14 Nervosität

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Schon zum zweiten Mal betrat ich die Schule mit meinen alten Kleidern. Jungkook wollte heute ja wieder da sein und ich wollte zeigen, dass ich wieder ich bin. Meine weißen Ballerinas passten zu meiner weißen Latzhose. Dazu ein hellrosanes Shirt mit Fledermausflügeln. Ein passender Haarreif und rosane Socken. Mädchenhaft war das Outfit auf jeden Fall.

Vor dem Raum blieb ich aber stehen. Jungkook ist mit großer Wahrscheinlichkeit schon da. Wie soll ich ihm gegenüber treten? Wirklich nur mein altes Ich oder sollte ich mein neues Ich vielleicht nicht ganz verstecken? Meine Mutter meinte, dass wir es so machen sollen, wie wir es auch wirklich wollen. Zumindest habe ich das so verstanden.

Nur ohne ein bisschen Selbstvertrauen von Jungkook und mir, werden wir bis zu unserem Abschluss nicht weiter sein. Und da fiel mir auf einmal etwas auf.

Jungkook meinte, dass ich Klamotten tragen solle, die eine Mischung aus dem coolen und dem mädchenhaften Stil sind. Irgendwie glaube ich, dass er mir damit auch sagen wollte, dass ich beides vom Charakter her sein sollte.

Mein Selbstbewusstsein hat mir viele neue Türen geöffnet, daher wird es mir auch hier gut helfen.

Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen betrat ich das Klassenzimmer. Wie erwartet war Jungkook schon da. Ich setzte mich schnell auf meinen Platz, was ihn dazu brachte, aufzustehen und zu mir zu kommen.

"Hi Lina. Wie gesagt, bin ich wieder in der Schule", begrüßte er mich freudig. "Das freut mich. Aber viel hast du gestern nicht verpasst." Ich schüttelte den Kopf und er begann leicht zu lächeln, wie ich eben. "Anscheinend schon. Du hast deine alten Sachen an." Ich blickte zu mir runter. "Deine Haare werden wohl noch ein Weilchen brauchen, aber so schlimm sind deine Haare ja nicht."

Ich bedankte mich für sein Kompliment. Heute war er sehr selbstbewusst. Ich zwar auch, aber ich dachte wir fahren diese Fassade etwas runter. Vielleicht ja aber morgen. Er wusste ja gar nicht, dass ich wieder ich selbst sein wollte.

Plötzlich kamen Mija und Taehyung rein. Oder viel mehr, kam Mija rein. Taehyung blieb im Türrahmen stehen. "Hey Jungkook! Kommst du mal kurz mit raus?" Verwundert sah Jungkook zu Mija, in der Hoffnung sie wüsste, was er wollte. Doch sie zuckte nur mit den Schultern. "Ich komme gleich wieder, Lina", gab er mir bescheid und verließ den Raum.

Als die Tür in Schloss fiel, fragte Mija mich: "Glaubst du, seine Freunde reden mit Jungkook über das Date von vorgestern?" Seine Freunde? 

"Freunde?", wiederholte ich den Plural des Wortes. Mija nickte. "Ja, alle sieben stehen jetzt vor der Tür. Dass alle so plötzlich mit Jungkook reden wollen, ist seltsam. Aber schlimmer ist es, dass ich nicht dabei sein darf. Normalerweise bin ich immer dabei, wenn es wichtige Dinge zu besprechen gibt."

Ich verstand worauf sie hinaus wollte. "Daher vermutest du, dass es etwas mit mir zu tun haben muss. Wenn du dabei bist, könnte die Gefahr bestehen, dass du es mir auch sagst. Und das wollen sie vielleicht ja nicht."

"Genau. Also glaubst du auch, dass sie über dich reden?" Nur so halb. Aber ich habe eine Idee. "Wir werden das mit etwas Glück erfahren, wenn Jungkook wieder hier rein kommt. Wenn sie über mich gesprochen haben, wird Jungkook vielleicht etwas schüchterner oder sogar unsicherer sein. Je nachdem, worüber sie genau gesprochen haben."

