Vor dem Süßigkeitenstand bleibe ich stehen. Zwischen den Lebkuchen blickt eine dünne Frau hervor. „Darf es etwas sein?" Sie lächelt mich an. „150g gebrannte Mandeln bitte. Und wenn es Ihnen nichts aus macht, würde ich gerne ein paar Fragen stellen."
Britta macht kurz eine Pause und lässt ihren Kollegen übernehmen, um sich mit mir zu unterhalten. Von den Mandeln werden meine Finger wieder warm. „Arbeiten sie schon lange hier?" Sie lächelt mich an und nickt. „Ja, ich arbeite seit 24 Jahren jeden Winter hier." Den Rest des Jahres ist Britta Mutter. „Am Anfang habe ich etwas Abwechslung gesucht. Jeden Tag das ganze Jahr über nur den Haushalt und die Kinder, das wird irgendwann langweilig." Ich wundere mich, wie ein Leben mit Kindern langweilig werden kann, aber bevor ich fragen kann, erzählt sie schon weiter: „Und so verdiene ich etwas extra Geld dazu, das ich dann für die Geschenke meiner drei Söhne ausgeben kann." Ihre Kinder sind mittlerweile 10, 15 und 24 Jahre alt. „In den ersten Jahren habe ich immer am Glühweinstand gearbeitet. Aber hier bei dem Süßkram gefällt es mir besser, es riecht immer so gut."
Mit 18 ist Britta in diese Stadt gezogen, wegen der Liebe. „Ich habe mir mein Leben nie so vorgestellt. Ich wollte einen richtigen Job und eigentlich auch nicht von zuhause weg. Aber so kann es im Leben kommen."
An ihrem Beruf liebt sie die glücklichen Gesichter ihrer Kunden, die sich über Süßes so sehr freuen können wie über einen Lottogewinn. Nach all den Jahren kann sie selbst immer noch gebrannte Mandeln essen, entgegen der Warnungen aller ihrer Bekannten.
„Ich vermisse meine Heimat, aber wir fahren jedes Jahr mindestens einmal dorthin und besuchen meine Eltern." Ihre Eltern würden sie sehr vermissen, erklärt sie mir. Aber wegen der Arbeit ihres Mannes wäre es nicht möglich, umzuziehen. Ihre Kinder hätten da wohl auch etwas gegen.
Ich genieße die letzte Mandel und verabschiede mich von Britta, die wieder in ihren Wagen steigt, um weiter zu arbeiten.
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Weihnachts-Zauber
RandomJeder Mensch ist einzigartig. Dies ist ein Versuch, ihre Einzigartigkeit festzuhalten. Das Ganze ist als Adventskalender geplant, es wird also jeden Tag in einem neuen Kapitel eine neue Person vorgestellt, so dass es am Ende 24 Geschichten gibt.
