Kapitel 3

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Meine Schritte sind langsam, da mein Oberkörper zu sehr schmerzt um schneller zu laufen und die Sporttasche macht es nicht besser. Die Straße ist spärlich beleuchtet, was in einem unsicheren Stadtviertel nicht von Vorteil ist, vorallem wenn man als eine Frau, nachts alleine herumläuft. Ich versuche nicht daran zu denken was mir alles passieren kann und versuche etwas schneller zu laufen. Der Vorteil von schwarzer Kleidung ist, dass man praktisch mit den Schatten verschmilzt, weshalb ich mich, so gut es geht, von dem Licht der noch funktionierenden Straßenlaternen, verhalte. Das Industrieviertel ist zu meinem Glück nicht allzu weit entfernt von unserer Wohnung. Meine gesamten Sinne sind geschärft und ich achte deshalb auf jedes Geräusch. Die Straßen sind verlassen, was mich etwas beruhigt. Früher als ich klein war, hatte ich panische Angst im Dunkeln und konnte nur mit einem Nachtlicht einschlafen. Ich fürchtete mich nicht davor, alleine im Dunkeln zu sein, sonder davor dass irgendetwas in der Dunkeltheit auf mich wartete und mich dann zu verschlingen.
Ich bin mittlerweile am Ende der Straße angelangt. Jetzt muss ich nur noch zwei Straßen weiter, dann beginnt dort das Industrieviertel. Es ist wie ein Labyrint wenn man sich dort nicht auskennt, wenn doch, ist es das perfekte Versteck.
Ich laufe einfach weiter. Setzte einen Fuß vor den anderen, nur nicht stehenbleiben. Mit der Zeit versinken ich in errinerungen. Meine Mutter läuft mit mir und meinem Bruder durch den Park. Sie hat ihr Lieblingskleid an und trägt die Haare hochgesteckt. Ihre Wangen sind leicht gerötet und ihre Lippen sind zu einem Lächeln verzogen. Ich bin ganz aufgeregt weil meine Mutter mir und Bennet ein Eis versprochen hat. Neben uns spielt ein Mann mit seinem Hund. Er wirft einen Ball ganz weit und dann rasst der Hund hinter, schnappt sich den Ball und bringt ihm dem Mann. Der Hund ist sehr groß, weshalb ich mich ängstlich an meine Mutter klammere. Sie folgt meinem Blick und lacht und sagt, daß ich mich nicht vor dem Hund fürchten brauche. Mein Bruder wird ungeduldig und zieht an ihrer Hand, damit wir endlich weitergehen und er sein Eis bekommt. Ich gucke ihn böse an, versuche mir nicht anmerken zu lassen das mir der Hund immer noch Angst macht, damit wir weitergehen und mein Bruder nicht böse auf mich ist. Wir laufen weiter und ich sehe den bunten Eiswagen mit dem freundlichen Eisverkäufer den ich so gerne mag, weil er immer alle so nett anlächelt und an dem was man ihm erzählt interresiert ist. Mein Bruder zieht nun so sehr das wir anfangen schneller zu gehen und ich fast gestolpert wäre. Als wir am Wagen ankommen hibble ich genau wie Bennet herum vor Vorfreude. Der Eisverkäufer sieht uns und lächelt und fragt was wie haben wollen. Bennet stellt sich auf die Zehenspitzen und später durch das Glas zu all den köstlichen Eissorten. Ich bin nich zu klein um von unten etwas zu sehen, weshalb mich meine Mutter hochhebt, und ich alles sehen kann. Mein Bruder will Schokoladeneis, wie immer. Ich bin mir nicht sicher was ich nehmen soll. Entweder Schokolade oder Erdbeere. Unentschlossen runzele ich meine Stirn und überlege. Meine Mutter fragt was ich haben möchte und ich antworte schnell Schokoladeneis. Sie lächelt, bezahlt, nimmt das Eis und gibt es uns. Ich strahle breit, genau wie meine Bruder, der natürlich direkt anfängt das Eis zu essen und sich dabei bekleckert, jedochbemerkt er das garnicht und isst seelenruhig weiter. Ich ignoriere ihn und laufe einfach schon mal weiter. Plötzlich stolpere ich über einen Stein den ich nicht gesehen habe, falle hin, obendrein fällt mein Eis runter. Tränen laufen über meine Wangen. Meine Mutter versucht mich zu trösten, aber die Tränen laufen ohne halt, als Bennet vor mich tritt und mir sein Eis hinfällt. Ich verstehe er st nicht was er meint, aber er sagt, ich solle seins nehmen. Ich nehme zögerlich sein Eis und lächle ihn an.
Ich bin mittlerweile am Rand des Industrieviertels angekommen. Das Problem ist, dass hier keine Laternen mehr stehen, da die Stadt meinte, das hier niemand mehr Arbeitet und keiner wohnt oder spazieren geht, weshalb sie auch keine Laternen mehr dort bräuchten. Sie haben dabei natürlich nicht an arme Mädchen gedacht, die mitten in der Nacht von Zuhause abhaut. Ich nehme eine Taschenlampe aus der Sporttasche und leuchte in die dunkle Straße vor mir. Ein kleiner Schauer überhäuft mich bei dem Gedanken, alleine dort rumzulaufen und auch zu schlafen, aber ich reiße mich zusammen, denke daran was mein Stiefvater heute getan hat, straffe meine Schultern und lange entschlossen in die Dunkelheit. Was ich nicht bedacht habe, ist, daß es nachts im dunklen, schwerer ist sich zu orientieren und sich nicht zu verlaufen, vorallem da hier allein gleich aussieht. Die Gebäude und Hallen sie grau, schmutzig, aus Beton sowie teils eingeworfen Fenster. Hier und da liegt Schutt, von teils schon verfallenen Gebäuden oder Bierflaschen. Ich nehme an sie sind von Jugendlichen die hier gefeiert haben oder von Obdachlosen die hier herumstreunen.
Ich nehme plötzlich eine Bewegung aus dem Augenwinkel war. Mein Kopf zuckt zur Seite und ich sehe, eine Gestalt mit blonden Haaren und einem blauen Poloshirt um die Ecke einer Halle verschwinden. Ein Schauer durchläuft mich. Die Gestalt kommt mir bekannt vor. Der Typ aus dem Kiosk hatte genau so eine Haarfarbe und so ein Poloshirt an. Wut steigt ihn mir auf. Verfolgt er mich etwa? Er hat mich im Laden ja schon so komisch angestarrt. Oh nein, den lasse ich nicht so einfach davon kommen. Trotz meines schmerzenden Oberkörper, beginne ich schneller zu laufen, was in eine Art rennen übergeht. Allerdings behindert mich die Seitlich hängende Sporttasche ziemlich, weshalb ich sie auf den Rücken schiebe. Ich habe die Ecke erreicht, hinter der er verschwunden ist und laufe in der Erwartung ihn dahinter vorzufinden, um die Ecke, jedoch steht dort niemand. Verwirrt sehe ich mich um. Habe ich mich doch getäuscht und da war niemand? Nein, nein ich bin mir sicher. Da war jemand. Ich leuchte sicherheitshalber mit der Taschenlampe die Straße hinauf und erhasche grade noch, wie die Gestalt hinter einem Anderen Gebäude verschwindet. Wütent setzte ich mich in Bewegung und folge ihr.

Falling hopeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt