Kapitel 3

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Der Tag war der totale Horror. Ich habe jetzt Mittagspause und fühle mich einfach nur richtig mies. In den fünf Stunden, die ich noch Unterricht hatte, hat mich weiterhin niemand beachtet. Ich habe mich zwar direkt nach hinten auf einen Einzelplatz gesetzt, doch trotzdem habe ich das Missachten gespürt. Leslie hat sich nicht bei mir gemeldet, was mich noch viel mehr kränkt. Anstatt also in die Pausenhalle zu gehen, wo ich ja sowieso unerwünscht wäre, mache ich mich auf den Weg zu Leslies Schließfach, um sie dort abzufangen. Tatsächlich treffe ich sie dort, sie steht mit dem Rücken zu mir. Erleichtert will ich ihr gerade auf die Schulter tippen, da dreht sie sich schon um. Ihr kalter Blick, mit dem sie mich mustert, lässt mich zusammenzucken.

„Leslie... Ich..." stottere ich. „Skye", unterbricht sie mich, „ich weißt nicht, ob ich deine Anwesenheit jetzt gerade wirklich ertrage. Vielleicht solltest du besser gehen." Mir schießen Tränen in die Augen. „Aber Les, ich brauche dich!" flehe ich. „Ha!" erwidert sie. „Jason brauchtest du ja anscheinend auch nicht mehr. Du bist bei mir unten durch, Skye! Seh es einfach ein." „Was hat Jason denn bitte damit zu tun? Ich habe ihn heute noch gar nicht gesehen." „Das ist nicht dein Ernst, oder?" Mit ehrlichem Entsetzen mustert Leslie mich. Plötzlich scheint irgendetwas in ihr die Geduld zu verlieren. Sowas sieht man als beste Freundin einfach, wenn dieser eine Punkt erreicht ist. „Weißt du eigentlich, wie enttäuscht ich von dir bin? Kannst du dir auch nur annähernd vorstellen, wie sehr du mich entsetzt, wie sehr du mich angewidert hast?!" schreit sie, schon fast verzweifelt. „Und jetzt tauchst du hier auf und erzählst mir einen von du brauchst mich? Du kannst mich mal! Das war's. Aus. Ende. Ich kenne dich nicht mehr, Skye Penhallow. Und ruf mich auch bitte nicht mehr an."

Sie will an mir vorbei gehen, doch ich stelle mich ihr in den Weg, wohlwissend wie leichtsinnig das ist. Müde guckt sie mich an. Eine kleine Träne entflieht dem See in ihrem Auge. „Leslie, hör mir nur bitte kurz zu." sage ich ruhig. Auch ich habe Tränen in den Augen, denn wenn sie jetzt geht, weiß ich nicht, wie es weiter gehen soll. Wie geht man damit um, wenn man plötzlich von der ganzen Schule grundlos gehasst wird? Oder... wenn man sich zumindest an nichts erinnern kann, was der Anlass dafür gewesen sein könnte? Genau das sage ich zu Leslie, woraufhin sie mich schweigend anguckt. Lahme Ausrede, sagt ihr Blick. „Bitte... Du musst mir glauben! Ich weiß nicht, wieso alle mich hassen. Ich habe ehrlich keine Ahnung!" „Du weißt also nicht... was am Wochenende passiert ist? Du kannst dich an gar nichts mehr erinnern?" hakt sie nach. Über das Wochenende habe ich noch gar nicht nach gedacht. Ich versuche mich zu erinnern, doch da ist nichts. Nur eine große Lücke in meinen Erinnerungen. „Nein, an gar nichts." antworte ich. Sie überlegt einen Moment bis sie schließlich tief Luft holt und sagt: „Ich treffe mich heute mit Brian, aber wenn er heute Abend weg ist, kannst du vorbeikommen und wir können reden." „In Ordnung. Danke." murmle ich nur, denn nach diesen Worten wendet sie sich schließlich ab und geht. 

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⏰ Letzte Aktualisierung: Aug 26, 2015 ⏰

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