Kapitel 1

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„Und schon wieder", sagt der Direktor entnervt und guckt mich an, als wäre ich der Grund all seiner Sorgen und vielleicht bin ich zumindest für ein paar verantwortlich. „Du hast zum wiederholten Male einen deiner Mitschüler geschlagen, hast dich der Lehrkraft widersetzt und beteiligst dich nicht einmal am Unterricht. Es scheint, als würde es dich nicht im Geringsten interessieren, du hast schlechte Noten Obwohl du Brilliant bist. Wenn du Probleme hast, kannst du kannst du mir das sagen und ich könnte versuchen dir zu helfen.", fügt er hinzu und das ist der Moment, wo ich hier rausmuss. Sonst würde ich hier nichts mehr als Schutt und Asche hinterlassen. Der Direktor hat Recht, ich habe einen Mitschüler geschlagen. Um genau zu sein Ashley Greyford. Dieses Mädchen ist eine Tyrannin und liebt es andere psychisch und physisch zu zerstören. Sie kommt bis jetzt mit allem davon, weil ihre reichen Eltern, die Schule mit Geld versorgen und den Schulleiter bestechen. Ashley hat es auf mich abgesehen, seit ich auf diese Schule gewechselt bin, da ich intelligenter bin als sie, oft dunkle Kleindung trage und mit meinen schwarzen Haaren und Augen, die eine Mischung aus Rot und einem Hauch schwarz sind, das perfekte Ziel abgebe. Zumal es niemanden hier an der Schule gibt, den es interessieren würde, wenn sie mir etwas antut. Bis heute habe ich es meistens geschafft sie zu ignoriere, heute jedoch hatte Ashley mich im falschen Moment erwischt. Ich war den ganzen Tag über schon schlecht gelaunt gewesen, als sie mich mit drei ihrer Freunde hinter dem Schulgebäude abfing, ich ihr bösartiges Lächeln sah und sie einen ihrer Freunde vorschickte, um mich so zuzurichten das ich ihr nicht mehr in die Quere kam, hatte es mir gereicht. Am Ende lag sie vor Angst zitternd vor mir. Ich werde aus meinen Gedanken gerissen als die Tür aufgeht und meine Lehrerin mit einer immer noch aufgelösten Ashley im Arm hereinkommt. Langsam stehe ich auf und gehe in Richtung Tür. Der Direktor, steht alarmiert auf, aber ich ignoriere ihn und gehe in Richtung Ashley. Unsere Blicke treffen sich und ihre Augen weiten sich vor Panik. „Ihre..ihre..Augen", stammelt sie mit bebender Stimme. Eine Eigenschaft habe ich schon immer zu schätzen gewusst. Meine Augen wechseln innerhalb eines Wimpernschlags die Farbe zu tiefschwarz. Früher, als ich es noch nicht kontrollieren konnte, passierte es in Situationen in dehne ich Wütend war und heute kann ich es Kontrollieren und schüchtere Menschen damit ein. Ashley zittert und meine Lehrerin zieht sie von mir weg und wirft mir einen bösen Blick zu. „Wir sind noch nicht fertig Kaja, merk dir das. An meiner Schule wird so ein Verhalten nicht geduldet.", ruft mir der Direktor nach, doch ich bin schon im Treppenhaus. Ein Lehrer der grade Aufsicht hat ruft mir irgendwas hinterher, aber ich höre nichts mehr, weil ich meine Kopfhörer aufgesetzt habe. In dem Moment, in dem die Musik erklingt, fühle ich mich besser. Ich nehme nicht war, wohin ich laufe. Ich nehme die Leute um mich herum nich war. Mein Handy vibriert in meiner Tasche und ich ziehe es heraus und sehe das meine Mutter mir geschrieben hat. "Kannst du für Tomas Bier mitbringen?", steht dort und ich spüre Wut in mir aufsteigen. Tomas war der Name des Arschlochs, das seit längerem bei uns wohnt. Er sitzt den ganzen Tag nur auf dem Sofa, kommandiert meine Mutter herum oder verspielt unser Geld beim Pokern. Als wäre das nicht schlimm genug, ist meine Mutter wegen ihm abhängig geworden. Tomas hat oft schlechte Laune, die