Mit rasendem Herzen renne ich über das taunasse Gras. Vor mir mein älterer Bruder. Wir haben nur diese eine Chance. Ich weiß von dem Plan nur das ich dicht bei ihm bleiben muss und niemals stehen bleiben darf. In der Ferne kann ich schon die Mauer erkennen. Die Mauer die uns von etwas trennt das ich nicht kenne. Vertrauen. Mama, Papa und Elias haben darüber gesprochen als wäre es eine Person. Mir haben sie gesagt ich wäre mit meinen sechs Jahren noch zu klein und würde das nicht verstehen. Einmal habe ich an der Tür gelauscht. Ich weiß das man das nicht darf aber ich war so neugierig und die Informationen so interessant. Papa redete davon das wir niemandem außer der Familie mehr vertrauen können da die Regierung alles überwacht. Was die Regierung ist ist mir auch nicht ganz klar doch als Mama mich dann erwischt hat wie ich hinter der Tür saß, ermahnte sie mich dass ich selbst meinen Freunden nichts davon erzählen darf.
Jetzt bin ich hier auf einem riesigen windigen Feld und jedesmal wenn ich den Halt unter den Füßen verliere packt Elias mich am Arm, zieht mich hoch und trägt mich eine Weile. Er ist stark und schlau. Er weiß viele Dinge, unter denen ich mir nichts vorstellen kann. Bei ihm fühle ich mich sicher und geborgen.
Seit Stunden laufen wir nun schon. Meine Beine werden schwer und ich stolpere über meine eigenen Füße. Ich fange an zu quengeln. Mein Bruder führt uns unter einen deckenden Busch. "Ich will nach Hause. Warum können Mama und Papa nicht mit? ", jammere ich. "Du musst jetzt ganz leise sein. Vertrau mir!", beruhigt er mich. Ich frage:" Was redet ihr eigentlich immer wenn ich im Bett bin?" Ich fühle mich nicht gut weil er mich auffordert ihm zu Vertrauen, mir aber nicht sagen will warum wir hier sind. "Dafür bist du noch zu klein. Das verstehst du nicht. " ,wiederholt er den Satz den ich am allerwenigsten mag. Ich bohre weiter und als er mich immer noch nicht aufklärt weigere ich mich weiter zu gehen. Meine Taktik scheint aufzugehen. Er nimmt mich in den Arm und flüstert:"In unserem Land gibt es schreckliche Menschen, Sina, die genauso schreckliche Dinge tun. Vor diesen Leuten rennen wir weg. Wir können nie wieder zurück nach Hause? " Ich bemerke nicht dass Elias sich verkrampft. Ich sehe nur ein Licht das immer näher kommt. "Ich nehme dich jetzt auf den Rücken, denn wir müssen schnell sein."
Ich bin immer gerne getragen worden. So auch jetzt. Doch ich spüre dass er Angst hat. Also habe ich auch Angst. Seine gleichmäßigen Schritte sind einschläfernd. Bis... ein Knall ertönt. Ich würde gerne schreien aber ich darf nicht. Elias vertraut mir schließlich. Und ich vertraue ihm.
Er rennt schneller, immer schneller. Bald haben wir die Mauer erreicht.
Ich höre einen weiteren Knall. Noch einen. Jetzt muss ich schreien, denn mein Arm wird von einer Kugel getroffen. Ich habe kaum noch Kraft mich festzuhalten. Die Schmerzen werden von Sekunde zu Sekunde stärker. Dann falle ich. Im letzten Augenblick schlingt Elias seine Arme um mich. Jetzt habe ich keine Angst mehr, denn ich bin mir sicher das er mich hält und sicher in mein neues Zuhause bringt, das er mir zuhören wird, sollte ich jemals Probleme haben, das er mir alles erzählt, auch wenn ich es nicht verstehe. Ich kann ihm vertrauen.
Ich hoffe das ist in Ordnung. Da ich leider morgen Schule habe musste ich mir auf die schnelle was überlegen. MinzMieze00
