dass er ausgestiegen war. Erst, als er meine Tür öffnete, machte ich meine Augen wieder auf und betrachtete das mir bekannte Haus hinter ihm.
»Schaffst du das alleine?«, wollte er wissen und ohne ihm eine Antwort zu geben, schnappte ich meine Krücke und stieg dann eilig aus, um ihm voraus humpelnd zur Haustür zu laufen.
»Das war Absicht, oder?«
Als er die Haustür aufschloss, schaute ich ihn wütend an, doch er schüttelte nur unschuldig den Kopf.
»Nein, war aus Versehen«, grinste er dämlich und fuhr sich dabei mit einer Hand durch die Haare, um danach die Tür leicht aufzustoßen.
Ehe ich aber stinksauer ins Haus eintrat, schob ich meine Krücke hinterlistig genau zwischen seine Füße und hob sie dann mit voller Kraft hoch, was ihn aufstöhnen und sofort zur Seite umkippen ließ.
»Oh, das tut mir aber leid! War aus Versehen«, gab ich genervt von mir, trat daraufhin ins Haus ein und knallte dann noch die Tür laut hinter mir zu.
Was für ein scheiß Tag!
Wie du mir, so ich dir!
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Die Arroganz des Wolfes
Lobisomem- Abgeschlossen - Werwolf | Drama - 2. Platz in Fantasy beim Night Sky Award _____ Eine Brücke trennt sie, doch der Alpha will Jade um jeden Preis. _____ Seit dem Verschwinden ihrer Eltern wohnt Jadelyn mit ihrem großen Bruder Devin in Tilimto un...
