„Die Liebe ist stärker als der Tod, aber die Angst ist stärker als die Liebe." (Lauren Oliver)
Die Straßenlaternen tauchten die Straßen und Gassen in ein unheimliches, flackerndes Licht. Die Schatten der Bäume tanzten gespenstisch im Wind, während Sarah und Tim, beide Anfang zwanzig und voller jugendlicher Unbekümmertheit, nach einem ruhigen Plätzchen für ihre Zweisamkeit suchten. Die Nacht war sternenklar und still, nur das gelegentliche Rascheln der Blätter und das entfernte Heulen eines Hundes durchbrach die Stille.
Während die beiden stadtauswärts fuhren, knisterte das Autoradio und eine Nachrichtensprecherin berichtete von einem entflohenen Sträfling, der als äußerst gefährlich eingestuft wurde. Tim lachte laut auf. „Na, wer hat's denn eilig?", scherzte er und schaltete das Radio ab. Sarah lächelte nervös, doch ihre Gedanken schienen noch immer bei der Meldung zu sein.
Die Straßen wurden einsamer und dunkler, je weiter sie fuhren. Schließlich fanden sie einen ruhigen Waldweg, der von hohen, dichten Bäumen gesäumt war. Tim stellte den Wagen ab und das Paar machte es sich auf der Rückbank bequem. Ihre Küsse begannen zart, wurden zunehmend leidenschaftlicher, doch plötzlich unterbrach ein leises Kratzen die Zweisamkeit. „Nur ein Tier", beruhigte Tim Sarah und zog sie wieder zu sich. Doch das Geräusch kam erneut, diesmal deutlicher und näher. Sarah begann zu zittern und ihre Augen suchten verängstigt die Dunkelheit ab. „Ich glaube, wir sollten fahren", flüsterte sie mit zittriger Stimme.
Tim grinste überheblich und strich ihr beruhigend über die Wange. „Mach dir keine Sorgen, Schatz. Es ist alles in Ordnung! Wenn es dich beruhigt, schau ich mal nach." Ehe Sarah ihn aufhalten konnte, war er schon ausgestiegen und verschwand im Dunkel des Waldes.
Die Zeit verstrich quälend langsam. Zehn Minuten vergingen, dann fünfzehn. Sarah wurde unruhig. Was, wenn ihm etwas zugestoßen war? Sie wollte gerade aussteigen, um ihn zu suchen, als ein schauriges Kratzen auf dem Autodach ihr Blut in den Adern gefrieren ließ. Es klang, als würde jemand mit einer Hand verzweifelt über das Metall kratzen. In ihrer Vorstellung sah sie den flüchtigen Sträfling vor sich, wie er auf dem Dach kroch um sie sich zu schnappen!
Mit einem Ruck setzte sie sich ans Steuer und startete den Motor. Die Reifen quietschten und schlitterten auf dem feuchten Untergrund, als sie das Auto aus dem dunklen Wald manövrierte. Mit wild klopfendem Herzen raste sie zur nächsten Polizeistation.
Die Polizisten hörten Sarahs Geschichte mit gespannten Gesichtern. Als sie mit ihr zum Tatort zurückkehrten, stießen sie auf einen grausigen Anblick: Tims leblose Körper baumelte kopfüber von einem Baum, seine Händ hingen herab, sodass sie geradeso über das Autodach hatten kratzen können.
Die Ermittlungen ergaben, dass der flüchtige Sträfling Tim offenbar überrascht und ihn an den Baum gefesselt hatte. Das Geräusch, das Sarah so erschreckt hatte, war der letzte verzweifelte Versuch ihres Freundes, auf sich aufmerksam zu machen.
Die Nachricht von dem tragischen Vorfall erschütterte die kleine Gemeinde. Sarah war am Boden zerstört. Sie konnte nicht verstehen, warum aus einem romantischen Ausflug ein solcher Albtraum geworden war. Die Erinnerung an das kratzende Geräusch auf dem Autodach würde sie für immer verfolgen.
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Schauergeschichten (Creepypasta)
HorrorSo langsam neigt sich der Sommer zu Ende und die Tage werden kürzer. Für mich ist das die Zeit, in der ich mich gerne ein bisschen gruseln möchte. Dir geht es genauso? Dann hab ich etwas für dich: Eine Sammlung an gruseligen Schauergeschichten! Perf...