Brief - Nadine an Cedric

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[an einen Seelenverwandten - gefunden 05. September 2017]


Liebster Cedric

In unserer Jugend waren wir einfach Kumpels. Nicht sehr nah und trotzdem mochten wir uns immer. Wir haben auch nie alleine was unternommen, immer nur mit den andern zusammen.

Wie das Leben so spielt, haben wir uns aus den Augen verloren und wie ich später erfahren sollte, nicht zum letzten Mal, obwohl wir später zumindest noch wussten, wo der andere zu finden ist. Damals war nichts... Sendepause ... ganze 17 lange Jahre lang.

Unser Wiedersehen nach dieser endlosen Zeit war... wie soll ich sagen... atemberaubend. Etwas, das wir beide nie erwartet hätten! Wie kann dir ein Mensch in etwa zwei Minuten so nah sein, wie er es niemals zuvor war?

Diese intensive, aber kurze Zeit, die wir zusammen verlebt haben, war etwas vom Wichtigsten in meinem Leben, das muss ich dir ganz ehrlich sagen. Auch wenn wir uns beide nie als Paar gesehen haben, wissen wir beide, dass es etwas ganz Besonderes war. Dazu brauchten wir keine Beziehung zu führen. Vielleicht war es gerade deshalb etwas Besonderes.

Wir benötigten keine Worte, um den andern zu verstehen. Wir wussten einfach, was im jeweils andern vorging und wenn ich dies nicht selber erlebt hätte, hätte ich es nie für möglich gehalten.

Wir hatten Angst, unsere mentale Verbindung und Nähe zu verlieren, wenn wir etwas so profanes wie eine Beziehung daraus entstehen liessen. Wir hatten auch ganz einfach nicht das Bedürfnis dazu.

Obwohl ich Nacht für Nacht in deinen Armen geschlafen habe, ja wir haben durchaus eine gewisse körperliche Nähe gesucht, hatten wir kein Bedürfnis darüber hinaus zu gehen.

Uns war beiden bewusst, dass wir die Intensität unserer Freundschaft nicht über lange Zeit so aufrechterhalten konnten. Es nahm zu viel Platz ein. Es hätte keinen Platz für eine neue Beziehung gegeben, denn kein neuer Partner, hätte die Art unserer „Beziehung" verstanden.

Wenn ich in dieser Zeit daran dachte, dich zu verlieren, erlitt ich regelrechte Panikattaken. Du warst mir mehr wert, als irgendetwas anderes. Mehr als mein grösster Schwarm, mehr als meine romantischste Beziehung. Die Vorstellung, dich zu verlieren, war das Schlimmste, das ich mir vorstellen konnte.

Als du mich aus deinem Leben katapultiert hast, war es das Schmerzhafteste, das ich jemals erlebt habe.

Aber weisst du, was das Schlimmste für mich an dem Ganzen war? Dass du, wahrscheinlich aus Eigenschutz, so getan hast, als hätte es all das zwischen uns nie gegeben. Als wäre es nie etwas Besonderes gewesen. Du hast das, war mir am wertvollsten war, mit Füssen getreten. Das war das Schmerzhafteste!

Aber natürlich... alles geht irgendwann vorbei. Oder auch nicht. Mehr als acht Jahre, habe ich es mit mir herumgetragen. Mehr als acht Jahre, hat es mich immer wieder beschäftigt, ich konnte es nicht beiseitelegen.

Bis ich irgendwann den Entschluss gefasst habe, wieder Kontakt aufzunehmen. Ich wusste, dass ich es langsam angehen musste, damit du nicht wieder "abhaust". Ja, ich kenne dich noch immer und du kennst mich.

Wir haben uns endlich wiedergesehen. Es war so gut dich zu sehen! Mit dir am Tisch zu sitzen, zu lachen und zu Plaudern.

Kurz vor der Verabschiedung hast du zu mir gesagt „Weisst du, das Schöne ist, wir brauchen uns nichts vorzumachen, denn wir kennen uns zu gut."

Auch wenn du es nicht wirklich ausgesprochen hast, weiss ich, dass auch dir bewusst ist, dass es noch da ist. Das Besondere. Du hast es mir mit diesen Worten gesagt. Gefühlt habe ich es sowieso. Aber ich wollte es auch von dir hören.

Natürlich ist es nicht genauso wie früher. Das wäre gar nicht möglich. Aber es ist trotzdem da und das macht mich sehr glücklich.

Die Umarmung, mit der du dich verabschiedet hast, hat mehr ausgesagt, als Worte es hätten tun können.

Ich habe Frieden geschlossen. Nach acht Jahren, hab ich endlich Frieden geschlossen!

Für immer Nadine


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