Und wenn man vom Teufel spricht. Jungkook und Taehyung kamen beide zurück in den Raum. Ich hätte geglaubt, dass beide zu uns kommen, um mit uns reden oder so, aber das taten sie nicht. Die beiden Jungs setzten sich auf ihre Plätze.

Jungkook sah zum einem nachdenklich, aber zum anderen auch resigniert. Nur warum? Das hätte ich ihn am liebsten gefragt, aber das wäre mir zu peinlich und er will bestimmt nicht drüber reden. Besonders, wenn es etwas mit mir zu tun hat.

"Und?", fragte Mija leise. "Glaubst du, dass es etwas mit dir zu tun hat?" Genauso leise antwortete ich: "Das ist schwer zu deuten. Wenn es etwas mit mir zu tun hat, dann war es vielleicht nicht so... vielleicht hat er sich etwas anderes vorgestellt bei dem Gespräch.

Und wenn es nichts mit mir zu tun hat, kann ich doch eigentlich froh sein. Dann ist er nicht wegen mir so."

Es klingelte. Ich hatte gar nicht bemerkte, dass unser Geschichtslehrer schon im Raum war. Das bedeutet, dass wir pünktlich mit den zwei Stunden Geschichte anfangen können. Was für ein Spaß...

Nachdem ich die beiden Geschichtsstunden überlebte und der Lehrer den Raum verlassen hatte, atmete ich erleichtert aus und streckte mich. Als ich meine Augen wieder öffnete, stand Jungkook vor mir. Er stand nur da und lächelte schüchtern. Das brachte mich dazu, es ihm gleich zu tun.

Sein wunderschönes Lächeln verschwand auf einmal und er seufzte. Sollte ich ihn doch fragen, was los ist? Wenn er es mir nicht sagen will, dann ist das nicht schlimm, nur wenn es etwas Wichtiges ist, dann wäre es höflich danach zu fragen und meine Hilfe anzubieten. "Ist alles in Ordnung, Jungkook?"

Er nickte schnell. "Ja... eigentlich schon. Würdest du vielleicht kurz mit mir mitkommen?" Für einen kurzen Moment zögerte ich. Wohin will er denn mit mir? Aber wenn ich hier sitzen bleibe, dann werde ich es wohl nicht erfahren.

Etwas unsicher stand ich auf. Jungkook hielt mir die Tür auf und ließ mich zuerst durchgehen. Wortlos liefen wir durch die Schule. Mein Herz schlug etwas schneller als normal. Aber das war mir egal. Ich wollte wissen, wo Jungkook mit mir hin wollte.

Wir kamen an der Tür an, die nach draußen auf den Pausenhof führte. Was will er denn draußen? Aber schon einen Augenblick später sah ich zumindest das Zeil unserer Reise. Am Rand des Weges stand eine Bank, an der fünf Jungen sich befanden. Jungkooks Freunde, um genau zu sein.

Irgendwie war mir diese Situation befremdlich. Wollte er mich etwa seinen Freunden vorstellen? Das kann man machen, wenn wir ein Paar wären, aber so war die Bekanntschaft doch eher irrelevant.

Als Jungkook und ich an der Bank ankamen, drehte sich Jungkook um und sah an mir vorbei zu der Tür, durch die wir eben kamen. Dort war wohl jemand, der ebenfalls hier sein sollte. Beim Näherkommen, erkannte ich die Stimmen sofort. Es waren Mija und Taehyung. Wollen sie mich etwa zu einem Mitglied ihrer Truppe machen?

Jungkook atmete tief ein und aus. Aus unerfindlichen Gründen stieg er auf die Bank und richtete seinen Blick auf mich. "W-Was hast du vor?", fragte ich unsicher. Wieder einmal seufzte er. Er schloss für einen Moment seine Augen, öffnete sie und sah mir intensiv in meine Augen.

"Ich mache etwas, was mein Leben sehr verändern wird."

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1100 Wörter

Es tut mir leid, dass ich hier aufhöre, aber das nächste Kapitel kommt ja morgen.

Und das warten wird sich bestimmt lohnen. So viel kann ich sagen.

~🌹LY🌹~

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