Célina
Mein Herz schlug unruhig, ein stummer, pochendes Echo zu dem Durcheinander, das das sonst so stille Anwesen der de Mancini erfüllte. Von meinem Platz auf dem Bett aus, in dem Gästezimmer, in das Madam Mancini mich eingewiesen hatte, hörte ich das Kommen und Gehen. Die Angestellten huschten wie aufgescheuchte Ameisen durch den Flur, ihre Stimmen ein gedämpftes Gemurmel, das von den hohen Wänden verschluckt wurde. Jeder Handgriff schien von äußerster Dringlichkeit, jede Bewegung dem einen Ziel untergeordnet: alles für morgen bereitzumachen. Für meine Hochzeit. Für meine Vermählung mit Danilo Alessandro de Mancini.
Mein Blick wanderte unweigerlich zu ihm, dem Zentrum dieses ganzen Trubels: meinem Hochzeitskleid. Es hing an einer Stange vor dem großen Fenster, ein Monument aus Elfenbeinweiß und Spitze. Gestern hatte die Schneiderin es gebracht, ehrfürchtig, als überreiche sie eine Reliquie. Und in gewisser Weise war es das auch. Ein Prinzessinnenkleid, wie aus einem Märchen. Das figurbetonte Oberteil, reich besetzt mit zarter Spitze, betonte die Taille. Lange, transparente Ärmel aus derselben Spitze würden meine Arme umhüllen, ein herzförmiger Ausschnitt mein Dekolleté freigeben. Jede einzelne der unzähligen Perlen und jedes Stück des funkelnden Glitzers schien im letzten Licht der untergehenden Sonne zu flackern. Der Rock, voluminös und in weichen Falten fallend, versprach, mich in eine Wolke aus Stoff zu hüllen.
Ich stand auf, getrieben von einer mir selbst unerklärlichen Neugier. Meine Füße sanken in den dicken Teppich, als ich auf die Erscheinung in Weiß zuging. Langsam, fast zögerlich, streckte ich die Hand aus und fuhr mit den Fingerspitzen über den Stoff des Rocks. Er fühlte sich rau und kratzig an unter meiner Haut, überraschend unangenehm. Ein Kleid für eine Märchenprinzessin, das sich anfühlte wie eine Rüstung.
Vor ein paar Wochen noch hätte ich jeden ausgelacht, der mir prophezeit hätte, dass ich einmal Frau de Mancini werden würde. Die Frau des berühmten, von allen begehrten Danilo Alessandro de Mancini. Unvorstellbar. Und doch war es jetzt, am Vorabend dieser Wirklichkeit, so real wie der kratzende Stoff unter meinen Fingern. Was sollte ich darüber denken? Eine Mischung aus ungläubigem Staunen und einer tiefsitzenden, beklemmenden Angst lag wie ein Schleier über mir, undurchdringlicher als der aus Spitze, der auf mich wartete.
Mit einem Seufzer wandte ich mich ab. Die Einsamkeit in diesem sterilen Zimmer drohte mich zu erdrücken. Vielleicht tat ein wenig Gesellschaft gut. Seit unserer Rückfahrt von Mailand vor ein paar Tagen hatte ich Danilo nicht mehr gesehen. An jenem Tag hatte er mich am Anwesen abgesetzt, einen flüchtigen, distanzierten Kuss auf meine Lippen gedrückt und war sofort wieder verschwunden – ein dringender Anruf, der seine Anwesenheit erforderte, hatte ihn weggerissen. Seitdem herrschte Funkstille.
Meine Freunde, meine eigentliche Stütze, waren vor etwa einer Stunde in Italien angekommen. Doch auch hier hatte Madam Mancini ihre Hand im Spiel. Sie waren nicht zu mir aufs Anwesen gekommen, nein, sie waren in einem Hotel untergebracht worden, das den Mancinis gehörte. Es diene zu ihrem eigenen Wohle, hatte sie mit jener undurchdringlichen Miene erklärt, die keine Widerrede duldete. Ich verstand es nicht. Ich hätte sie so nötig gebraucht in dieser Nacht, ihre aufmunternden Worte, ihr Lachen, das mir die Angst hätte nehmen können. Stattdessen war ich allein.
Ich verließ das Zimmer und schlenderte die großen, hellen Korridore entlang. Die Angestellten, die mir begegneten, wirkten gehetzt, ihre Gesichter waren von Stress gezeichnet. Ein aufkeimendes Mitleid stieg in mir auf. Immer wieder blieben sie stehen, verbeugten sich leicht und grüßten mich mit einem „Guten Abend, Donna Mancini". Ihr Englisch war gebrochen, der italienische Akzent ließ jede Silbe wie Musik klingen. Doch der Titel, den sie mir gaben, fühlte sich fremd und falsch an, wie ein Kleid, das man mir übergestülpt hatte.
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Dark Obsession
RomanceAlt: Tesoro Neu: Dark Obsession DARK ROMANCE: Diese Geschichte enthält gewalttätige und sexuelle Handlungen, sowie toxische Beziehungen! ~ Célinas Leben nimmt eine plötzliche, dramatische Wendung, als sie sich mit einem Mann kreuzt, der in Mafia-Kr...
