Blumen aus schwarzem Sand - Tränen der Verzweiflung?

366 17 0
                                    

„ Sag mal, wo bin ich eigentlich?", fragte ich leise. „Du bist zwischen zwei Welten: der Welt der Menschen und dem Totenreich.  Als ich merkte, dass du in den See gesprungen bist, fing ich dich ab. Wenn dir das nochmal passiert, kann ich dir nicht versprechen, dass ich es schaffe, dich nochmal abzufangen und hier herzubringen. Dieses Zimmer ist für die Seelen, die es nicht verdienen zu sterben. Hier warten die Seelen auf das Signal wieder zurück in ihren Körper gehen zu können. Nun meine Frage: Wieso bist du in den See gesprungen?", sie ging zu einem Sofa und setzte sich. In diesem Moment fiel mir eine Frage ein. „Weil ich dich etwas fragen will. Claudia, was sind Mondlichtrosen?", fragte ich sie. Eine Weile sah sie mich ohne etwas zu sagen an. Anschließend sah sie zu Boden und legte ihre rechte Hand auf ihre linke Brust, dort wo das Herz eines jeden sitzt. Ich traute meinen Augen nicht, als plötzlich aus ihrer Brust, nein, aus ihrem Herzen eine mitternachtsblaue Rose kam. „Du meinst solche Rosen, richtig? Diese Rose beziehungsweise die Samen der Rose werden den Seelen, die in das Totenreich kommen eingepflanzt und um genauer zu sein, direkt in das Herz. Es geht dir um die Seele, die heute hier eingetroffen ist oder? Sie ist leider sehr verwirrt. Sie weiß selbst nicht, wer ihr das angetan hat." Claudia gab mir ihre Rose, als ich sie jedoch berührte wurde sie zu schwarzem Sand. „Siehst du, was passiert, wenn die Rose bei Tag zum Blühen gebracht wird und anschließend von einer lebenden Seele berührt wird? Sie zerfällt zu schwarzem Sand. In meinem Körper wächst immer eine neue, darum ist es egal, dass sie zerfällt." „Wann blüht sie denn normalerweise?", fragte ich, während ich auf den schwarzen Sand schaute. „Bei Nacht und..... Oh nein, du musst sofort zurück!" Von jetzt auf dann wurde sie plötzlich sehr unruhig. Sie legte ihre Hand auf meine Brust. Ich wusste nicht, was mit ihr los war. „Was ist denn los?" Ich wunderte mich, dass ich eine so ruhige Stimmlage hatte. „Sie hat bereits Hand an deine Seele gelegt. Ich meine Inoka Naki, sie ist die Dienerin des Tods. Sie hat, seit ihr Meister weg ist, das Kommando über dieses Reich. Hat sie einmal komplett Hand an deine Seele gelegt, zieht sie deine Seele in das Totenreich. Du musst gehen! Ach und ihr Markenzeichen sind die Rosen, deren Sand du in deinen Händen hältst. Sie war es auch, die einen Samen ihrer Rose nach China brachte, um eure Welt im Auge behalten zu können. Auf Geheiß ihrer Majestät... Mehr kann ich dir nicht sagen, du musst auf der Stelle zurück!" Mit diesen Worten löste sie sich von mir auf und lief langsam zu einer Tür, die mir vorher nie aufgefallen war. Als sie die Tür hinter sich gelassen hatte, spürte ich auf einmal wieder die herzzerreißende Kälte am ganzen Körper und ehe ich mich versah, fand ich mich in der Menschenwelt wieder. Allerdings nicht im See, sondern an dessen Ufer und ich hatte das Gefühl, als würde jemand meinen Namen rufen.


Sichtwechsel zum Erzähler

Als Undertaker seine Augen öffnete, sah er das vertraute Gesicht seines Wolfs. Er hatte eine Schulterhöhe von zwei Metern und war das Schattentier von Undertaker. Der Wolf hatte weiß-grauschwarzes Fell und konnte reden. Er sprach ohne seine Schnauze bewegen zu müssen. Das Ungewöhnliche: Schattentiere kommen erst, wenn ihre zukünftigen Meister etwas getan haben, was ihre Aufmerksamkeit auf sie gezogen hat. Undertaker hatte aber nie etwas getan, sein Wolf kam einfach so. „Neru?", fragte Undertaker mit erstickender Stimme. „Ach, sieh mal einer an. Bist du auch mal wach?", fragte Neru. Der Sturm war noch schlimmer geworden und die Temperaturen sanken stetig. Undertaker war kurz davor selbst zu erfrieren, jedoch zog er sich mit letzter Kraft auf Nerus Rücken. „Bring ..... uns.... nach hause...", sagte Undertaker. „Hör mir zu! Du darfst auf gar keinen Fall einschlafen klar?!", rief Neru und rannte los, jedoch wusste er, dass es bis zu seinem Bestattungsunternehmen noch viel zu weit war. „Ich muss zu Lau. Sein Haus ist nicht mehr weit weg.", dachte sich Neru und bog in Richtung Laus Villa ab. Schon, als sie fast da waren, sah Lau aus dem Fenster und begutachtete den Sturm, als er Neru angerannt sehen kam. Er sprang auf und rief Ran Mao zu, sie solle die Tür öffnen. Als sie dies tat, sah sie Neru und von seinem Rücken fiel der fast erfrorene Undertaker. Lau rannte zu ihm. Undertaker sah Lau in die Augen und sagte: „Lau.... du ... musst aufpassen... fünf weitere ....werden .... in kalten Nächten den Kuss..... des Todes empfangen...", danach fielen seine Augen zu. Auch wenn er kurz vor dem Erfrieren war, so standen ihm der Schnee und die kleinen Eiskristalle sehr gut. So auch die Tränen, die sobald sie aus Laus Augen kamen und zu eisigen Tropfen der Verzweiflung und der Wut wurden...

Das TotenreichWo Geschichten leben. Entdecke jetzt