1. Kapitel - Freitag, 19. April

641 11 3
                                    

„Eins-Zwei-Cha-cha-cha...", hallte Marcos Stimme durch das Zimmer. Leichtfertig folgte ich den Anweisungen. Ich ignorierte geflissentlich den Schmerz in meinem rechten Knie, der sich langsam wieder bemerkbar machte. Seit ich einmal meine Bänder überdehnt hatte, kam er immer wieder. Dann war das Lied vorüber. Ich ließ erleichtert Lukas' Hand los und lief hinüber zu Tamara. „Du bist dran, Süße. Ich kann nicht mehr.", seufzend ließ ich mich neben ihr auf den Tisch sinken. „Nein, Lukas ist dein Tanzpartner. Ich sitze liebend gerne hier. Wirklich!", protestierte sie. „Keine Wiederrede!", meinte ich nur energisch und sah grinsend zu, wie sie aufstand und zu Lukas hinüber ging. Während die Anderen weitertanzten lehnte ich mich zufrieden zurück und beobachtete sie alle. Deshalb bemerkte ich es sofort, als Herr Wörner die Treppe hochkam. Ein Typ kam neben ihm die Treppe hoch, aber ich sah nicht genauer hin, mein Blick wanderte zurück zu den tanzenden Paaren, bis sich die Beiden neben mich stellten. „Hallo", war meine besonders intelligente Begrüßung. „Hi.", meinte der Typ, der mit Herr Wörner gekommen war lässig. „Hallo. Würdest du mir bitte verraten, welchen Kurs ihr gerade habt.", fragte Herr Wörner. „F-Kurs." „Und du hast keinen Tanzpartner?", fragte der Typ interessiert. „Doch schon, aber den hab ich im Moment an meine Freundin abgetreten, damit die auch mal zum tanzen kommt." Ich grinste ihn leicht an. „Na wir wollen doch nicht, dass du nicht genügend tanzt. Ich glaub ich könnte aushelfen.", meinte er süffisant grinsend. „Bei so einem Angebot kann ich doch nicht nein sagen.", erwiderte ich in exakt demselben Tonfall. Mir war in der Zwischenzeit längst klar, wen ich vor mir hatte. Ich war erst gestern mit Tamara in Rubinrot gewesen.

Er nahm meine Hand und zog mich vom Tisch. Als ich meine Hand auf seinen Arm legte lächelte er. „Ich bin übrigens Jannis." „Ich bin Jana." Während wir tanzten unterhielten wir uns wunderbar und ich war richtig traurig, als das Lied vorbei war. Glücklicherweise kündigte Marco schon den nächsten Tanz an. „Noch 'ne Runde?", fragte Jannis. „Was für eine Frage, natürlich!", antwortete ich grinsend. Irgendwie wirkte er erleichtert. „Musst du nicht weiter?", fragte ich und deutete mit dem Kinn auf Herrn Wörner. Jannis grinste nur. „Der muss jetzt leider warten." „Was machst du eigentlich hier?", fragte ich und hätte mir im nächsten Moment am liebsten auf die Zunge gebissen. Das hörte sich so an, als ob ich ihn wieder loswerden wollte(was definitiv NICHT der Fall war). Doch er schien es gar nicht bemerkt zu haben und zuckte lediglich mit den Schultern. „Ich weiß nich. Mich hat es einfach mal interessiert, was Lehrer alles so machen, und da dacht ich mir, dass ich das doch einfach mal ausprobieren könnte." „Ich glaub ich bin froh, dass dich das interessiert hat.", meinte ich leicht verlegen. „Ja, ich mich auch. Vor allem, da ich mir eine Klasse aussuchen darf, die ich begleite, dass ich möglichst viele Lehrer kennenlerne. Also jetzt nur mal so am Rande. In welche klasse gehst du denn?" Ich grinste und meine Wangen liefen leicht rot an. „9a."

„Okay, Schluss für heute.", rief Marco. „Bleibst du noch?", fragte Jannis. „Würd ich gerne, aber ich muss mit dem Bus nach Hause.", ich drehte mich zu Bennet um. „Hey Bennet, wann fährt denn der nächste Bus nach Ebnat?" Bennet sah mich fragend an. „Der nächste und letzte in 5 Minuten. Warum?" „Egal, hat sich eh erledigt.", seufzte ich resigniert. „Ebnat?", fragte Jannis mich. „Ja. Ebnat!", erwiderte ich bissig, da ich einen Witz über Dorftrottel erwartete. „Hey, Keep cool. Ich hab mir in Ebnat vorrübergehend ne Wohnung gemietet, was heißt, dass ich dich nach Hause fahren könnte.", er hob die Hände um mich zu beschwichtigen. „Im Ernst, das wär echt cool. Ich bleibe gerne."

Herr Wörner zeigte Jannis noch das restliche Schulgebäude, doch ich hatte das Gefühl dass er mehr damit beschäftigt war, zu versuchen mich unbemerkt zu beobachten(was ihm nicht gelang), als zuzuhören. Endlich verabschiedeten sich die Beiden und wie brachen endlich in mein wohlverdientes Wochenende auf, welches jedoch nicht ganz so erholsam werden würde, wie erhofft.

Perfect?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt