L U C E
"Meine kleine Wölfin." Ich höre Dads Stimme noch bevor ich ihn sehe und sie verleitet mich dazu meinen Gang zu verlangsamen. Wahrscheinlich sollte ich jetzt ganz aufgekratzt sein und ihm in die Arme fallen, schließlich habe ich ihn seit Monaten nicht gesehen, aber mein verrücktes Gehirn weigert sich das zu tun. Keine Ahnung warum, aber so ist es nun mal. Das Ding da oben funktioniert nun mal nicht so wie es sollte.
"Hey Dad, gut dass du wieder da bist." Ich ringe mir ein mildes Lächeln ab und versuche halbwegs aufgeregt zu klingen, versage aber kläglich. Ich schiebe die Hände in die Hosentaschen und bewege mein Körpergewicht von einem Fuß auf den anderen, während mein Blick rastlos durch den Raum wandert, überall hin nur nicht zu Dad.
"Luce", zischt meine Mom, "reiß dich zusammen und mach jetzt nicht einen auf bockig."
Wenn Blicke töten könnten... Ich würde definitiv nicht mehr auf dieser Erde verweilen.
"Sorry.", nuschle ich in meinen nicht existenten Bart. Um das angespannte Schweigen zu brechen, sage ich: "Ich hab die Zwillinge abgeholt, wie du wolltest, Mom."
"Du hast Luce bei dem Wetter die Kleinen abholen lassen, Melissa? Das hätte ich doch jetzt mit dem Auto machen können." Dad klingt überrascht und wendet sich seiner Frau zu, die nur die Augen verdreht.
"Du bist gerade erst von einer anstrengenden Reise zurückgekommen und sollst dich entspannen. Außerdem hat Luce das doch gerne gemacht, nicht wahr Süße?
Selbstverständlich, es ist mein größter Traum für meine nervigen Geschwister Babysitter zu spielen, anstatt Zeit mit meinen Freunden zu verbringen, wie jeder normaler Teenager.
Anstatt ihr das an den Kopf zu werfen nicke ich bloß. Ich will jetzt nicht mit Mom diskutieren, wobei das sowieso unmöglich ist. Die Frau lässt sich einfach nicht von ihrer Meinung abbringen, selbst wenn man einwandfrei bewiesen hat, dass sie im Unrecht ist. Diese gottverdammte Sturheit hatte ich jedenfalls nicht geerbt, dafür aber mein liebenswerter Bruder. Mit zwei solcher Menschen zusammenzuleben war nicht gerade ein Zuckerschlecken.
"Ist Devon schon da?", fragt Mom mich und ich muss mir ein Grinsen verkneifen, als ich daran denke in welcher Situation mein Bruder steckt.
"Ja, er ist oben.", antworte ich unschuldig. Das wird lustig.
"Devon, komm runter, deinen Vater begrüßen!", ruft Mom die Treppen hoch und ich höre dumpfe Geräusche von oben. Kurz darauf kommt mein Bruder mit gehetztem Gesichtsausdruck die Treppen runter gepoltert.
Leicht aus der Puste steht er dann neben mir und bringt ein "Hey, Dad." heraus, dass eben so begeistert klingt wie meines vorhin.
"Na Großer." Dad lacht, sieht bewusst über seine nicht existente Begeisterung hinweg und zieht Devon in eine einarmige, typisch männliche Umarmung. "Alles gut bei dir? Du siehst gestresst aus?"
"Ja, alles super. Das Training war nur anstrengend." Klar, das Training ist schuld...
"Seit wann habt ihr denn am ersten Schultag Training?", fragt Dad mit gerunzelter Stirn, während Mom in der Küche verschwindet.
"Ähm..."
Holt das Popcorn raus, Freunde. Jetzt wird's interessant.
"Der Coach ist der Meinung, dass wir... Naja, einen guten Start in, ähm, also in das Jahr brauchen. Und deshalb trainieren wir mehr. Ja, genau, mehr Training, bessere Ergebnisse."
Was für eine schreckliche Ausrede, aber was habe ich erwartet? Devon ist und bleibt einfach ein miserabler Lügner. Aber das ist durchaus von Vorteil für mich.
Dad ist anzusehen, dass er ihm nicht wirklich glaubt, aber er fragt nicht weiter nach. Wahrscheinlich will er einfach keinen Streit, wenn er doch gerade erst wieder nach Hause gekommen ist.
