Kapitel 4

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Montag 10. August 1914

Ich wurde von den Sonnenstrahlen, die mir ins Gesicht schienen geweckt. Leise stand ich auf und schlich mich in die Bibliothek um mir ein Buch zu holen. Vor dem Kamin kniete Emily und versuchte das Feuer anzuzünden. ,, Guten Morgen! " sagte ich in der Hoffnung sie nicht allzu sehr zu erschrecken, doch genau das tat ich ,, Es tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken.". Hastig stand sie auf und strich ihr Kleid glatt, eine glänzend schwarze Strähne hatte sie aus ihrem lockerem Dutt gelöste und kringelte sich über ihre Schulter. ,, Ich wusste nicht, dass jemand hier seien würde." Entschuldigte sie sich schüchtern, sie wollte den Raum verlassen, aber ich hielt sie zurück indem ich sie ansprach,, Mrs Healey hat mir von ihrer Schwester erzählt, wie alt ist sie?" ich fragte sie. ,, Gwen, also eigentlich Gwendolyn ist 10 Jahre alt, Miss." antwortete sie mir mit gesenktem Kopf,, Wo wohnt sie? Du kannst ja jetzt mit unseren restlichen Angestellten hier im Haus wohnen." ,,Wir wohnen in einer kleinen Wohnung im Dorf, ich kann nicht hier her ziehen, wegen Gwen." Gab sie Auskunft und verschwand. Ich war gerade auf eine Idee gekommen, aber ich musste erst meinen Vater fragen bevor es sich lohnte weiter darüber nachzudenken. Ich vergaß das Buch welches ich mir eigentlich hatte holen wollen und verschwand in mein Zimmer um mir etwas anderes anzuziehen. Wenn ich im Nachthemd zum Frühstück erscheinen würde, würde mein Vater mir wahrscheinlich den Kopf abreißen. Als ich endlich in das Esszimmer lief, hatte ich ein leichtes, weißes Seidenkleid an, dessen Oberteil war mit einem cremefarbenem Rosenmuster verziert worden.

Ich begann mit dem Frühstück nachdem mir Mr Brook, der Kammerdiener meines Vaters und unser Butler, versichert hatte, dass mein Vater bald kommen würde. Dieser kam auch tatsächlich wenige Minuten später. Ich musste mich sehr zusammenreißen nicht zu lachen, während ich beobachtete, wie er sofort nach seiner Kaffeetasse griff, sich dessen Inhalt fast über den Anzug goss, sich an dem heißen Getränk die Zunge verbrannte, diese zurück auf den Tisch stellte um schließlich laut über unsere Köchin, die arme Mrs Gray, zu schimpfen, warum in Gottesnamen der Kaffee denn so heiß seien musste. Warum war es denn Mrs Grays Schuld, dass er nie warten konnte, bis der Kaffee auch nur ein bisschen abgekühlt war. Ich grinste und fragte ihn, ob er denn lieber kalten Kaffee haben wolle, woraufhin er seinen Kopf beleidigt in eine Zeitung steckte. Etwas später begann ich zu sprechen:,, Papa, ich habe dir gestern von Emily erzählt...", er sah mich fragend an ,, Ja, was ist mit ihr?", zögernd sprach ich weiter ,, Sie wohnt mit ihrer kleinen Schwester Gwen im Dorf, Gwen ist erst 10 und deswegen wird Emily nicht hier her ziehen. Wir haben so viele leere Zimmer, die eigentlich für die Bediensteten gedacht sind, da könnten sie doch einfach beide hier einziehen, oder?". ,, Ich habe nichts dagegen,", sagte er und stand abrupt auf ,, ich muss in die Kanzlei." und er verließ den Raum. Kurze Zeit später verschwand ich mit meiner Geige in der südlichen Bibliothek.

* Fast alle von mir beschriebenen Kleider sind nicht genau aus der Zeit, aber alle in den Jahren von 1900 bis 1920.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Sep 05, 2018 ⏰

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