Am Donnerstag überkommt mich auf dem Heimweg das Gefühl unbedingt etwas schokoladiges zu mir nehmen zu wollen. Irgendwie könnte man mich schon Schokoladensüchtig nennen. Es ist nicht so, dass ich nicht ohne diese Leckerei leben könnte, aber sie macht mich glücklich. Wieso also auf etwas verzichten, dass mich glücklich macht? Und zwar in jeder Situation. Dafür gehe ich sogar freiwillig eine Runde joggen und ich hasse joggen. Laufeinheiten waren auch schon immer im Fußballtraining nicht gerade meine liebsten gewesen. Aber deswegen auf die Schokolade verzichten? Niemals! Wie gut also für mich und meine kleine große Leidenschaft, dass sich in London an jeder Ecke ein Starbucks befindet.
Schnell gebe ich meine Bestellung, einen Schokofrappuchino auf. Wenigstens musste ich heute nicht ewig warten, wie es sonst so üblich in diesen Läden ist. Während ich ungeduldig warte, wippe ich auf meinen Füßen im Takt zu der Musik aus meinem Handy vor und zurück. Musik, noch so eine Sache die bei mir gute Laune und Lebensfreude hervorrufen kann. Endlich wird meine Bestellung ausgerufen. Mit einem breiten Grinsen greife ich mir mein Getränk, bedanke mich und drehe mich mit Schwung um.
Dabei krache ich in jemanden hinein und gleichzeitig rutschen mir meine Kopfhörer aus meinen Ohren. Verdammt, vor einer Sekunde stand dort noch niemand! Davon bin ich zu 1000% überzeugt! Und zu meinem Entsetzen befindet sich auch nicht mehr viel in meinem Becher. Jetzt würde bestimmt erst mal eine Schimpfparade auf mich einprasseln. Ich mache mich innerlich schon einmal bereit gleich im Boden verschwinden zu wollen.
Vorsichtig schaue ich zu der Person nach oben. Wirklich erkennen kann ich diese allerdings nicht, da diese die Kapuze des Pullovers tief ins Gesicht gezogen hat und zusätzlich noch eine Sonnenbrille trägt. Sag mal was hat der vor? Will derjenige eine Bank ausrauben oder sogar hier den Starbucks ausräumen? Bitte nicht die zweite Variante! Ich bin zwar schon immer ein Adrenalinjunkie gewesen aber sowas müsste ich dann doch nicht miterleben! Keine normale Person läuft doch hier so rum, vor allem da sich die Sonne hinter einer extrem dicken Wolkendecke versteckt.
Plötzlich fängt die Person mir gegenüber an zu Lachen. Ich bin verwirrt! „Sag mal, irgendwie hast du ein Talent, Leuten dein Getränk über die Kleidung zu schütten, oder?" Ziemlich verwundert schaue ich ihn an. Das kann doch nicht wahr sein, oder? „Aber hab ich dir eigentlich irgendetwas getan, dass sowas jetzt schon das zweite Mal innerhalb in einer Woche passiert?" Er bekommt sich kaum noch ein und das was ich von seinem Gesicht erkennen kann, ist schon verdächtig rot. Aber auch ich spüre, dass die Hitze in mein Gesicht steigt. Ich bin bestimmt genauso rot wie er und dies nicht wegen eines Lachkrampfes. Beschämt kommen die Erinnerungen vom Wochenende hoch. „Naja, ich dachte halt, wenn man schon versucht möglichst unerkannt durch die Gegend zu laufen, dann macht es ein Schokofleck auf dem Oberteil noch authentischer." Oh Gott, hatte ich das gerade wirklich gesagt? Kann ich nicht einmal meine große Klappe halten? Ich sollte mich glücklich schätzen, dass er mich noch nicht einen Kopf kürzer gemacht hatte. Doch er schaut mich weiter nur mit einem breiten Grinsen an. „Wie wäre es wenn du dir noch einmal ein neues Getränk holst und wir uns dann gemeinsam dort drüben hin setzten? Irgendwie bin ich ziemlich neugierig auf die Person, die es schafft innerhalb einer Woche zweimal mein Oberteil zu versauen und dies ohne das ich sie darum gebeten habe" erwartungsvoll schaut er mich bei dieser Frage an. Seine Augen blitzten dabei hinter seiner Sonnenbrille freudig auf.
Wollte ich wirklich? Jetzt da ich wusste wer er ist? Er ist ein internationaler Superstar und ich hatte eigentlich keine Lust morgen in irgendwelchen Klatschmagazinen abgedruckt zu sein und anschließend Haternachrichten zu bekommen. Ich kann mir irgendwie genau vorstellen wie das ablaufen könnte und das wollte ich auf keinen Fall. Aber irgendwie war es schon witzig, dass wir uns in dieser kurzen Zeit wiederholt über den Weg gerannt sind, wenn auch nur durch mein Talent einfach mal total tollpatschig durch die Gegend zu laufen. Und vielleicht war er ja ganz nett und man kann sich mit ihm gut unterhalten. Ein Versuch ist es doch wert, oder? Da gab es sowieso diese eine Sache die mich ein wenig interessierte. Blieben die Prominenten die ungefähr in meinem Alter sind wirklich am Boden der Tatsachen oder begannen sie abzuheben? Vielleicht konnte ich ihm ja ein bisschen auf dem Zahn fühlen. Notfalls, falls er mir doch zu abgehoben sein sollte, könnte ich ihm immer noch den Rücken zudrehen, durch die Tür dieses Ladens gehen und ihn sehr wahrscheinlich nie wieder sehen. Das Positive mit dem Negativen abwiegend, merke ich wie mein Kopf von selbst nickt und ihm damit zustimmt.
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Leave it, love it or change it [Pausiert]
FanfictionEigentlich sollte London ein Neustart für Leonie sein. Obwohl Neustart ist wohl zuviel gesagt. Sie wollte einfach noch mal raus und nicht im Arbeitsalltag verrotten. Und am Ende ist es eben Englands Hauptstadt geworden. Da wollte sie sowieso schon i...