"Was steht ihr denn nur so rum? Macht euch nützlich und deckt den Tisch." Mom sieht uns auffordernd an und läuft dann auch schon in die Küche um das Essen fertig zu machen, gefolgt von unserem Vater.
"Und?" Mit einem verschmitzten Lächeln wende ich mich Devon zu. "Hast du die nackte Fremde unter deinem Bett versteckt oder muss sie gerade aus dem Fenster klettern? Ich hoffe sie verletzt sich nicht, das wäre doch zu schade. Ich meine, ich könnte Dad natürlich-"
"Halt bloß die Klappe, Luce!", zischt er. Sein Blick verfinstert sich, aber mein Grinsen bleibt an Ort und Stelle.
"Aber warum denn? Dad wäre sicher hoch erfreut, wenn er-"
Diesmal ist es nicht Devon der mich unterbricht sondern ein Poltern auf der Treppe. Unsere Blicke schnellen zum Ort des Geschehens und ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Die nackte Fremde, mittlerweile in einen Hauch von Nichts gekleidet und mit Schuhen in der Hand, liegt halb auf der Treppe und ist offenbar ausgerutscht.
"Devon? Luce? Was ist das für ein Lär-"
"Ach du heilige Scheiße."
Der erste Ausruf war Dads aus der Küche, der zweite kam von Mom, die bereits hinter uns stand und das Ausmaß der Katastrophe einschätzte.
"Wer ist das, Sohn?" Nun ertönt auch Dads Stimme und er beobachtet das Mädchen auf der Treppe, wie sie versucht aufzustehen und ihre Sachen zusammen zu sammeln.
"Ähm... Das ist... Also, das ist schwer zu erklären." Der Blick meines Bruders huscht zu mir und er sieht mich an als erwarte er Hilfe von mir. Da kannst du lange drauf warten, Bruderherz!
"Nun hilf der junge Dame doch mal!" Dad sieht ihn streng an und ohne zu zögern geht Devon auf die Fremde zu und hilft ihr tatsächlich hoch um ihr kurz darauf die Schuhe in die Hand zu drücken.
"Also, wie heißt sie?" Nun durchbohrt Mom ihren ältesten Sohn mit Blicken und versucht böse auszusehen. Normalerweise würde sie die Situation mit einem Kopfschütteln abtun und nie wieder erwähnen, aber ihr ist sehr wohl bewusst wie Dad denkt. Für ihn ist das ganze hier eine große Sachen. Keine Ahnung warum, aber in solchen Dingen ist er nun mal von der alten Schule.
"Also, das ist... Sophia." Er fahrt sich nervös durch die Haare und sieht zur nackten Fremden.
"Maya.", schießt sie zurück und starrt Devon bestürzt an.
"Ja, natürlich. Maya." Ich gebe mir die größte Mühe mein Lachen zu unterdrücken, aber ich bin machtlos. Diese Situation ist einfach urkomisch. Der wütende Blick den ich von Mom zugeworfen bekomme bringt mich dann doch zum Schweigen.
"Nun ja," Dad räuspert sich und versucht offenbar nicht allzu geschockt zu wirken. "Möchte deine Freundin denn zu Essen bleiben?"
"Freundin?" Nun ist Devon der jenigen der geschockt ist und will sich gerade irgendwelche Ausreden ausdenken, als die nackte Fremde, pardon, Maya, wie selbstverständlich sagt:
"Es wäre mir eine Freude, Mr. VanCamp."
Der Ausdruck auf dem Gesicht meines Bruder ist goldwert.
Dieser Tag wird immer besser...
1137 Wörter
Ich muss ehrlich zu geben, dass ich beim Schreiben einen heftigen Lachflash hatte xD Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr lasst ein Vote da.
So, ich muss mich dann mal wieder verziehen. Netflix wartet...
Eure AvaWard
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Alpha's Mate
LobisomemLuce VanCamp führt ein gewöhnliches Leben -gute Freunde, nervige Geschwister, Schulstress- ganz normal, bis auf die Tatsache, dass sie ein Werwolf ist. Ihr Leben macht eine 180 Grad Wendung als sie auf ihren Mate trifft, Simon. Simon LeMarshall ist...