er dann an ihr auslässt, sie anschreit oder schlägt. Mich hat er bisher nie geschlagen nur angeschrien und meinen Bruder auch nicht, was allerdings auch schwer ist, da er sich kaum zuhause blicken lässt. Ich sehe mich um und stelle fest das ich in der Nähe unserer Wohnung bin. Zwei Ecken weiter ist ein Kiosk, wo ich das Bier kaufen kann. Mein Blick ist starr gradeaus gerichtet, bis ich am Kiosk ankomme. Ich weiß genau wo das Bier steht was Tomas immer trinkt, jedoch bin ich für einen Moment versucht, ihm ein anderes mitzubringen, eines was er verabscheut. Das würde allerdings nicht zu seiner guten Laue beitragen. Das Bier ist kalt und Wasser kondensiert sofort an den Flaschen, als ich das Sixpack Bier aus der Kühlung nehme. Der Typ an der Kasse ist neu. Hoffentlich macht der keine Probleme. Er mustert mich prüfend, als ich das Bier vor ihm abstelle. „Hast du ein Problem?", fauche ich, was vielleicht nicht die best Idee ist. Der Typ ignoriert mich, und starrt weiter. Na gut, denke ich, dann mache ich das eben auch. Er hat dunkelblondes Haar, dass zerzaust von seinem Kopf absteht. Sein Gesicht ist leicht rundlich und seine grünen Augen passen meines Erachtens nicht zu ihm. Das blaue Poloshirt ist zerknittert, seine Hose ebenfalls. „Ich brauche deinen Ausweis.", sagt er. Ich tue so, als würde ich in meiner Tasche nach dem Ausweis suchen, zucke dann ratlos mit den Schultern und sage zuckersüß:„Tut mir leid, den habe ich wohl zuhause liegen gelassen.". Der Typ zieht eine Augenbraue hoch, tippt jedoch etwas in die Kasse und nennt mir den Preis. Ich schiebe ihm das Geld hin, greife nach dem Bier, drehe mich um und gehe Richtung Tür. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie er mich beobachte, jedoch ignoriere ich ihn. Der Laden sieht genauso aus wie immer. Genauso dreckig, wie immer. Genauso kalt, wie immer. Genau dieselben Leute, wie immer. Genau dieselben Sachen, wie immer. Alles ist wie immer. Nichts hat sich verändert und alles ist genauso geblieben, wie beim ersten Mal als Clariss, so heißt meine Mutter, und ich, den Laden betreten haben. Die einzigen die sich verändert haben, sind Clariss und ich. Damals war noch alles gut. Sie kümmerte sich alleine um mich und Bennet, meinen zwei Jahre älteren Bruder. Wir hatten nie viel Geld aber genug zum Leben und wir hatten uns, das reichte. Natürliche gab manchmal Probleme, aber die lösten wir gemeinsam. Dann vor vier Jahren, als Bennet und ich 13 und 15 Jahre alt waren, brachte Clariss zum ersten Mal Tomas mitbrachte. Er schien nett und freundlich zu sein, meine Mutter verliebte sich in ihn und nach ein paar Monaten zog er ein. Und dann langsam, zeigte er, wie er wirklich war. Es fing mit einfachen Streitereien, wegen Kleinigkeiten an. Dann wurden die ersten Tassen geworfen, sich gegenseitig angeschrien, schlaflose Nächte, die wir mit weinen verbrachten. Und so änderte sich alles, bis es so war wie heute. Ich kam an der Bushaltestelle vorbei, an der nachts immer Betrunkene schliefen. Von hier kann ich das Haus sehen, in dem wir wohnen. Die meisten Fenster sind trüb und die Fassade grau. Früher war sie mal weiß gewesen. Als ich versuche, die Tür aufzuschließen klemmt der Schlüssel mal wieder und ich trete dagegen damit sie aufgeht. Im Treppenhaus richt es nach Zigarettenrauch und von irgendwo hört man ein Kind weinen. Langsam steige ich die Stufen zu der Wohnung hoch. Das Sixpack Bier fühlt sich schwerer an als vorhin. Vor der Wohnungstür stoppe ich, halte kurze inne, schließe dann jedoch auf.

Falling hopeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt