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Die alte Kutsche in der ich saß hatte eindeutig schon bessere Zeiten hinter sich gehabt. Der Boden war löchrig, die Räder knackten bei jedem Meter und die Fenster waren versehen mit gesprungenem Glas.

Ich konnte immer noch nicht glauben, dass Vater mich nach Winterfell schickte um den Bastard zu heiraten. Anfangs schien er meine Meinung zu teilen und machte sich gleich auf den Weg zu Asha, als er wiederkam hatte sich seine Meinung jedoch geändert. Immer noch wusste ich nicht, was sie ihm in den Kopf gesetzt hatte. Deswegen lag mein Zorn auf Asha also so ziemlich gleich auf, wie der zu Vater. Sie konnten sich doch sicherlich denken was dieses Monster mit mir anstellen würde, wenn Theon schon seinen Schwanz verlor.

Mir graute es nichtmal am meisten vor der Hochzeit, sondern eher vor der Zeit wenn er hatte was er wollte, also vermutlich dutzende Nachkommen. Er würde mich nicht mehr brauchen und ich würde höchstwahrscheinlich auch verstümmelt werden. Ich wusste zwar das heiraten heutzutage nicht mehr viel mit Liebe zu tun hatte, aber einen Bolton hatte wirklich niemand verdient.

Wie konnte Vater mir sowas antun?

Um die Tränen zurückzuhalten atmete ich einmal tief durch und blickte durch das zersplitterte Fenster. Wir hatten nichtmal die Flusslande verlassen, obwohl wir schon einen Tag unterwegs waren. Mein Leben war wirklich deprimierend.

Seufzend spielte ich mit dem Saum meines Kleides herum. Ich hatte dieses Kleid vor einiger Zeit von Mutter bekommen, grau wie meine Augen und nicht wirklich edel. Nichtmal sie wollte mich begleiten. Es verletzte mich mehr als ich zugeben wollte, dass von meiner Familie nur Theon anwesend sein würde. Und ob dieser noch Ähnlichkeit mit dem Theon von früher hatte wagte ich zu bezweifeln.

Durch ein lautes knacken und das darauffolgende harte Stoppen wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.

"Was ist los?", rief ich genervt und seufzte als ich ein Fluchen hörte.

"Mylady, es tut mir wirklich unsagbar leid, aber der vordere Reifen ist gerade gebrochen."

"Und jetzt?"

"Ich denke wir haben nur eine Wahl; ihr nehmt ein Kutschpferd und reitet mit den Eisenmännern nach Winterfell, ich werde mit dem anderen Pferd versuchen zu den Zwillingen zu kommen und werde von dort einen Raben nach Winterfell schicken, damit eure Sachen abholt werden und-"

Mit einer Handbewegung schnitt ich ihm das Wort ab und nickte. Immerhin war diese Reise jetzt nicht mehr ganz so langweilig.

Nachdem eines der Pferde abgespannt war und ich aufstieg, fühlte ich mich das erste mal seit der Entscheidung meines Vaters wieder etwas wohl. Reiten erinnerte mich an früher. Fast jeden Morgen war ich mit Maron und Asha ausgeritten.

Mit diesen Erinnerungen vor den Augen trieb ich den etwas trägen Rappen an und schon bald galoppierte ich, mehr oder weniger schnell, über den unebenen Weg vor mir.

SomberWo Geschichten leben. Entdecke jetzt