Ein furchtbar lautes Donnern riss mich aus dem Schlaf und ich blickte mich schweißgebadet in meinem Zimmer um. Die einzige Lichtquelle war eine Kerze neben der Tür. Ich braucht einen Moment um zu realisieren, dass ich wirklich bei den Boltons war. Ich hatte mich gestern Abend mehr oder weniger in den Schlaf geweint. Ich vermisste Asha und die Eiseninseln. Ich vermisste sogar Vater und den alten Theon. Wieder stiegen mir Tränen in die Augen und ich rieb mir durchs Gesicht.
Ich sollte ein neues Nachtgewand auftreiben. Das weiße Seidenkleid von der Fetten Walda klebte unangenehm an meinem Körper. Ein Blitz erhellte kurzzeitig mein Zimmer und ich stand auf. Ich musste eine der Zofen finden, ungern wollte ich das Zimmer von Lord Bolton und Walda platzen.
Barfuß schlich ich mich über den Flur bis ich an der Treppe ankam. Wo lang nun? Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich schnellstens wieder in mein Zimmer gehen sollte, jedoch würde ich in diesem Kleid keine Ruhe mehr finden. Gerade als ich die Treppe runtergehen wollte, schloss sich eine kalte Hand um meinen Mund. Erschrocken japste ich nach Luft, als ich dann bemerkte wie ich in einen dunkeln Raum gezogen wurde.
"Darf ich fragen wieso ihr euch mitten in der Nacht durch die Burg schleicht, Mylady?" Der Bastard nahm die Hand von meinem Mund und fast atmete ich erleichtert aus. Ich dachte wirklich mein letztes Stündlein hätte geschlagen.
"Ich war auf der Suche nach Lady Bolton", erwiderte ich leise.
"Mitten in der Nacht?"
"Ich muss geschwitzt haben, mein Gewand klebt unangenehm und ich wollte sie um ein neues bitten." Ich brachte etwas Abstand zwischen ihn und mich, indem ich zum Fenster schritt an welches starker Regen prasselte.
"Ihr seid die erste aus dem Haus Graufreud, welche trotz Schweiß nicht stinkt." Beinahe quietschte ich auf, als ich seine Hände wieder an meinem Körper spürte. Er stand direkt hinter mir und schloss seine Arme um meinen Bauch, um mich dann grob zu sich zuziehen.
"Bald schon wird Jon Schnee mit Stannis Baratheon vor den Toren stehen. Bis dahin solltet ihr schon fast in Waldas Kleider passen, die Erben können nicht früh genug kommen", sagte er und ich merkte, wie er seine Nase gegen meinen Hinterkopf drückte. In der dunklen Fensterscheibe spiegelte ich mich während den Blitzen immer mal wieder und ich sah wirklich mitleidserregend aus. Mir wurde abwechselnd heiß und kalt, die Nähe zu Ramsay war mir unangenehm und ich hatte Angst.
"Ich denke ich werde wieder in mein Zimmer gehen, wenn ihr mich entschuldigt, Mylord." Ich versuchte mich vorsichtig aus seinen Armen zu winden, jedoch lockerte Ramsay seinen Griff nicht ein kleines Bisschen.
"Ihr könnt sowieso nicht schlafen, bleibt bei mir." Da es sich mehr wie ein Befehl, als wie eine Bitte anhörte, beschloss ich nichts dazuzusagen sondern starrte nur weiter nach draußen. In seinem Zimmer konnte man direkt über die endlosen, deprimierenden Weiten des Nordens blicken. Bei Tagesanbruch musste das wohl ein wunderschönes Schauspiel sein. Ein erneuter lauter Donner ließ mich zusammenzucken und ich spürte wie der Bastard seine Hände weiter nach oben wandern ließ. Genau so eine Situation hatte ich vermeiden wollen. Ich verlangsamte meine Atmung und schloss meine Augen.
Fest umfasste er meine Brüste und ich stellte mir vor wie ich auf Peik wäre und mit Asha Bogenschießen würde. Sie würde wieder gewinnen-
"Ich freue mich schon so sehr auf unsere Hochzeitsnacht, Mylady", schnurrte Ramsay und zog mich auf sein Bett. Geschickt hob er mit einer Hand die Felle zur Seite, ohne mich dabei mit der anderen loszulassen. Ich drehte ihm sofort, als ich die Möglichkeit hatte den Rücken zu. Mein Kleid war zwar mittlerweile widerlich kalt geworden, doch lieber würde ich sterben, als jetzt noch ein Wort darüber zu verlieren. Natürlich zog er mich wieder zu sich, beließ es dann aber glücklicherweise bis er eingeschlafen war, bei meinen Brüsten.
Auch wenn es mir schwer fiel es zuzugeben, seine gleichmäßige Atmung entspannte mich ungemein bei dem schrecklichen Sturm draußen.
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Somber
FanfictionKailen Graufreud, jüngste Tochter des Balon Graufreud von den Eiseninseln war mit ihren 19 Jahren noch kein einziges Mal verheiratet und glücklich mit dem, was sie den ganzen Tag tun konnte; lesen, jagen und reiten. Ihr sorgloses Leben änderte sich...