30.Juni 1914
Ich war gerade vertieft in ein Stück von Beethoven vertieft, als mein Vater in mein Zimmer kam, er wartete bis ich fertig war und fragte dann: Bist du schon umgezogen? Die Clarks kommen zum Dinner."
,,Warum hast sie eingeladen?" fragte ich zurück, während ich meine Geige an ihren Platz zurück legte.
,,Ich wollte mich mit Charles unterhalten, du kannst mit Rose reden. Du bist immer so alleine, wir brauchen mal wieder etwas Gesellschaft."
,,Also, erstens ich bin nicht alleine, du bist doch da. Zweitens ..."
,,Ich bin dein Vater und definitiv nicht in deinem Alter." unterbrach er mich.
,,Zweitens " wiederholte ich mich ,,ist Rose langweilig, worüber soll ich mich den mit ihr unterhalten, sie interessiert sich nur für die neuste Pariser Mode. Und drittens ich kann mich mit Anne unterhalten, sie versteht mich deutlich besser als Rose."
,,Anne ist ein Hausmädchen und auch älter als du, willst du dich nicht lieber mit jemandem in deinem alter unterhalten?"
,,Nein! Warum muss ich mich auch mit jemandem in meinem alter unterhalten wollen?"
Mein Vater schüttelte lächelnd den Kopf ,,Machst du dich jetzt fertig ?"
Ich nickte zerknirscht. Mein Vater und Charles kannten sich aus der Zeit ihres gemeinsamen Jurastudium, die Clarks waren der letzte Zweig von irgendeiner verarmten, adeligen Familie aus York. Ich weis nicht warum sie jetzt in Cambridge wohnen. Ich wohne mit meinem Vater und einigen Bediensteten auf Audley End*, einem Herrenhaus in der nähe von Saffron Walden. Es ist eigentlich viel zu groß für zwei Bewohner, aber mein Vater will es nicht verkaufen, es ist schon lange im Besitz der Masons und wir können es ohne Schwierigkeiten unterhalten.
Es klopfte an der Tür und Anne kommt herein, ,,Ihr Vater sagte ich soll ihnen beim Ankleiden helfen. " entschuldigt sie sich sofort. ,,Aber natürlich." ich stehe auf.
,,Guten Abend Rose, wie geht es ihnen?" fragte ich höflich aber es interessierte mich eigentlich nicht. Ich trage nun ein rotes Kleid und meine lockigen, dunkelbraunen Haare hat Anne in eine aufwendige Hochsteckfrisur gebracht. Wir setzen uns an die große Tafel im Esszimmer, erst jetzt beantwortet sie meine Frage. ,,Mir geht es sehr gut, mein Verlobter ist gerade in London.
Ihr Verlobter, sie ist verlobt? Dass ist mir neu, oder ich habe es wieder vergessen. ,,Was macht ihr Verlobter in London?"frage ich sie.
,,Er arbeite dort, dass habe ich dir das letzte mal erzählt."
,,Tut mir leid, ich habe nachgedacht." mist, mist, mist ich hatte es vergessen.
,,Worüber hast du nachgedacht?" fragte sie, gut gemacht, sehr sehr gut gemacht jetzt ist sie eingeschnappt.
Das erste was mir einfiel war ,,Sarajevo, das Attentat auf Franz Ferdinand den Thronfolger von Österreich-Ungarn," Rose zog eine Augenbraue hoch, ,,ich hoffe ,dass es nicht zum Krieg kommt." ergänzte ich hastig, ich wüsste, dass dieses Thema ihr nicht sehr gut gefiel, aber besser als nichts.
,,Kein Thema über das sich junge Frauen den Kopf zerbrechen sollte." das war Charles, ich war dankbar, dass ich mich so nicht weiter mit Rose unterhalten musste, ich begann zu essen.
*Audley End gibt es wirklich und es ist auch bei Saffron Walden, nur dass andere Personen darin gewohnt haben.
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Lieder der Hoffnung
Historical FictionDer Krieg hat begonnen. Ein Krieg wie ihn die Welt noch nie zuvor gesehen hat, indem noch nie so viele Länder gleichzeitig gegeneinander gekämpft haben. Der Erste Weltkrieg. Mitten drin die sechzehnjährige Elisabeth Mason. Sie ist schön, freundlich...